Was wird Griechenlands Premier ohne Schäuble machen?

30. Oktober 2017 / Aufrufe: 411
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Was wird Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras ohne Wolfgang Schäuble machen, nachdem dieser nun institutionelle Aufgaben antrat?

Der acht Jahre im Amt gewesene Finanzminister Deutschlands ist von dem griechischen Problem entledigt worden, weil er institutionelle Aufgaben antritt. Mit seinem Fehlen werden jedoch die Entwicklungen vielleicht nicht so gradlinig sein, wie (in Griechenland) manche glauben möchten.

Wolfgang Schäuble bei seinem Interview an den griechischen Fernsehsender SKAI zuhörend, wie er über die griechische Krise spricht, wird vieles verständlich. Der Deutsche ist erleichtert, sich nicht mehr mit unserem Thema befassen zu müssen. Wie er außerdem sagte, verbrachte er wegen der griechischen Krise einen der kritischsten Momente unserer modernen Tragödie in einem Krankenhaus in Brüssel … . Seit einigen Tagen ist er nun Präsident des deutschen Bundestags und hat seine Ruhe.

Griechenland hat die Krise noch vor sich

Die explizite Schlussfolgerung aus dieser Wahrheitsaussage Schäubles ist, „solange Tsipras (Anmerkung: er hätte auch sagen können: welcher griechische Premier auch immer) die Reformen vorantreibt, werden wir ihn stützen„. Ein simples Eingeständnis all dessen, was uns bereit bekannt ist.

Herr Schäuble ist nicht so zynisch wie die meisten glauben. Er ist erfahrener, ein Fuchs der Politik und ein Mensch, dem sehr wohl bekannt ist, welche seine Verhandlungskarten, die Politik und die moderne demokratische Funktion sind. Schließlich verließ er eines Moments diese Welt, beschloss jedoch, wieder auf sie zurückzukehren. In diesem Sinn hat er gegenüber allen seinen Gesprächspartner einen signifikanten Vorsprung. Er verspeist sie zum Frühstück, wie auch die amerikanischen Freunde des Herrn Tsipras sagen würde.

Alles, was am 24 Oktober 2017 Wolfgang Schäuble in seinem Interview an SKAI sagte, zeigt ganz einfach, dass die Krise vor uns liegt. Die wirtschaftlichen Indizes Griechenlands mögen besser sein, die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft bleibt jedoch Schlusslicht nicht nur der europäischen, sondern auch der weltweiten Rangliste. Womit der „böse Deutsche“ sagt, „schreitet voran, Ihr seid auf einem guten Weg“ … . Ganz einfach. Für jenen. Nur, dass das Rezept der Herren Tsipras – Varoufakis – Tsakalotos toxisch ist.

Die Krise in Griechenland wird in der nächsten Phase politisch sein

Die wirtschaftlichen Indizes Griechenlands mögen besser sein, die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft bleibt jedoch Schlusslicht nicht nur der europäischen, sondern auch der weltweiten Rangliste. Womit der „böse Deutsche“ sagt, „schreitet voran, Ihr seid auf einem guten Weg“ … . Ganz einfach. Für jenen. Nur, dass das Rezept der Herren Tsipras – Varoufakis – Tsakalotos toxisch ist. Die Reformen bleiben in der Schwebe. Was auf dem öffentlichen Sektor geschehen ist, wie realistisch und attraktiv das Steuersystem für die Investitionen ist und wie sehr die populistischen Hirngespinste des Alexis Tsipras der Vergangenheit angehören, solange er den Landwirten und wem auch immer sonst er – sich mit fremden Federn (also europäischen Subventionen …) schmückend – kann, Leistungen verspricht, ist klar und offensichtlich. Wenn auch vielleicht nicht für alle.

