Fallen der Überbesteuerung 2018 in Griechenland

31. Oktober 2017 / Aufrufe: 912

In Griechenland werden 2018 zigtausende Steuerpflichtige für willkürlich gemutmaßte Einkommen veranlagt und sich mit absurden Steuerforderungen konfrontiert sehen.

Wegen der signifikanten Schrumpfung der Einkommen infolge der langjährigen wirtschaftlichen Krise werden in Griechenland auch 2018 wieder viele natürliche Personen nicht auf Basis der 2017 erworbenen sehr niedrigen Einkommen, sondern auf Basis der utopischen Beträge gemutmaßter Einkommen besteuert werden, für die sie die „Unabhängige Behörde für Öffentliche Einnahmen“ (AADE) auf Basis des von der Einkommensbesteuerungsverordnung / Einkommensteuerordnung (KFE) vorgesehenen Systems der gemutmaßten oder sachbezogenen Lebenshaltungskosten und Indizien des Erwerbs von Vermögenswerten veranlagen wird.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass, falls die griechische Regierung nicht (gegen den Widerstand der sogenannten „Institutionen“ …) entschieden eingreift und zumindest die Geltung des Paragraphen 35 des Artikels 72 der KFE (erneut) verlängert, im Jahr 2018 zu Lasten hunderttausender Steuerpflichtiger Bescheide über utopische Einkommensteuern ergehen werden, die selbstverständlich niemals beglichen bzw. beigetrieben werden können! (Siehe auch: Griechenlands Finanzamt zockt Geringverdiener ab)

Wie das Finanzministerium in Griechenland Einkommen … „kreiert“

Die Differenzen zwischen den sehr niedrigen realen Einkommen und den sich auf Basis der Indizien für Lebenshaltung und Erwerb sogenannter Vermögenswerte ergebenden sehr hohen gemutmaßten Einkommen werden mittlerweile in vielen Fällen nicht mehr mit verbliebenen Einkommen (Ersparnissen) oder Einnahmen aus vergangenen Jahren gedeckt (sprich gerechtfertigt) werden können, da diese Beträge fast in ihrer Gesamtheit zur Deckung von Einkommensindizien in den vorherigen 4 – 5 Jahren genutzt worden sind.

Spezieller werden gemäß den Verfügungen der Bestimmungen der Artikel 30 – 34 der Einkommensbesteuerungsordnung bei der Abrechnung der Steuererklärungen natürlicher Personen, die im Frühjahr und Sommer 2018 einzureichen sind, damit die Einkommen des Jahres 2017 deklariert werden, folgende Regeln gelten:

Feststellung gemutmaßter Einkommen in Griechenland

A) Das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen wird die Gesamthöhe des gemutmaßten steuerpflichtigen Einkommens eines jeden Steuerpflichtigen auf Basis des Systems der sachbezogenen Lebenshaltungskosten und der Aufwendungen für den Erwerb von Vermögensteilen bestimmen, indem es die folgen Beträge summiert:

1) Die minimalen gemutmaßten Lebenshaltungsaufwendungen, die sich für jeden ledigen, geschiedenen oder verwitweten Steuerpflichtigen auf 5.000 Euro und für die eine gemeinsame Steuererklärung einreichenden verheirateten Eheleute 5.000 Euro belaufen. Die minimalen gemutmaßten Lebenshaltungsaufwendungen werden nur angerechnet, sofern einer der beiden Eheleute sei es auch nur einen einzigen Euro eines realen Einkommens deklariert oder mit irgendeinem anderen Lebenshaltungsindiz wegen Nutzung einer Wohnung, eines Fahrzeugs usw. belastet ist.
(Hinweis: Als zur Anwendung der gemutmaßten steuerlichen Veranlagung führendes „reales Einkommen“ gilt beispielsweise auch ein Zinsertrag von nur 0,01 Euro!)

