Griechenlands Banken tauschen Immobilien gegen Miete

9. März 2018 / Aufrufe: 1.062

Die von von den Gläubigern Griechenlands unter Druck gesetzten Banken, sogenannte rote Kredite abzubauen, forcieren einvernehmliche Vereinbarungen mit den Schuldnern.

Die Banken in Griechenland werden in nächster Zeit den Weg einvernehmlicher Lösungen mit den Kreditnehmern befolgen und deren Rhythmen mit dem Ziel beschleunigen, den „roten“ Krediten zu begegnen. Ihre Umsetzung hat bereits begonnen und wird sich im unmittelbar kommenden Zeitraum weiter entwickeln.

Unter besagten Lösungen sind die freiwillige Veräußerung der Immobilie zur Deckung der Schuld, der Tausch gegen eine andere geringeren Wertes und sogar auch die Abtretung der Immobilie an die Bank und ihre anschließende Vermietung an den Kreditnehmer umfasst.

Zwangsversteigerungen in Griechenland hatten nicht das erwartete Resultat

Die Anzahl der (Zwangs-) Versteigerungen von Immobilien in Griechenland mag kontinuierlich zunehmen und es sind bereits wieder 330 elektronische Versteigerungen geplant worden, jedoch hat dieser Umstand Bankfunktionären zufolge bisher nicht die erwarteten Resultate hinsichtlich der Anteile speziell jener Schuldner gebracht, die sich aus Angst (vor drohenden Zwangsmaßnahmen) vernünftigerweise von allein geeilt haben sollten, ihre Verbindlichkeiten zu regulieren.

Angesichts der Tatsache, dass die Zeit zum Abbau der sogenannten „roten“ (sprich „faulen / leistungsgestörten / notleidenden“ Kredite drängt, beginnen somit die Banken inzwischen massenhaft mit Umgestaltungen „solcher Kredite in eine Vereinbarung mit den Kreditnehmern. Alle Werkzeuge im Köcher habend, die ihnen auch der Pflichtkodex der Griechischen Bank bietet, werden sie anstreben, wenigstens einen Teil der Außenstände zu erlangen.

Die möglichen Lösungen, welche die Banken sich zunutze machen können, teilen sich in drei Kategorien auf: endgültige, kurzfristige und langfristige. Erforderliche Voraussetzung ist in allen Fällen, dass der Schuldner kooperativ ist. Als wirksamer und unmittelbarer gelten laut den Funktionären der Banken die endgültigen Beilegungen.

Modelle finaler Regulierungen „roter“ Kredite

Bei den endgültigen Beilegungen, die sogar auch Schuldenerlasse vorsehen, planen die Banken, auf eine finale Regulierung der Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer abzielend, alle existierenden außergerichtlichen Möglichkeiten zu nutzen. Bei den Modellen, derer sie sich Erwartungen zufolge bedienen werden, sind umfasst:

  • Freiwillige Überlassung einer hypothekenbelasteten Immobilie. In diesem Fall wird der den Abzahlungsbedingungen eines hypothekenbesicherten Kredits nicht zu entsprechen vermögende Kreditnehmer das Eigentum an der Immobilie freiwillig an die Bank abtreten, also ohne dass seitens der Bank die Einleitung gerichtlicher Maßnahmen erforderlich sein wird. Die Vereinbarung der beiden Parteien wird klar formuliert werden und der Modus der Regulierung des eventuellen Restbetrags wird sogar auch den Erlass des (geschuldeten) Betrags umfassen.
  • Tausch der Immobilie des Kreditnehmers gegen eine andere – seine Wohnbedürfnisse deckende – Immobilie geringeren Wertes, Veräußerung der ersteren zwecks Deckung eines Teils der Schuld und Tilgung des Restbetrags in Raten.
  • Umwandlung des Kreditvertrags in Mietung oder Leasing. Der Kreditnehmer wird sein Eigentum freiwillig an die Bank übertragen und einen Miet- oder Leasing-Vertrag unterschreiben, der ihm die Möglichkeit zur Mietung der Immobilie für eine bestimmte, minimale zeitliche Periode gewährleistet.
  • Freiwillige Veräußerung einer hypothekenbelasteten Immobilie. In diesem Fall wird der Kreditnehmer freiwillig zu einem Verkauf der Immobilie unter Zustimmung der Bank an einen Dritten schreiten. Liegt der Erlös aus dem Verkauf unter der Gesamtschuld, wird die Bank zur Streichung der Restschuld schreiten, während im Fall, wo der Erlös den Kredit (bzw. die Restschuld) übersteigt, die Differenz an den Kreditnehmer zurückgezahlt werden wird.
  • Außergerichtliche Vereinbarung, gemäß der die Bank entweder eine einmalige Barzahlung (oder Bargeld-Äquivalente wie Aktien, Anleihen usw.) oder eine Reihe vorab festgesetzter Teilzahlungen erhalten kann. Auch in diesem Fall wird die Bank zu einer teilweisen Streichung der Forderung schreiten können.

