Griechenland hat keine Regierung

23. März 2018 / Aufrufe: 1.458

Yanis Varoufakis vertritt, Griechenland habe keine Regierung und es spiele keine Rolle, welche Partei an der Regierung sei.

Auf die Frage, was er in der Koalitionsregierung unter Alexis Tsipras und Panos Kammenos sieht, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis gegenüber „Huffpost“, Griechenland „hat keine Regierung„, da alle Gesetzentwürfe von Brüssel diktiert werden.

Danach gefragt, ob er (noch) Beziehungen / Kontakte zu Alexis Tsipras habe, antwortete Yanis Varoufakis lakonisch mit „Null“. Parallel bestätigte er, angesichts der nächsten Wahlen eine Partei zu gründen, und fügte an, er werde „leider“ kandidieren.

Griechenland ist seit 2010 insolvent und wird aus Brüssel regiert

Hinsichtlich seiner Ansicht bezüglich der Zukunft der Regierung Tsipras (SYRIZA) – Kammenos (ANEL) gefragt, antwortete der ehemalige Finanzminister:

Sie hat keine Bedeutung. Sie ist wirklich bedeutungslos, weil Griechenland keine Regierung hat. Sie hat keinerlei Grad einer Autonomie. Gestatten Sie mir zu sagen, dass der Bürgermeister von Palermo mehr Macht als die griechische Regierung hat. Nicht ein einziger an das Parlament gehender Gesetzentwurf wird ihm vorgelegt, ohne von der Troika diktiert worden zu sein. Wen kümmert es, wer an der Regierung ist? Wenn Mitsotakis gewinnt, werden genau die selben Gesetzentwürfe ins Parlament gebracht werden, mit sehr wenigen Modifizierungen, die es nicht einmal wert sind, darüber zu diskutieren. Sie müssen begreifen, dass Griechenland seit 2010 pleite ist. Wir haben ein insolventes Land, insolvente Banken, insolvente Firmen, insolvente Haushalte. Alle schulden allen und niemand kann zahlen. Und auch das griechische politische System wird völlig von Brüssel bestimmt. Ich hätte nichts einzuwenden, wenn sie wüssten, was sie tun, wenn sie in Griechenland Politiken anwenden würden, welche die Wirtschaft und die Gesellschaft wiederbeleben würden. Sie tun es aber nicht.

Gefragt, inwieweit das sogenannte Memorandum endet, antwortete Yanis Varoufakis, „es wird nur in der Sphäre der Propaganda enden„, und verglich die Phraseologie mit der Weise, derer die CIA sich bezüglich der Folterungen des Begriffs „forcierte Vernehmung“ bediente.

Alle Regierungen Griechenlands waren mit Oligarchen „im Bett“

Nach seiner Ansicht gefragt, welchen Politiker er am besten geeignet betrachten würde, Griechenland zu führen, meinte der ehemalige Finanzminister: „Hätte ich eine Antwort, würden wir keine Partei aufbauen; … eine Partei zu gründen wäre das Letzte gewesen, was ich tun wollen würde. Es ist ein Alptraum. Der einzige Grund, aus dem wir es tun, ist, weil wir es als unsere Pflicht betrachten, einem Land, das keine Alternativen mehr hat, eine Alternative zu bieten„. In Bezug darauf gefragt, ob er kandidieren werde, antwortete er charakteristisch „leider ja, ich werde kandidieren„.

Zu der angeblichen Beziehungen zwischen Ivan Savvidis und der SYRIZA gefragt, meinte Yanis Varoufakis:

In den letzten 30 Jahren ist jede gewählte Regierung mit – metaphorisch gesagt – irgendwelchen Oligarchen ‚im Bett gewesen‘. Die PASOK hat es getan, die ND hat es getan, und es ist ganz klar, dass sich auch die SYRIZA der selben Strategie bedient. Das ist eine große, große Tragödie, weil Millionen Menschen der SYRIZA glaubten, das alte Spiel der Kooperation mit der Oligarchie werde enden, jedoch endete es nicht. Deswegen bauen wir auch eine neue Partei auf.

(Quelle: huffingtonpost.gr)

  1. Kleoni
    23. März 2018, 12:41 | #1

    genauso wie eine insolvente Firma einen Insolvenzverwalter hat, der bestimmt, wer was (noch) bekommt, so wird Griechenland von den Insolvenzverwaltern aus Brüssel regiert. Es wird aber verschwiegen, dass es die gleichen sind, die Griechenland bewusst in die Insolvenz und damit in ihre Abhängigkeit getrieben haben.

  2. Ronald
    23. März 2018, 13:32 | #2

    Da hat Herr V. einfach recht. Aber ist das ein Wunder? Die Parteigänger der SYRIZA sind ja nicht aus dem nichts erschienen. Es sind die alten PASOK-Seilschaften. Und das korrupte System in GR ist so sehr in den Köpfen der Menschen, dass nur die, die es niemals schaffen werden Teil dieses Systems zu werden, dagegen protestieren. Ich bin sicher, letztendlich wäre auch Herr V. vom System assimiliert worden. Jeder, egal mit welchen Engagement er seine politische Laufbahn in Griechenland beginnt, wird assimiliert. Da ist einfach eine gesellschaftspolitische Wende erforderlich, aber die sehe ich nicht.

  3. navy
    25. März 2018, 21:27 | #3

    Insolvenzverwalter, die – wie bei FRAPORT usw. – eine Privatisierung erpressen, sind Betrüger.

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