Die gläserne Glocke des Premierministers Griechenlands

10. Oktober 2017 / Aufrufe: 580
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Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras braucht dringend eine Erfolgsgeschichte, die er jedoch nur mit Lügen und Illusionen zu schaffen vermag.

Premierminister leben (meistens) unter einer gläsernen Glocke, aus der sie die Realität verzerrt sehen. Dies kann nur verbessert werden, wenn es um sie herum auch diverse Leute gibt, die ihnen sagen, was draußen, also in der realen Welt geschieht.

Gibt es diese nicht und werden die Premierminister nur von Schmeichlern oder Bürohengsten umgeben, haben wir den „Triumph der Glasglocke“.

Tsipras gestand seinen Selbstbetrug, jedoch nicht seine Lügen ein

Unter solch einer gläsernen Glocke scheint auch Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras zu leben. Als er Anführer der Opposition war, ging er überall hin. Er konnte – abgesehen von den üblichen Hochrufen und Ermunterungen, „voranzuschreiten“ – auch Stimmen hören, die das reale Leben beschreiben. Als Premierminister zieht er dagegen nun von (Minister- und Partei-) Sitzungen zu bewachten Konferenzen und von ausgewählten Unternehmensbesuchen zu wie dem jüngst in Thessaloniki veranstalteten Industriellen-Kongressen herum.

Beispielsweise hat Tsipras sich nicht – überraschend und ungeplant – in ein Unternehmen begeben, in dem hauptsächlich junge Leute beschäftigt sind, um zu erfahren, wie und wie viel sie arbeiten, wie sie entlohnt werden und wie sie (wenn überhaupt) versichert sind. Damit er feststellt, dass die Success Story, die ihm (vormals) Giorgos Katrougkalos und (nun) Efi Achtsioglou (jeweils als Arbeitsminister) servieren, eine Blase sind. Weil er, falls er hingeht, erfahren würde, dass die Entlohnung dieser jungen „Beschäftigten“ zwei bis drei Euro pro Stunde beträgt. Und danach wird er verstehen, warum sie aus Griechenland fortgehen oder warum die „Rekorde“ bei der Senkung der Arbeitslosigkeit völlig künstlich sind.

Wenn also Premierminister Alexis Tsipras dies aus seiner gläsernen Glocke sieht – und hauptsächlich, wenn er es absolut nötig hat, sowohl für sich als auch für die anderen eine Erfolgsgeschichte zu schaffen -, wird er wieder auf Illusionen und Lügen zurückgreifen. Erstere hat auch er selbst eingestanden, die Lügen kommen als natürliche Konsequenz.

Griechenlands Premier propagiert weiterhin unverhohlen … Lügen

Wer nachliest, was Alexis Tsipras jüngst auf dem Kongress des Industrieverbands Nordgriechenlands von sich gab, wird sofort begreifen, warum sich die Theorie der gläsernen Glocke – kombiniert mit unverhohlenen Lügen – bestätigt:

  1. Tsipras sagte: „Wir übernahmen das Land des Grexit.“ Eine kolossale Lüge. Ende 2014 war für Griechenland der Grexit kein Thema (mehr), Tsipras brachte ihn jedoch (mit seinem damaligen Assistenten Yanis Varoufakis zum Helfer) selbst wieder auf den Tisch und Griechenland entging dem Grexit dank dem (damaligen französischen Präsident) François Hollande, der Tsipras die Augen öffnete.
  2. Tsipras sagte: „Es ist das letzte Jahr unter dem Status eines Memorandums. Wir werden einer langen und für das Land und die Gesellschaft schmerzhaften Periode ein Ende setzen.“ Er vergaß allerdings, dass Versprechen dieser Art zum Bumerang werden. Wenn alles – und hoffentlich – gut geht, wird Griechenland im August 2018 formal aus dem (Tsipras‘) Memorandum herauskommen. Es ist jedoch eine kolossale Lüge, dass auch die schmerzhafte Periode endet. Wenn es nicht eine weitere seiner Illusionen ist, ist es eine bewusste Lüge. Und das ist das Schlimmste.
  3. Tsipras sagte: „Wir sind unbestritten in eine Bahn des Wachstums eingetreten.“ Lassen wir uns die vormals von ihm selbst gestellte Frage „Wachstum für welche?“ übergehen und die Vorbehalte der Experten und die wirkliche Dimension des Themas betrachten.
  4. Tsipras sagte: „Wir haben einen 16-Jahres-Rekord bei dem Anstieg der Arbeitsplätze.“ Den offiziellen Angaben zufolge ist die Realität jedoch leider völlig anders. Während Herr Tsipras einst über die Vorgänger herzog, weil sie die „700-Euro-Generation“ schufen, schafft seine Regierung die monatlich 400, 300 und 200, sogar auch 100 Euro verdienende Generation. Dies sind das „Wachstum“ und der „16-jährige Rekord“ bei der Senkung der Arbeitslosigkeit.

Tsipras kam mit Illusionen, Lügen und (Wahl-) Verspechen an die Macht

Alexis Tsipras stützte seinen Aufstieg an die Macht auf Illusionen, Lügen und (per se unerfüllbare) Versprechungen. Irregeführte, enttäuschte, auf ihren Vorteil bedachte und debile Wähler glaubten das alles. Im weiteren Verlauf gestand er (nur) die Illusionen ein. Alles übrige nutzt er weiterhin als Methode einer (neuen) Irreführung.

Offensichtlich fährt Alexis Tsipras darin fort, an das zu glauben, was bereits vor 20 Jahrhunderten der Römer Gaius Petronius geschrieben hatte: „Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen werden …

(Quelle: protagon.gr, Autor: Giorgos Karelias)

  1. Stogiannidis Dimosthenis
    10. Oktober 2017, 11:22 | #1

    Alles Richtig! Wie lange soll er noch an der Regierung bleiben? Welche Programme werden oder sind geschaffen worden die für die Zukunft hoffen lassen …? Meiner Meinung nach wird der größte Betrug an den jungen Menschen gemacht: Sie werden nicht an einen ordentlichen Arbeitsmarkt herangeführt und die schwächsten werden dann skrupellos ausgenutzt und mit überlebebsparolen und gelegenheits Jobs überwiegend im Sommer vertröstet.
    So ein Land in den Ruin zu Steuern auf das können diese unverantwortlichen Politiker stolz sein. Anstatt eigene Konzepte zu entwickeln von den Menschen die auch betroffen sind wird von der eine in die andere Tasche betrogen auf höchstem Niveau. Investitionen werden nur gebremst. Baugenehmigungen brauchen eine gefühlte Ewigkeit bis sie abgesegnet werden . (Habe alles selbst erlebt deshalb schreibe ich das.)

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