2) Die Lebenshaltungsindizien bzw. sachbezogenen Lebenshaltungsaufwendungen. Die fortan „sachbezogenen Lebenshaltungsaufwendungen“ genannten Lebenshaltungsindizien sind Beträge, die gemäß der Logik des griechischen Finanzministeriums die – mehr oder weniger willkürlich festgesetzten! – minimalen jährlichen Aufwendungen für Nutzung und Wartung von Vermögensteilen wie Wohnungen, Fahrzeuge, Freizeitboote, Flugzeuge und Schwimmbecken, aber auch die Beträge, die laut dem Ministerium die minimalen jährlichen Ausgaben für den persönlichen Unterhalt repräsentieren.

Unter die „sachbezogenen Lebenshaltungsaufwendungen“ fallen auch die real entrichteten Aufwendungen für die Bezahlung von Schulgeldern an private Schulen sowie auch die Ausgaben für die Entlohnung von Dienstpersonal. Für die Bestimmung der Summe der Lebenshaltungsindizien bzw. „sachbezogenen Lebenshaltungsaufwendungen“ eines jeden Steuerpflichtigen werden spezieller berücksichtigt:

a) Eigengenutzte (sprich im eigenen Eigentum befindliche) oder gemietete oder kostenlos überlassene Hauptwohnungen und Zweitwohnungen. Das Lebenshaltungsindiz bzw. die „sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung“ für eine Hauptwohnung wird auf Basis der Fläche gestaffelt folgendermaßen berechnet:

  • Für Hauptnutzungsräume bis einschließlich 80 m², 40 €/m².
  • Für Hauptnutzungsräume ab 81 m² bis einschließlich 120 qm, 65 €/m².
  • Für Hauptnutzungsräume ab 121 m² bis einschließlich 200 qm, 110 €/m².
  • Für Hauptnutzungsräume ab 201 m² bis einschließlich 300 qm, 200 €/m².
  • Für Hauptnutzungsräume ab 301 m² und mehr, 400 €/m².
  • Für sogenannte Hilfsräume der Hauptwohnung gilt unabhängig von der Fläche der Immobilie eine „sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung“ von 40 €/m².

Alle vorstehenden Beträge erhöhen sich um 40% für Wohnungen, die in Gebieten mit Einheitspreisen ab 2.800 bis 4.999 €/m² liegen und um 70% für Wohnungen, die in Gebieten mit Einheitspreisen ab 5.000 €/m² und mehr liegen. Für Einfamilienhäuser werden die vorstehenden Beträge um 20% erhöht berücksichtigt. Ebenfalls werden für Zweitwohnungen die Beträge „sachbezogener Lebenshaltungsaufwendung“ um 50% gemindert berücksichtigt.

b) Für private Personenwagen wird das Lebenshaltungsindiz folgendermaßen bestimmt:

  • Für Fahrzeuge mit einem Hubraum von bis einschließlich 1.200 cm³ auf 4.000 Euro.
  • Für Fahrzeuge mit mehr als 1.200 cm³ und bis zu 2.000 cm³ werden je 100 Kubikzentimeter 600 Euro hinzugerechnet.
  • Für Fahrzeuge mit mehr als 2.000 cm³ und bis zu 3.000 cm³ werden je 100 Kubikzentimeter 900 Euro hinzugerechnet.
  • Für Fahrzeuge mit mehr als 3.000 cm³ werden je 100 Kubikzentimeter 1.200 Euro hinzugerechnet.

Vorstehendes gilt auch für Fahrzeuge gemischter Nutzung sowie auch für Fahrzeuge vom Typ Jeep. Die vorstehenden Beträge reduzieren sich analog zu dem Alter des Fahrzeugs, das ab dem Jahr seiner Erstzulassung in Griechenland gerechnet wird, um 30% für einen Zulassungszeitraum ab 5 und bis zu 10 Jahren und um 50% für einen Zulassungszeitraum von über 10 Jahren. Das Lebenshaltungsindiz kommt nicht auf private Personenwagen zur Anwendung, die über ein Authentizitäts-Zertifikat (Oldtimer, Mindestalter 30 Jahre) verfügen, sowie auch nicht auf speziell für Personen mit Mobilitätsbehinderungen und einem Behinderungsgrad von mindestens 67% gestaltete Personenwagen.
(Hinweis: Für nach Griechenland importierte Gebrauchtwagen darf mittlerweile als Erstzulassungsdatum sogar auch rückwirkend das Datum der Erstzulassung im Ausland geltend gemacht werden, was jedoch ggf. auf Betreiben des Halters zu korrigieren ist.)

