Steuerlotterie und Steuerhinterziehung in Griechenland

3. Dezember 2017 / Aufrufe: 206
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Solange Griechenland auf einer Politik absurder Überbesteuerungen beharrt, wird auch die neue Quittungslotterie kaum zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung beitragen.

Nach jahrelangen Versuchen und Versprechungen wurde in Griechenland zum ersten Mal die reich ausgestattete Steuerlotterie umgesetzt und an 1.000 Steuerpflichtige ein „Geschenk“ von je 1.000 Euro als Belohnung für die Verwendung sogenannten „Plastikgelds“ verteilt.

Die sogenannte „Quittungs-Lotterie“ ist offensichtlich ein Anreiz, der jedoch nicht reicht um der weiterhin eine offene Wunde darstellenden Steuerhinterziehung zu begegnen.

Überbesteuerung in Griechenland animiert zur Steuerhinterziehung

Mithilfe der in Griechenland seit Sommer 2015 bestehenden Kapitalverkehrskontrollen breitete die Nutzung des Plastikgelds sich spürbar aus und brachte dem Fiskus laut dem Finanzministerium bisher zusätzliche 2 Mrd. Euro aus der MwSt. ein. Die kleinen Präsente reichen aber nicht aus, um der Geißel der Steuerhinterziehung zu begegnen, speziell in vielen Branchen Gewerbetreibender.

Solange die Sätze der Mehrwertsteuer hoch bleiben, solange das Einkommen an (Sozial-) Abgaben gekoppelt ist, wird es sowohl für die Gewerbetreibenden als auch für die Konsumenten signifikante Anreize geben, Zahlungsbelege zu vermeiden. Es ist wohl selbstverständlich, dass jemand zwischen einem direkten Preisnachlass von 20% oder 30% und der kleinen Chance, bei der Steuerlotterie zu gewinnen, faktisch fast sicher den Nachlass der Quittung vorziehen wird.

Wenn es keine schrittweise Deeskalation der Steuersätze gibt, wird der Anreiz zur Steuerhinterziehung immer hoch bleiben und damit dem Staat Einnahmen entziehen. Die Kultivierung einer Steuermoral ist direkt mit dem Vertrauen der Bürger gegenüber dem Staat verbunden. Mit dem Empfinden, dass das, worauf der Bürger verzichtet, eine unmittelbare Gegenleistung aus den Diensten haben wird, die er genießt.

Griechenland braucht ein gerechtes und effizientes Steuersystem

Im Griechenland der Krise geschah und geschieht jedoch genau das Gegenteil. Die Bürger werden mit direkten und indirekten Steuern überbesteuert, während die Dienste, die der Staat zu erbringen verpflichtet ist, immer schlechter werden. Bei der Gesundheit, der Bildung, den öffentlichen Strukturen ist die von den Bürgern durchlebte Situation spürbar schlimmer als die erhoffte oder sogar benötigte ist.

Jedwede Dynamik der Steuerlotterie wird sich also sehr schnell erschöpfen, wenn Griechenlands Steuersystem ungerecht und ineffizient bleibt. Wenn das Finanzamt zu über 2.000 Pfändungen am Tag schreitet, wird das Gegengeschenk für 1.000 Bürger im Monat die Lage nicht ändern.

(Quelle: tovima.gr)

  1. GR-Block
    3. Dezember 2017, 19:26 | #1

    Es gibt viele Wege die Steuerhinterziehung zu „senken“:

    – Die EU propagiert, die Verschwendung soweit zu steigern, dass die Steuerhinterziehung (in % des BIP) dagegen klein aussieht. Typisches Beispiel (1): in D ist die Pro-Kopf-Steuerhinterziehung größer als in GR, wird aber gerne gegen das sehr viel höhere BIP verrechnet (%BIP). Das meiste BIP erwirtschaften aber nicht die selben Menschen, die Steuern zahlen. Das überdrehte BIP in D kommt eher von den Gewinnen der Industrie und des Bankwesens als von den (meist angestellten) Steuerzahlern.
    Extrembeispiel (2): die höchste Pro-Kopf-Steuerhinterziehung in der EU lässt LUX zu; das ist gut für seine Wirtschaft. Weil aber das BIP der Banken astronomisch ist, rangiert LUX als Vorzeigeland in den stEUer-Beautycharts gleich nach AUT auf Platz 2. Der Feudalismus (Juncker) adelt seine Verbrechen an der demokratischen Gesellschaft.

    – Es gibt aber noch einen zweiten in der EU praktizierten Weg. In Ländern mit feudalen Strukturen mit vielen Lohnabhängigen (Industriestaaten) wird die Zahl der „Beamten“ hoch gehalten. Diese sind bemüht, deren leicht kontrollierbare Gehälter möglichst vollständig zu erfassen. Deshalb ist die Zahl der „Beamten“ in den Industriestaaten so wahnsinnig hoch.
    Die Einkünfte der Selbständigen lassen sich dagegen verwaltungstechnisch nicht gut kontrollieren und müssen auf Basis eigener Schätzungen und stichprobenartiger Steuerprüfungen durch die Behörde ermittelt werden. GR leistet sich deshalb die geringste Zahl an „Beamten“ *, weil es eben die höchste Zahl an Selbständigen hat. **

    – Der amerikanische Weg ist, Steuern zu streichen, welche die Menschen (eh) nicht bezahlen, und dafür die Steuern und Abgaben zu erhöhen, die bezahlt werden (koennen). Vernünftig, denn das entkriminalisiert die Steuerzahler … entlastet aber – wie zurzeit praktiziert – dadurch leider v.a. die Unternehmer, die ja so wie so nicht zahlen wollen. Angestellte werden auch in den USA diesbezüglich erst gar nicht gefragt.

    – In wenig industrialisierten Staaten wie GR mit einer geringen Anzahl Lohnabhängiger entscheidet sich der demokratische Staat, unternehmerisch tätig zu sein. Die staatlichen Service-Einnahmen für Wasser, Elektrizität, Transport, Verkehr … sind deshalb ein wesentlicher Teil der Staatseinnahmen.

    Griechenland braucht ein gerechtes und effizientes Steuersystem“ – Bis 2010 hatte GR genau das. Die exorbitante Effizienz zeigte sich im minimalistischen Einsatz von „Beamten“ im Staat * und dessen moderaten Verwaltungskosten (OECD-Durchschnitt). Wohlgemerkt im Vergleich zum BIP. Nimmt man die nicht normierten Rohdaten bezüglich der Verwaltungskosten pro Kopf der Bevölkerung, dann ist GR an Effizienz nicht zu schlagen.

    * OECD: Employment in general government and public corporations (2001 and 2011)
    ** OECD: Employment – Self-employment rate

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