Griechenland ist Business – aber für Wenige

12. September 2017 / Aufrufe: 592

Griechenlands Regierungen haben geschafft, sowohl die Situation der Arbeitnehmer zu verschlimmern als auch den Kurs der Unternehmen zu untergraben.

Anlässlich einer jüngst erfolgten Besichtigung der Produktionsanlagen der APIVITA meinte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras, die Firma sei ein Unternehmen, für das der Gewinn kein Selbstzweck war.

Wir werden heftig auf den Arm genommen, oder? Was ist die Apivita denn also? Ein Genossenschaftsbetrieb wie die SEKAP, bevor sie Ivan Savvidis übernahm? Und wer sind die Spanier, die sie aufkauften? Die Podemos?

Immer mehr Unternehmen gehen an Ausländer oder ins Ausland

Die Komik der Erklärung Tsipras‘ geht natürlich aus der Verlegenheit der Linken gegenüber dem Unternehmertum hervor. Und ehrlich gesagt ist es für die leicht anachronistische, linke Denkweise nicht leicht zu akzeptieren, dass ihr Anführer sich mit Unternehmern und Bankiers in dem selben Raum aufhält, sie aber nicht als Geiseln hält oder zumindest ihre Privatisierung verlangt. Für die griechische Linke ist das Unternehmertum dämonisiert, zusammen mit dem Begriff des Gewinns. Aus welchem Grund sollte jedoch jemand unternehmerisch tätig sein und des Gewinns entsagen? Um Alexis Tsipras seine Anerkennung abzuringen?

Es ist Usus, dass der jeweilige Premierminister vor der Internationalen Messe in Thessaloniki sich mit unternehmerischen Trägern trifft und sich auf die Extrovertiertheit und die Dynamik der griechischen Wirtschaft bezieht. Dies wird natürlich üblicherweise an der Beteiligung der Firmen an Messen des Auslands und nicht am Gang nach Thessaloniki für Frappé und Bouzoukia gemessen. Aber, okay, das sehen eben unsere Gewohnheiten und Traditionen vor.

Tsipras hat allerdings nicht genau griechische Unternehmen besucht. Sowohl die Papastratos als auch die Apivita mögen die griechische Kreativität symbolisieren, zeigen aber auch die Not auf, welche die griechischen Firmen in die Hände von Ausländern führt. Seit Beginn der im Sommer 2015 verhängten Kapitalverkehrskontrollen bis heute nimmt mit geometrischem Fortschritt die Zahl der griechischen Unternehmen zu, die in ausländische Hände übergehen oder ihren Sitz ins Ausland verlegen.

Beim Unternehmertum bleibt Griechenland nach wie vor Schlusslicht

Gleicherweise dürfte der Premierminister sich schwer getan haben, griechische Unternehmen zu finden, die keinem Problem verfügbarer Liquidität begegnen, weil Verbindlichkeiten des griechischen Fiskus nicht ausgezahlt werden. Zu all diesem kann auch die Überbesteuerung und das starre Investitionsumfeld hinzugefügt werden, aber das sind Sünden, die Tsipras nicht allein zu schleppen schuldet.

Trotz der hochtrabenden Äußerungen seines Premierministers bleibt Griechenland beim Unternehmertums das Schlusslicht. Vor ihm liegen dagegen so merkwürdige Länder wie Estland und Rumänien, die nicht die positiven Aspekte des Stalinismus zu bewerten vermögen.

Sowohl Tsipras als auch die seit Beginn der Krise bis heute vorausgegangenen Regierungen hatten die Gelegenheit, einen effizienten Neustart durchzuführen und das unternehmerische Umfeld auf moderne Grundlagen zu stellen. Und schließlich haben sie etwas Einzigartiges geschafft: die Situation der Arbeitnehmer zu verschlimmern, aber gleichzeitig auch den Kurs der Unternehmen zu untergraben.

Griechenland ist nicht für Business. Griechenland ist Business, aber für Wenige.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Alekos Papanastasiou)

  1. GR-Block
    12. September 2017, 14:12 | #1

    Wow, welch eine Heuchelei! Oder ist es doch nur lanciert? Jedenfalls ist es keine Blödheit, die hier spricht.

    Immer mehr Unternehmen gehen an Ausländer…“ – Das genau ist der troikanische Deal gewesen, genannt Umstrukturierung der nationalen Wirtschaft, den Papandreou losgetreten hatte, dann aber selbst erschrak, sodass Samaras ihn durchzog.
    … Beteiligung der Firmen an Messen des Auslands und nicht am Gang nach Thessaloniki für Frappé und Bouzoukia gemessen. Aber, okay, das sehen eben unsere Gewohnheiten und Traditionen vor.“ – Frappé und Bouzoukia auf der Internationalen Messe Thessaloniki ist natürlich typisch griechisch rustikal. Internationaler Standard sind dagegen Nutten und Kaviar auf der Hannover-Messe, war aber nie in den Memoranden verlangt. Vielleicht deshalb das Gemaule?
    Seit … der … Kapitalverkehrskontrollen … nimmt … die Zahl der griechischen Unternehmen zu, die … ihren Sitz ins Ausland verlegen.“ – Nein! Der große Absturz der meist kleinen Betriebe passierte nachweislich zwischen 2008 und 2013, von 833.233 Betrieben auf 698.660, also um -16% innerhalb von 4 Jahren. In dieser Zeit haben sich viele über die Grenze nach Bulgarien und FYROM „gemacht“.
    Beim Unternehmertum bleibt Griechenland nach wie vor Schlusslicht“ – Aleko, dreh um! Du fährst im Rückwärtsgang. In der Zahl der Unternehmen ist GR die Nr. 5 in der EU (pro Kopf der Bevölkerung), und das natürlich wegen der großen Zahl der kleinen Betriebe (bis 9 Beschäftigte). Jedoch ist GR das Schlusslicht, was Großbetriebe über 250 Beschäftigte angeht. Davon gab es 2013 genau 388 Stück (EUROSTAT). Das sind gerade die wenigen Betriebe, die mittels Memoranden von ausländischen „Investoren“ zum Melken übernommen werden sollen. (Die Kleinen sollen schließlich schließen.)

    Ach … sollte unser Autor etwa just von denen lanciert worden sein? – „Griechenland ist nicht für Business. Griechenland ist Business, aber für Wenige.

Kommentare sind geschlossen