Kurz- und mittelfristige Umschuldungen

Wenn jedoch die Regulierung des Kredits dem Kreditnehmer Erleichterung zu schaffen vermag und der Kredit regulär bedient werden wird, werden die von den Banken befolgten Modelle kurz- und mittelfristige Regulierungen von über zwei Jahren umfassen. Erstere beziehen sich auf Fälle, in denen die Tilgungsschwierigkeiten als vorläufig beurteilt werden. Für diese Kredite kann vereinbart werden:

  • Kapitalisierung der fälligen Verbindlichkeiten des Schuldners, also der Summe des Kapitals und der Zinsen, unter Angleichung des Plans zur Tilgung des geschuldeten Restbetrags.
  • Regulierung fälliger Verbindlichkeiten, die eine Vereinbarung der beiden Parteien über ihre Tilgung mit einem vorab festgelegten Zeitplan vorsehen wird.
  • Reduzierung der Tilgungsrate auf ein noch niedrigeres als nur der Tilgung der Zinsen entsprechendes Niveau für eine festgelegte kurzfristige Periode. Die unbeglichenen Zinsen werden kapitalisiert werden.
  • Zahlungsaussetzung für eine vorab festgesetzte Periode, also eine tilgungsfreie Periode, während der die Zinsen kapitalisiert werden.

Szenarien langfristiger Regulierungen

Für die Fälle, bei denen geurteilt werden wird, dass die Regelung eine größere Dauer als zwei Jahre haben muss, werden die Banken – wie Bankfunktionäre erklären – Szenarien nutzen, die vorsehen werden:

  • Trennung der Schuld des Kreditnehmers in zwei Teile, sprich den Teil des Kredits, von dem auf Basis der bestehenden und geschätzten zukünftigen Tilgungsfähigkeit des Kreditnehmers angenommen wird, dass er ihn abzuzahlen vermag, und den restlichen Teil des Kredits, der später unter Verflüssigung von Vermögen oder einer anderen Art einer von Anfang an vereinbarten Beilegung reguliert werden wird.
  • Endgültige Streichung eines Teils der Gesamtforderung der Bank, so dass die verbleibende Schuld sich auf eine Höhe gestaltet, von der eingeschätzt wird, dass es möglich ist, reibungslos bedient werden zu können.

(Quelle: tanea.gr, Autorin: Dimitra Skoufou)

  1. GR-Block
    9. März 2018, 11:03 | #1

    Zwangsversteigerungen in Griechenland hatten nicht das erwartete Resultat“ – Die Umstrukturierung des Wohnungsmarktes gestaltet sich schwieriger als der Feudalismus gewohnt ist. Trotz Schulden beharren die Griechen immer noch darauf in ihren Bruchbuden wohnen zu bleiben, anstatt in Miete zu gehen. Jetzt sollen die Banken die Drecksarbeit machen, damit endlich Immobilien für den westeuropäischen „Investor“ auf den Markt kommen.
    Umwandlung des Kreditvertrags in Mietung oder Leasing.“ – Wer seine Unabhängigkeit aufgibt, verkauft und lebenslang Mieterzins zahlt, wird kurzfristig belohnt: „Liegt der Erlös aus dem Verkauf unter der Gesamtschuld, wird die Bank zur Streichung der Restschuld schreiten.
    Erst wenn die Preise ganz am Boden sind, wird investiert, leider nicht von Griechen, sondern von Feudalherren.

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