Weil Herr Schäuble sich wahrscheinlich nicht mehr befassen und keine Lust haben wird, wegen Griechenland wieder in ein Krankenhaus zu kommen, werden die Entwicklungen vielleicht nicht so linear sein, wie manche glauben möchten. Die Erschöpfung der Besteuerungsfähigkeit (der Steuerzahler Griechenlands) ist da, die Reformen, die einen gewissen Antrieb und eine Perspektive geben könnten, bleiben auf dem Papier und ihr Ergebnis wird so wie so eher langfristig eintreten. Herr Tsipras und seine Karawane verabschieden Dieses und Jenes, setzen jedoch nur um, was sie wollen und auswählen. Und wahrscheinlich glauben sie nichts von all dem und wissen auch nicht, wie es geht. Gegenüber den Herren Tsipras und Tsakalotos wird sich jedoch nicht mehr Herr Schäuble befinden. Es wird höchstwahrscheinlich eine Person sein, die weder über seine psychologischen Fähigkeiten noch über seinen Hintergrund wird.

Aus diesem Grund können wir uns sicher sein, dass die Krise weiterhin vor uns liegt. Und in der nächsten Phase wird sie politisch sein. Sogar auch nach den nächsten Parlamentswahlen in Griechenland wird, wenn jemand (speziell, wenn es Kyriakos Mitsotakis ist) etwas umzusetzen versucht, er jemand anderen gegenüber haben (eventuell Herrn Tsipras), der etwas anderes sagen und die Psyche der „Widerspenstigen“ anregen wird.

Schäuble wird dann einfach nur seinen Spaß haben. Wir wahrscheinlich nicht.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Angelos Koveos)

  1. Christian Schramayr
    30. Oktober 2017, 09:49 | #1

    Nach acht Jahren „fremdbestimmt – freiwilliger Reformen“ macht sich wohl langsam die Erkenntnis breit, dass dringender Bedarf besteht am eigenen, griechischen Blick auf griechische Realitäten – samt der notwendigen Zeit, eine interne, griechische Diskussion über angemessene griechische Lösungen anzustoßen. Nimmt der Aussendruck einmal ab, dann liegt es nur noch am politischen Willen der „politischen Klasse“ jeder Couleur, um den angemessenen, souveränen Weg zu finden.

    Nicht nur – aber vor allen – wartet die junge Generation in Griechenland sehnsüchtig darauf. Immerhin haben die Jungen noch ihr ganzes „gelungen – geglücktes Leben“ vor sich!

  2. Kleoni
    30. Oktober 2017, 11:06 | #2

    Mir kommen die Tränen – das Ziel des Neoliberalismus ist und bleibt die Umverteilung des erwirtschafteten Geldes von unten nach oben. Wenn etwas zuerst zusammengestrichen wird, dann sind es Sozialleistungen und Gelder für Bildung und Gesundheitswesen. Mieten steigen ins unendliche, die Löhne und Gehälter nicht, indirekte Steuern steigen, sozialer Wohnungsbau in Griechenland gibt es nicht, in Deutschland viel zu wenig, dafür werden Investoren für Luxussanierungen gesucht (deutet sich nun auch in Griechenland an, dass billiger Wohnraum für Mietwohnungen immer weniger wird).

  3. karnapas
    30. Oktober 2017, 17:11 | #3

    Ich wusste gar nicht, dass es Krankenhäuser gibt, die Neolieberalismus und die nicht nur schäubleeignene Symptomatik Realitätsverleugnung, Machtgier, Wettbewerbsfetischismus, Ausverkauf der Demokratie usw. stationär behandeln. Und das auch noch in Brüssel.
    Er hat für einen Moment diese Welt verlassen und ist zurückgekommen ? Hat Deutschland jetzt einen Untoten, ein Zombie als Parlamentpräsidenten ? Hat er wenigstens seinen schwarzen Koffer dabei gehabt als Zeichen menschlich-weltlicher Verfehlung ?
    Schäuble ist so auswechselbar wie jeder andere auch. Voraussetzung für seinen Job ist, falsch lächelnd die einen zu knechten, bei den anderen wegzuschauen, wie z.B. aktuell beim VW-Konzern, dem es gestattet wird, mit nur 5 Mitarbeitern in Luxembourg die deutsche Steuer zu prellen.

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