c) Die jährlich an private Schulen des elementaren und mittleren Bildungszweigs entrichteten Schulgelder.

d) Die für Haushaltshilfen, Chauffeure, Lehrer und sonstiges Personal aufgewendeten Lohnkosten.

e) Die Freizeitboote / -schiffe. Die entsprechenden Lebenshaltungsindizien bzw. „sachbezogenen Lebenshaltungsaufwendungen“ staffeln sich folgendermaßen:

  • Für Motorboote offenen Typs ohne Kajüten-Räume (Schnellboote und nicht) mit einer Gesamtlänge von bis zu 5 Metern beläuft die „sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung“ sich auf den Betrag von 4.000 Euro. Für Boote mit einer Länge von über 5 Metern erhöht der Betrag sich um 2.000 Euro je Meter.
  • Für Segelschiffe oder Motorschiffe oder gemischt angetriebene Schiffe mit Kajüten-Räumen mit einer Gesamtlänge von bis zu 7 Metern wird die „sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung“ auf den Betrag von 12.000 Euro festgesetzt.
  • Für die selben Schiffe mit einer Länge ab 7 und bis zu 10 Metern werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 3.000 Euro hinzugerechnet.
  • Für Schiffe von über 10 und bis zu 12 Metern werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 7.500 Euro hinzugerechnet.
  • Für Schiffe von über 12 und bis zu 15 Metern werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 15.000 Euro hinzugerechnet.
  • Für Schiffe von über 15 und bis zu 18 Metern werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 22.500 Euro hinzugerechnet. Für Schiffe von über 18 und bis zu 22 Metern werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 30.000 Euro hinzugerechnet.
  • Für die Schiffe von über 22 Metern schließlich werden für jeden zusätzlichen Meter ihrer Länge 50.000 Euro hinzugerechnet.

Die Beträge dieses Fall reduzieren sich um 50% für Freizeitboote der aus der griechischen Seefahrtstradition herrührende Typen „Trechantiri“, „Perama“, „Tserniki“ und „Liberty“, die vollständig aus Holz in Griechenland gebaut worden sind oder in Griechenland gebaut werden.

Die „sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung“ für jedes Boot / Schiff reduziert sich analog zu seinem Alter und um 15%, wenn seit seiner ersten Registrierung im Schiffsregister ein Zeitraum von über 5 und bis zu 10 Jahren verstrichen ist, und um 30%, wenn ein Zeitraum von über 10 Jahren verstrichen ist. Die vorstehenden Beträge der Auflistung reduzieren sich um 50% für Segelschiffe.

Für Schiffe mit einer für das gesamte Jahr oder einen Teil des Jahres ständig angeheuerten Crew wird auch die Vergütung der Crew hinzugerechnet, während die Schiffe gewerblicher Nutzung nicht für die Gewerbeaufwendung berücksichtigt werden.

f) Die Flugdrachen, Flugzeuge und Helikopter.

g) Die Schwimmbecken. Für die im Freien befindlichen Schwimmbecken (Pools) wird das Einkommensindiz gestaffelt auf 160 Euro je Quadratmeter bis zu einschließlich 60 Quadratmetern und auf 320 Euro je Quadratmeter für eine Fläche von über 60 Quadratmetern bestimmt. Vorstehendes gilt auch, wenn der Pool demontierbar ist. Für in Innenräumen gelegene Schwimmbecken verdoppeln sich die vorstehenden Beträge dieses Falls.

Im Fall gemeinschaftlich genutzter Pools, die sich bei Mehrparteienhäusern / -anlagen befinden, wird die sachbezogene Lebenshaltungsaufwendung auf Basis der Eigentumsanteile einer jeden Wohnung an dem Grundstück auf die Eigentümer der Immobilien umgelegt.

