Griechenland: Ein normales Land ohne normale Bürger

26. Mai 2018 / Aufrufe: 1.228

Nicht Griechenland muss zur Normalität zurückkehren, sondern seine Bürger müssen normal werden.

Ist das, was wir in Griechenland jeden Tag beobachten, „Normalität“?

Sicherlich ist es Alltäglichkeit. Und ab dem Moment, wo es alltäglich stattfindet, zählt es zu dem, was jeder von uns als Normalität aufzufassen vermag.

Alltägliche Extremitäten in Griechenland

Sehen Sie, die Menschen passen sich sogar auch an die Extremitäten an:

  • Der Bürgermeister (Giannis Butaris) der zweitgrößten Stadt des Landes (Thessaloniki) wird öffentlich Zuschauer verprügelt und mit Lynchjustiz bedroht.
  • Das höchste Gericht des Landes erfährt einen Angriff von einer dazu tendierenden „anarchistischen Kollektivität“, eine institutionelle Dimension zu erwerben.
  • Die selbe Gruppe bedroht direkt de Führer der amtierenden Opposition (sprich den Parteiführer der Nea Dimokratia, Kyriakos Mitsotakis).
  • Wenige Tage vorher legte der Präsident des besagten Gerichtshofs sein Amt nieder, Vorwürfe gegen seine Kollegen und die Regierung erhebend.
  • Die Richterverbände bezichtigen bei jeder Gelegenheit die Regierung wegen Interventionen in das Werk der Justiz.
  • Der Berufsverband der Polizeibeamten beschuldigt die Regierung eines „störenden Desinteresses“ in Zusammenhang mit all dem, was in einem (konkreten) Bezirk im Zentrum Athens –  sprich Exarchia – geschieht.
  • Fast alltäglich prügeln sich „Aktivisten“ mit den polizeilichen Spezialeinheiten (MAT) und verhindern die Durchführung von (Zwangs-) Versteigerungen.
  • Die rechts- und linksextreme Gewalt auf den Straßen beschäftigt sogar die parlamentarische Tagesordnung.
  • Dem zentralen Energielieferanten des Landes, sprich der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI), droht der Bankrott.
  • Kein Rentner vermag sich bezüglich der Rente sicher zu sein, die er in sechs Monaten ab heute beziehen wird.
  • Ebenfalls weiß kein Immobilienbesitzer mit Sicherheit, wie hoch die Steuer auf sein Eigentum ausfallen wird.
  • Die Banken agieren seit mittlerweile drei Jahren unter einem Regime der Beschränkungen im Kapitalverkehr.
  • Die Regierung präsentiert einen zusammengeschriebenen inhaltslosen „Dummquatsch“ als „holistischen Konjunkturplan„.
  • Der Premierminister dreht (Werbe-) „Spots“, mit denen er davon zu überzeugen versucht, Griechenland sei zur Normalität zurückgekehrt.

Nicht Griechenland, sondern seine Bürger müssen normal werden

Ist all das Vorstehende Normalität? Sicherlich ist es Alltäglichkeit. Und ab dem Moment, wo es zur Alltäglichkeit wird, zählt es gewissermaßen zu dem, was jeder von uns als Normalität aufzufassen vermag. Wenn jeden Tag auf den Straßen Prügeleien stattfinden oder irgendwelche Typen öffentliche Behörden stürmen, passen die Menschen sich an und akzeptieren es als normal..

Wir leben in Zeiten, wo der Bürger erschrocken um sich herum schaut und auf seinen eigenen Buckel aufpasst. Schwerlich wird er seine Stimme wegen der Chaoten in Exarchia, der Rechtsextremisten am weißen Turm (in Thessaloniki) und der Rubikon-Anarchisten beim Obersten Verwaltungsgerichtshof (StE) erheben. Außerdem wird ihm niemand attackieren, solange er die Klappe hält und darauf achtet, wohin er sich begibt.

Er meint, die Kapitalverkehrskontrollen tangieren ihn nicht, und er fasst auch nicht den drohenden Bankrott der DEI als sein Problem auf. Ok, die Justiz mag von der Regierung beeinflusst werden, aber seine Angelegenheiten beziehen sich auf Streitigkeiten um irgendwelche Felder. Und sogar der Rentner hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. „Mensch, was soll ich denn machen …„, beschied ihm Premierminister Alexis Tsipras. Richtig. Die Renten kürzen die Ausländer.

Es ist nicht Griechenland, das zur Normalität zurückkehren muss. Es sind seine Bürger, die normal werden müssen.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Kostas Giannakidis)

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