Domino bei Immobiliensteuern in Griechenland

15. Februar 2018 / Aufrufe: 1.101

Die neuen Einheitswerte bringen in Griechenland ein Domino bei 21 auf und in Zusammenhang mit Immobilien erhobenen Steuern und Abgaben

Die Änderungen bei den Einheitswerten der Immobilien in Griechenland, von denen erwartet wird, dass sie rückwirkend ab Anfang 2018 gelten werden, bringen Umstürze auf einer Liste mit 21 Steuern und Abgaben.

Konkret geht εσ um die Angleichung der Einheitswerte an die Marktpreise der Immobilien, die zum Resultat haben wird, dass das Ergebnis der Feststellung und Beitreibung vieler Immobiliensteuern beeinflusst wird. Weiter ist geplant, dass die neuen Einheitswerte rückwirkend ab dem 01 Januar 2018 gelten sollen, was bedeutet, dass sie auch rückwirkend die mit den Einheitswerten verknüpften Steuern beeinflussen.

Umsturz bei in Griechenland an Einheitswerte gekoppelten Abgaben

Spezieller sind die in Griechenland derzeit auf Basis der Immobilien-Einheitswerte berechneten und erhobenen Steuern, Abgaben und Gebühren folgende:

1. ENFIA, Hauptsteuer:
Die Steuer wird mit einem Satz in Euro je Zonenpreis-Stufe berechnet.

2. ENFIA, Zusatzsteuer:
Die Steuer wird auf Basis des Einheitswerts des gesamten persönlichen Eigentums eines jeden Steuerpflichtigen bei einem Steuerfreibetrag von 250.000 Euro und mit Sätzen berechnet, die sogar bis zu 1,15% erreichen.

3. TAP (Gemeindesteuer):
Die sogenannte „Immobilienabgabe“ (TAP) wird mittels der Stromrechnungen eingezogen, an die Kommunen abgeführt und mit einem Satz von 0,25‰ – 0,35‰ auf die sachwertbezogenen Zonenpreise der elektrifizierten Gebäude erhoben.

4. Mehrwertsteuer auf Neubauten:
Die MwSt. wird mit einem Satz von 24% auf den Einheitswert der Immobilien berechnet.

5. Transaktionssteuer:
Die Immobilientransaktionssteuer wird mit 3% auf die Einheitswerte berechnet und belastet per Definition die Käufer.

6. Ersitzungssteuer:
Die Ersitzungssteuer für Gebäude (Anmerkung: und auch Grundstücke) wird ebenfalls mit 3% auf die Einheitswerte berechnet.

7. Austauschsteuer:
Die Steuer auf Tausch – Zusammenlegung von Grundstücken wird mit einem Satz von 1,5% auf die Einheitswerte berechnet.

8. Auseinandersetzungssteuer:
Die Steuer auf eine Auseinandersetzung von Immobilien wird mit einem Satz von 0,75% auf die Einheitswerte erhoben.

9. Gemeindesteuer:
Die Immobilientransaktionen belastende Gemeindesteuer wird mit einem Satz auf die Transaktionssteuer berechnet.

10. Fiktives Wohnungseinkommen:
Die neuen Zonenpreise werden direkt das gemutmaßte fiktive Einkommen beeinflussen, dass sich auf Basis der Fläche der Wohnungen ergibt, in denen der Steuerpflichtige wohnt. Die Beträge der Lebenshaltungsindizien für die von den Steuerpflichtigen genutzten Wohnungen und Einfamilienhäuser staffeln sich auf Basis der Einheitswerte der konkreten Immobilien.
Spezieller erhöhen sich die (Einkommens-) „Indizien“ für Wohnungen, die in Gebieten mit einem sachwertbezogenen Zonenpreis ab 2.800 bis 4.999 Euro pro Quadratmeter liegen, um 40%. In allen Gebieten, in denen die Einheitswerte nach den Senkungen unter die Grenze von 2.800 Euro pro Quadratmeter „fallen“, werden die Lebenshaltungsindizien für die Wohnungen sich automatisch um 40% reduzieren. Dies wird jedoch auch umgekehrt erfolgen.

11. Fiktives Mindesteinkommen aus Mieteinnahmen:
Dieses gemutmaßte Einkommen ergibt sich aus der Multiplikation des Einheitswerts der Immobilie mit einem Faktor von 3%.

12. Juristengebühren:
Die Abgaben zugunsten der Juristenkasse, die übertragende Verträge belasten und als Sätze auf die Einheitswerte der übertragenen Immobilien berechnet werden.

13. Transkriptionsgebühr:
Die zusätzliche Gebühr für Vertragsumschreibungen.

14. Immobilien-Erbschaftssteuer.

15. Steuer auf elterliche Zuwendung einer Immobilie.

16. Steuer auf Schenkung einer Immobilie.

17. Registrierungsgebühr:
Die Gebühr für die Registrierung von Immobilien beim Grundbuchamt.

18. Geldstrafen für Erhaltung eines Schwarzbaus.

19. Geldstrafen für neue Schwarzbauten:
Die Baustrafen für die Errichtung neuer Schwarzbauten.

20. Die Sonder-Immobiliensteuer von 15%, die auf die Immobilien erhoben wird, die Offshore-Gesellschaften gehören.

21. Abgaben in Boden und Geld bei der Eingliederung in den Bebauungsplan.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giorgos Antonopoulos)

Millionen Besitzer von Immobilien in Griechenland „zittern“

Ergänzend sei angemerkt, dass unabhängig von den letztendlich wie immer ausfallenden Änderungen bei den Immobilien-Einheitswerten das derzeitige Niveau des Steueraufkommens aus der sogenannten „Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer“ (ENFIA) auf jeden Fall zumindest unverändert bleiben oder sogar weiter gesteigert werden soll, und zwar mittels:

  • Ausweitung der „Steuerbasis“:
    Bei der Veranlagung zur Zusatz-ENFIA werden fortan auch die (bisher ausgenommenen) landwirtschaftliche (Nutz-) Flächen und allgemein außerhalb des Bebauungsplans gelegene Flurstücke, Grundstücke und Parzellen einbezogen.
    Dies wird alle Steuerpflichtigen treffen, deren Gesamtvermögen damit den „Freibetrag“ von 250.000 Euro übersteigt.
  • „Horizontaler“ Erhöhung minimaler Einheitswerte / Zonenpreise:
    Um den unweigerlichen „Absturz“ der Einheitswerte derzeit unverhältnismäßig überbewerteter und folglich überbesteuerter Immobilien auszugleichen, ist mit einer landesweit pauschalen („horizontalen“) Anhebung der minimalen sogenannten Zonenpreise um bis zu 100% zu rechnen.
    Dies wird nicht nur direkt (> ENFIA) die Eigentümer, sondern indirekt (> Einkommensteuer, Lebensführungsindizien) auch alle Inhaber / Mieter / Nutzer (bisher) „billiger“ Immobilien treffen.
  • Angleichung der (ENFIA-) Steuersätze:
    Um die bisherigen Einnahmen des Fiskus aus der ENFIA weiterhin sicherzustellen, wird das Finanzministerium neue Steuersätze „auswürfeln“.
    Dies soll laut der Regierung gezielt Eigentümer „großen (Immobilien-) Vermögens“ treffen, da ihr jedoch mittlerweile kaum noch jemand glaubt, wird wahrscheinlich(er) wieder das „gemeine“ Volk zur Kasse gebeten werden.
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