3) Die Einkommensindizien des Erwerbs von Vermögenswerten. Als Einkommensindizien des Erwerbs von Vermögenswerten gelten die Aufwendungen des Steuerpflichtigen für:

  • die Vollendung von Gebäuden,
  • den Erwerb (Kauf usw.) von Immobilien, Aktien, Fondsanteilen, Obligationen, Schatzbriefe des Staates, Fahrzeugen, Zweirädern, Dreirädern, Booten oder Freizeitschiffen,
  • den Kauf beweglicher Sachen im Nettowert von über 8.130 Euro bzw. 10.000 Euro nebst MwSt. (Kunstwerke, Schmuck, Möbel usw.),
  • den Kauf oder die Gründung von Unternehmen,
  • die Beteiligung am Gesellschafts- / Aktienkapital von Gesellschaften,
  • die Gewährung von Krediten,
  • Schenkungen von Geldbeträgen.

Besteuerung gemutmaßter Einkommen in Griechenland

B) Wenn das deklarierte Gesamteinkommen des Steuerpflichtigen geringer ist als das gemutmaßte Gesamteinkommen, das aus der Summierung der Indizien der Lebenshaltung und des Erwerbs von Vermögenswerten bestimmt worden sein wird, wird dann die sich ergebende zusätzliche Differenz steuerpflichtigen Einkommens besteuert werden:

  • Als Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, sofern mindestens 50,1% des deklarierten Gesamteinkommen aus unternehmerischer Aktivität, aus Immobilienvermögen oder aus beweglichen Werten herrührt. In jedem Fall wird die zusätzliche Einkommensdifferenz bis zu 20.000 Euro mit einem Satz von 22%, ab 20.001 bis 30.000 Euro mit einem Satz von 29%, ab 30.001 bis 40.000 Euro mit einem Satz von 37% und ab 40.000 Euro mit einem Satz von 45% besteuert werden. Zusätzlich wird auch eine Steuervorauszahlung für das nächste Jahr auferlegt werden, die mit einem Satz von 100% auf die Haupt(einkommen)steuer berechnet wird.
  • Als Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit, sofern mindestens 50,1% des deklarierten Gesamteinkommen aus landwirtschaftlicher Aktivität herrührt. In jedem Fall wird die zusätzliche Einkommensdifferenz bis zu 20.000 Euro mit einem Satz von 22%, ab 20.001 bis 30.000 Euro mit einem Satz von 29%, ab 30.001 bis 40.000 Euro mit einem Satz von 37% und ab 40.000 Euro mit einem Satz von 45% besteuert werden. Zusätzlich wird auch eine Steuervorauszahlung für das nächste Jahr auferlegt werden, die mit einem Satz von 100% auf die Haupt(einkommen)steuer berechnet wird.
  • Als Einkommen aus abhängiger Lohnarbeit, mit einem Steuerfreibetrag von 8.636 bis 9.545 Euro, sofern der Steuerpflichtige:
    1. ein Einkommen erworben hat, das entweder ausschließlich oder zu einem Anteil von über 50% aus Löhnen / Gehältern oder Renten herrührt, oder kein Einkommen aus keinerlei Kategorie hat oder im Arbeitslosenregister des O.A.E.D. registriert ist,
    2. ein Einkommen allein aus Kapitalerträgen (aus Zinsen, Immobilien usw.) oder aus einem Kapitaltransaktions-Mehrwert hat und sein indizienbasiertes (gemutmaßtes) Einkommen den Betrag von 9.500 Euro nicht übersteigt.
      (Hinweis: Diese Bestimmung kam im Rahmen einer Ausnahmeregelung zur Anwendung und es ist ungewiss, ob sie auch für die Einkommen des Jahres 2017 bzw. die Steuererklärungen des Jahres 2018 gelten wird.)

Abschließend sei angemerkt, dass die Bestimmungen über die Einkommensfestsetzung auf Basis der Indizien für Lebenshaltung und Erwerb von Vermögenswerten unter anderen nicht auf im Ausland lebende Griechen und allgemein Auslandsansässige („Steuerausländer“)mit einer oder mehreren Zweitwohnungen oder einem oder mehreren privaten Pkw und Freizeitbooten in Griechenland zur Anwendung kommt.

Für Rentner, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, kommen um 50% reduzierte Beträge der Lebenshaltungsindizien zur Anwendung.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Auszug, Autoren: Giorgos Antonopoulos, Giorgos Palaitsakis)

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