Wohnkosten zwingen Griechenlands Bürger in die Knie

19. Oktober 2017 / Aufrufe: 575
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In Griechenland sind im Vergleich zum übrigen Europa viermal mehr Haushalte durch überdimensionale Wohnkosten belastet.

Laut der jüngsten Untersuchung des Verbands der öffentlichen, genossenschaftlichen und sozialen Wohnungswirtschaft auf europäischer Ebene „Housing Europe“ hat Griechenland im Verhältnis zu den übrigen Ländern der Europäischen Union die – als prozentualer Anteil des verfügbaren Einkommens seiner Bürger ausgedrückt – größten Wohnungskosten.

Konkret ist in Griechenland der Anteil der Haushalte, die mehr als 40% ihres verfügbaren Einkommen für die Deckung von Wohnbedürfnissen aufwenden, auf fast 41% hochgeschnellt, während der europäische Durchschnitt 11,3% nicht übersteigt. Die Tendenz ist sogar kontinuierlich schlimmer werdend, da der entsprechende Anteil sich in Griechenland vor zwei Jahren noch auf 33% gestaltete.

Griechenland erhöhte Immobiliensteuern von 500 Mio. auf 3,5 Mrd. Euro!

Als Wohnkosten werden die Miete (im Fall von Mietern) oder die Rate des Baukredits (im Fall von Eigentümern) sowie ebenfalls auch die Aufwendungen für Heizung, Wasserversorgung, elektrischen Strom, Telefon und Umlagen gerechnet. Rechnet man jedoch auch das Hochschießen der steuerlichen Belastung hinzu, wird begreiflich, dass der Besitz einer Wohnimmobilie in Griechenland inzwischen einen Kostenpunkt darstellt, den mittlerweile nur noch wenige Haushalte zu decken vermögen, ohne zu ernsthaften Beschneidungen anderer Ausgaben zu schreiten.

Bezeichnend ist, dass in Griechenland ab 2010 bis 2015 die Immobilien-Besitzsteuern sechs (6!) Mal erhöht wurden, und zwar von (insgesamt) 500 Mio. Euro auf 3 Mrd. Euro, während sie 2016 erneut – nun auf insgesamt 3,5 Mrd. Euro – erhöht wurden. Im selben Moment gingen die Einnahmen der Haushalte signifikant zurück (beispielsweise wegen Senkungen von Löhnen und Renten), während auch andere mit der Immobilie in Verbindung stehende Aufwendungen wie für Strom, Heizöl einen Anstieg verzeichnen.

Resultat ist, dass sich die Kluft im Verhältnis zu den übrigen europäischen Ländern ausgeweitet hat, in denen während des konkreten Zeitraums die wirtschaftliche Belastung für Wohnkosten keine besondere Änderung zeigte. Bezeichnend ist, dass das nach Griechenland zweitschlechteste Ergebnis in Rumänien ausgemacht wird, wo jedoch der entsprechende Anteil der überdimensional durch Wohnkosten belasteten Haushalte unter 20% liegt.

Wohnkostenanteil explodierte in Griechenland trotz sinkender Mieten

Noch beunruhigender ist im Fall Griechenlands auch auf Ebene des gesellschaftlichen Zusammenhalts, dass der einschlägige Anteil bei den Haushalten, die sich in der am meisten belasteten Situation befinden, also deren Einkommen weniger als 60% des durchschnittlichen (nationalen) Einkommens beträgt, auf über 90% hochschießt. Ein weiteres bezeichnendes Element der am 16 Oktober 2017 in Brüssel präsentierten Untersuchung ist der Rückgang des Anteils der Eigennutzung (also Nutzung im eigenen Besitz befindlichen Wohnraums) in Griechenland, der mittlerweile auf 73,9% gesunken ist und der diachron betrachtet niedrigste ist und sich dem europäischen Durchschnittswert von 69,3% nähert.

Außer dem Besitz von Immobilien neigt sich jedoch auch die Anmietung einer Wohnung zu einem wirtschaftlichen Stressfaktor zu entwickeln. Laut den Befunden der Untersuchung von Housing Europe sind in Griechenland die Mietkosten – als Anteil des Einkommens betrachtet – auf heutzutage 28,57% hochgeschossen, gegenüber 24,8% im Jahr 2010. Ein großer Anstieg (von 10,58% auf 18,08%) ist ebenfalls in Portugal verzeichnet worden, einem weiteren Land, das die Politik wirtschaftlicher Austerität befolgte.

Die vorstehenden Angaben werden in einer Periode verzeichnet, während in Griechenland die Mietpreise landesweit im Durchschnitt um 30% – 40% zurückgegangen sind, was bedeutet, dass der ansteigende Verlauf der einschlägigen Prozentsätze beziehungsweise des sogenannten Wohnkostenanteils ausschließlich und allein auf dem Rückgang der Einkommen der Haushalte in Griechenland beruht.

(Quelle: kathimerini.gr, Autor: Nikos Rousanoglou)

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