Warum Griechenland und Türkei sich nicht vertragen können

19. Dezember 2017 / Aufrufe: 875

Solange der türkische Sultan Erdogan auf seiner derzeitigen Rhetorik beharrt, besteht keine Aussicht auf eine Versöhnung zwischen Griechenland und der Türkei.

Die renommierte britische Wirtschaftszeitschrift „The Economist“ unternimmt die Gründe zu erklären, aus denen die beiden Ägäis-Anrainer, sprich Griechenland und die Türkei, sich – zumindest in der gegenwärtigen Phase – nicht zu versöhnen vermögen.

Anlass sind der jüngste (Staats-) Besuch des türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan in Griechenland und die sich als falsch erwiesenen Hoffnungen, diese Reise würde zu einer Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei führen.

Existente Gefahr eines Kriegs zwischen Griechenland und Türkei

Wie die britische Zeitschrift betont, „war der Besuch des Herrn Erdogan nicht so sehr historisch wie man ihn präsentierte. Der letzte türkische Präsident, der Griechenland besuchte, tat dies 1952, sprich in dem Jahr, in dem beide Länder der NATO beitraten. Die Beziehungen brachen drei Jahre später zusammen, als ein mörderisches Pogrom die griechischen Unternehmen und Wohnhäuser in Konstantinopel (Istanbul) ins Visier nahm und damit den Exodus der Griechen aus der Türkei beschleunigte. Nach den Unruhen zwischen den beiden Communities auf Zypern wurden 1964 wenigsten weitere 50.000 Griechen gezwungen, die Türkei zu verlassen.

Die Invasion der Türkei auf der beanspruchten Insel zehn Jahre später, die stetigen imaginären Luftkämpfe zwischen türkischen und griechischen Kampfjets und die Spannungen bezüglich der Seegrenzen trugen dazu bei, das bis in die Mitte des 1990er Jahrzehnts das Drohen eines Kriegs zwischen den beiden Alliierten existent blieb.

Im weiteren Verlauf bezieht der Economist sich auf die Verbesserung, die in den bilateralen Beziehungen die sogenannte „Politik der Erdbeben„, aber auch die häufigen Besuche türkischer Ministerpräsident in Griechenland und umgekehrt herbeiführten, und betont dabei, dass Erdogan persönlich 2004 und 2010 als Ministerpräsident nach Griechenland reiste.

Griechenland weist Revision des Vertrags von Lausanne strikt ab

Wie jedoch in dem besagten Artikel angemerkt wird: „Seitdem stoppte die Annäherung. Die Luftraumverletzungen nahmen zu und die Drohungen bezüglich der Ägäis wiederholten sich in diesem Jahr (2017), als türkische Offiziere und danach ihre griechischen Amtskollegen die unbewohnten (und beanspruchten) – in Griechenland als Imia und in der Türkei als Kardak bekannten – Eilande (Felsinseln) besuchten, die sich zwischen den südwestlichen Küstengebieten der Türkei und der (griechischen) Dodekanes-Inseln befinden.

Die griechische Regierung fährt darin fort, der moslemischen Minderheit in Griechenland das Recht zu verwehren, ihre eigenen religiösen Führer zu wählen. Die Hoffnungen auf eine Lösung des Zypern-Konflikts verflogen, als die mittlerweile versprochenen Friedensgespräche vor mehr als einem Jahrzehnt eingestellt wurden. Viele Griechen reagierten mit Abscheu auf das von Herrn Erdogan nach dem Putschversuch im Jahr 2016 angezettelte Pogrom gegen (seine politischen) Gegner sowie auch die Möglichkeit, die Türkei könne eine Revision des 1923 unterzeichneten und für ihre Beziehungen zu Griechenland und anderen Mitarbeitern fundamentalen Vertrags von Lausanne wollen.

Die neue Bezugnahme des türkischen Präsidenten auf das Thema während seines jüngsten Besuchs in Athen rief einen heftigen verbalen Schlagabtausch mit seinem griechischen Amtskollegen hervor, der kategorisch jedwede Aussicht auf eine Revision des Vertrags ausschloss. Die Gastgeber des Herrn Erdogan wiesen ebenfalls dessen Verlangen auf Auslieferung acht türkischer Offiziere ab, die nach dem misslungenen Putsch nach Griechenland entkamen.

„Kalter Frieden“ zwischen Griechenland und der Türkei

Und der Economist endet:

Die guten Nachrichten heute sind, dass die Türkei und Griechenland sich nicht ‚an die Wäsche gegangen‘ sind – dagegen diskutieren sie über sich auf Energie und andere Infrastrukturen beziehende Projekte. Die schlechten Nachrichten sind, dass es keinen Raum für eine Verbesserung der Beziehungen gibt, solange Herr Erdogan mit seiner Befreiungs-Rhetorik fortfährt. Was sich einmal als eine ehrliche Annäherung abzeichnete, erinnert heutzutage mehr an einen ‚kalten Frieden'“, meint Dimitrios Trantafyllou, ein in der Türkei lebender Akademiker.

Das beste, auf das man derzeit zu hoffen vermag, ist, dass die beiden Nachbarn darin fortfahren, miteinander Geschäfte zu machen, und den Dialog fortsetzen – und die Provokationen auf ein Minimum beschränken.

(Quelle: iefimerida.gr)

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