Multis kehren Griechenland den Rücken zu

23. Oktober 2017 / Aufrufe: 722
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Mehrere multinationale Konzerne haben ihre Produktionsaktivitäten in Griechenland mittlerweile eingeschränkt oder ganz eingestellt.

In Griechenland herrscht Nachdenklichkeit wegen der bei multinationalen Konzernen verzeichneten Tendenz, ihre Produktionstätigkeit im Land einzustellen oder einzuschränken.

Marktkenner vertreten, multinationale Konzerne mit langjähriger Präsenz auf dem griechischen Markt untersuchen die Möglichkeit, sich aus Griechenland als Produktionsland (nicht als Markt) zurückzuziehen und ihre industriellen Aktivitäten in andere Länder zu verlagern.

Multinationale Konzerne geben Produktionsstandort Griechenland auf

Infolge der Schrumpfung des griechischen Marktes wegen des signifikanten Rückgangs des Konsums lohnt es sich mittlerweile für niemandem und erst recht nicht mehr für die multinationalen Konzernen, ihre Produkte in Griechenland herzustellen. Es ist eine Frage der Zeit, dass sie bekannt geben, hinsichtlich der Produktion das Land verlassen„, betont gegenüber insider.gr ein Marktfaktor, der nicht namentlich benannt werden möchte. Der Rückgang der Produktionsaktivität in Griechenland wird auch in den jüngsten Angaben der Alpha Bank über die griechische Wirtschaft verzeichnet. Diesen zufolge verzeichnen die Investitionen in Griechenland in der Periode 2009 – 2016 einen kumulativen Rückgang um 57,2%. Im selben Moment brach der private Konsum in der selben Periode um 20,9% ein.

Vor einigen Tagen fasste die deutsche Gesellschaft BSH den Beschluss, sich aus ihrer Produktionsaktivität in Griechenland zurückzuziehen und die Pitsos-Fabrik in Renti zu schließen. Die an die Bosch – Siemens übergegangene Gesellschaft vertritt in einem Schreiben an die Beschäftigten, die Athener Fabrik vermöge die Produktion keines der Produkte des Konzerns zu unterstützen und daher sei die endgültige Einstellung ihrer Produktionsaktivität objektiv gegeben und notwendig gewesen. Die Leitung der Gesellschaft gab bekannt, die Anlage werde noch für ein Jahr – bis Ende 2018 – in Betrieb bleiben und danach schließen. Es ist bereits ein Programm zum Abbau der Belegschaft mit dem Ziel auf den Weg gebracht worden, die Folgen der Schließung zu mildern. Die Firmenleitung teilte den 250 Beschäftigten mit, in ein optionales Ausscheidungsprogramm mit besonders günstigen Bedingungen eintreten zu können. Das Programm begann am 02 Oktober und wird am 10 November zum Abschluss kommen.

Ihren Rückzug aus dem Zweig des Olivenöls gab im September 2017 die Elais – Unilever bekannt. Die Marken Altis, Elanthi, Vitam, Flora, Becel, Super Fresco sowie auch die Oliven- und Kernölfabrik in Piräus stehen zum Verkauf an. Mit dem Verkauf der Fabrik in Piräus (wo die Olivenöle produziert werden) wird die Elais zwei Produktionsstätten in Renti und Gastouni beibehalten, während das Portefeuille der Lebensmittel auf die Marken Knorr, Hellmann’s, Poumaro sowie die Speiseeis-Brands Algida, EVGA und Ben & Jerry beschränkt werden wird, die in der Fabrik an der Straße „Iera Odos“ produziert werden.

Zur Schließung der größten Speiseeisfabrik in Griechenland (in Tavros), in der 102 Arbeitskräfte beschäftigt sind, schritt die neugegründete Gesellschaft Froneri Hellas, die unter Beteiligung der Nestlé und der R&R auf dem Sektor des Speiseeises, der tiefgekühlten Lebensmittel und der Molkerei-Frischprodukte gegründet wurde. Die zur Schließung der Fabrik geführt habenden Gründe waren laut der Gesellschaft ihre Verluste sowie ebenfalls auch die herrschenden ungünstigen Verhältnisse auf dem Markt in Kombination mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld in Griechenland.

Nach der bereits 2013 erfolgten Schließung der Abfüllanlage in Loutraki / Korinth und diversen „Umstrukturierungen“ setzte die Pepsico nun auch der Produktion von Erfrischungsgetränken in Griechenland ein Ende, indem sie den Betrieb der Fabrik in Inofyta einstellte. In Inofyta waren 4 Produktionslinien installiert, nämlich für Abfüllungen in gläserne Pfandflaschen, Dosen, gläserne Einwegflaschen und PET-Flaschen. Die Erfrischungsgetränke des Konzerns für den griechischen Markt werden fortan aus anderen Ländern importiert werden.

(Quelle: insider.gr, Autorin: Eleni Mpota)

  1. GR-Block
    23. Oktober 2017, 23:06 | #1

    Konzerne produzieren Massenprodukte für die Welt, nicht für einen lokalen Markt. Wenn also ein Konzern ein Billiglohnland verlässt, dann gibt es nur zwei Gründe dafür. Entweder ist in einem anderen Billiglohnland der Lohn noch einmal abgesackt oder in einem Industrieland werden die Staatssubventionen aufgestockt.
    Am besten für Konzerne ist es natürlich, wenn im selben Land die Gesellschaft in zwei Klassen geteilt ist, eine mit Billiglohn und eine mit Hochlohn (für hohe Steuereinnahmen), wie für D typisch. So subventionieren indirekt die Hochlöhner den Konzern um zu bleiben, der die mittellosen Menschen ausnutzt und die Hochlöhner beteiligt – also win für den Hochlöhner, win-win für den „Investor“.
    Weil aber der EU-Kommission dieser Zustand schon lange stinkt, bringt man jetzt ein Gesetz auf den Weg, das die Partner-Länder zwingt, innerhalb eines Landes gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu zahlen, unabhängig davon, ob der Arbeiter In- oder Ausländer ist. Die „Entsendung“ von Arbeitern innerhalb der EU macht in Zukunft also immer weniger Sinn. Damit macht es aber für den Konzern sehr wohl Sinn, demnächst in den EU-Billiglohnländern zu produzieren, also in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit und deshalb Schulden.
    Merkels Hoffnung, dass Nicht-EU-Ausländer, also Flüchtlinge, die entstehende Lücke füllen könnten, hat aber der neue deutsche Patriotismus ein jähes Ende bereitet. Das wird das Ende der schwarzen Null in D. Ob Schäuble das schon geahnt hatte?

    Egal, jedenfalls brauchen wir jetzt nur noch ein Gesetz, das die EU-Staatssubventionen regelt, und die Arbeitsplätze verteilen sich gleichmäßiger auf dem Kontinent. Dann werden wir eine echte „Schicksalgemeinschaft“ werden.

  2. Elenika
    25. Oktober 2017, 17:57 | #2

    Und schön blöd, wenn die Griechen dann die importierten Lebensmittel u.ä. dann auch kaufen. Stützt den griechischen Markt, sonst ziehen sie euch das Fell noch mehr über die Ohren.

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