Die „Rache der Reichen“ in Griechenland

14. September 2017 / Aufrufe: 731

In Griechenland wehren die sogenannten Vermögenden sich mit verschiedenen Tricks gegen die immer absurdere Überbesteuerung ihrer Einkommen und Vermögen.

Die Bereinigung der (sich auf die Einkommen des Jahres 2016 beziehenden) Steuererklärungen des Jahres 2017 in Griechenland  durch das TAXISnet gibt die Folgen der … Rache der „Reichen“, also jener wieder, die bis einschließlich zum vergangen Jahr in ihren Steuererklärungen die höchsten Einkommen offenlegten.

Obwohl inzwischen von insgesamt rund 6,2 Mio. Haushalten nicht mehr als 130.000 ein Jahreseinkommen von über 50.000 deklarieren, legten diese Haushalte 2017 Einkommen in Höhe von insgesamt ungefähr 12 Mrd. Euro offen, welcher Betrag im Vergleich zu 2016 um wenigstens 500 Mio. Euro geringer ist.

Rückwirkende Steuererhöhungen rächen sich wieder einmal …

Mittlerweile deklarieren in Griechenland 2% der Steuerpflichtigen etwas mehr als 15% der Gesamteinkommen und der Rückgang kostet den Staatshaushalt über 200 Mio. Euro an Steuern und Versicherungsbeiträgen.

Mit Umwandlungen von Unternehmen von Personenunternehmen in juristische Personen jeder Art unter einem „Splitting“ von Einkommen auf mehrere Steuer-IDs, mit Absprachen mit den Arbeitgebern unter der … Nase des Finanzamts und mit Übertragungen von Vermögenswerten entweder auf verwandte Personen oder von Gesellschaften auf natürliche Personen fanden die „Vermögenden“ den Modus, auf den Beschluss der Regierungen zu reagieren, das Einkommen mit Sätzen von sogar auch über 50% zu besteuern um die öffentlichen Einnahmen zu stimulieren.

Wie die griechische Zeitung „Kathimerini“ berichtete, steht dem griechischen Finanzministerium das Schlimmste noch bevor. Die Steuerpflichtigen mit den hohen Einkommen – hauptsächlich Freiberufler und Gewerbetreibende, die Spielräume haben, ihr deklariertes Einkommen zu „modifizieren“ – wurden laut dem Artikel in der „Kathimerini“ 2016 … im Schlaf überrascht, da sowohl der neue Besteuerungsmodus auf Basis der Steuerskala als auch die neue Methode zur Berechnung der Abgaben zur Sozialversicherung auf Basis deklarierter Einkommen im Mai 2016 (ab Anfang des Jahres rückwirkend!) ratifiziert wurden, als bereits Rechnungen über viele Mrd. Euro ausgestellt worden waren.

Die Züge zur „Verteidigung“ gegenüber dem Steuersturm haben mittlerweile Dimensionen eines Gewitters angenommen und die griechischen Steuerbehörden befürchten, dass die Steuerklärungen des Jahres 2018 einen noch größeren Rückgang der Einkommen als die -20% zeigen werden, die sich in den Deklarationen des Jahres 2017 abzeichneten.

Populäre „Tricks“ zur Vermeidung von Steuern und Sozialabgaben

Der Reportage der „Kathimerini“ zufolge werden die Rezepte zur Verbergung steuerpflichtiger Materie immer populärer:

1. Die Freiberufler und Gewerbetreibenden bedienten sich verschiedener Rezepte um die deklarierten Gewinne einzuschränken und mit einem niedrigeren Satz besteuert zu werden und dabei parallel auch Versicherungsabgaben zu entgehen.

Ein Rezept war die übliche Praxis der Steuerhinterziehung, also der Erbringung von Dienstleistungen oder des Verkaufs von Waren ohne Belege. Ein zweites Rezept war die „Aufblähung“ der gewerblichen Ausgaben mittels zwar existenter Belege (Rechnungen und Quittungen), die jedoch nicht als gewerbliche Aufwendungen charakterisiert werden können (z. B. Ausgaben der Familie usw.). Damit diese Aufwendungen als nicht berufsbezogen abgewiesen werden, muss eine penible Steuerprüfung erfolgen. Das dritte Rezept war das „Splitting“ der Einkünfte auf zwei oder mehrere Steuer-IDs. Viele schritten zur Gründung privater Kapitalgesellschaften. Eine dritte Person als Geschäftsführer wählend entgingen sie der Entrichtung von Versicherungsbeiträgen, während der Gewinn mit einem Satz von 29% und nicht 45% besteuert wurde, die der Steuersatz für die Personenunternehmen erreicht, die Gewinne von über 40.000 Euro im Jahr deklarieren.

Die sogenannten (in Deutschland als 1-Euro-Gmbh bekannten) IKE sind bereits in das Visier des griechischen Arbeitsministeriums geraten, das hinter der Gründung von ungefähr 4.600 privaten Kapitalgesellschaften allein seit Beginn des Jahres 2017 ein Schlupfloch zur Vermeidung von Sozialversicherungsbeiträgen sieht. Das Szenarium, dass auch die Teilhaber der IKE Versicherungsbeiträge zahlen sollen, befindet sich auf dem Tisch, seine Adoption würde jedoch die unternehmerische Aktivität tödlich treffen.

2. Das „Splitting“ des Eigentums (hauptsächlich in bloßes Eigentum und Nießbrauch) ist eine Methode, die von denen genutzt wird, die bei Überschreitung der Grenze von 200.000 Euro zur Entrichtung einer zusätzlichen Immobiliensteuer verpflichtet sind. Es ist kein Zufall, dass die Einnahmen aus der Zusatzsteuer der natürlichen Personen sich in diesem Jahr auf 382 Mio. Euro gegenüber 387 Mio. Euro im vergangenen Jahr und die entsprechenden Einnahmen von juristischen Personen sich auf 247 Mio. Euro gegenüber 261 Mio. Euro im vergangenen Jahr beliefen, wobei der Gesamtbetrag sich von 649 Mio. Euro im Jahr 2016 auf 629 Mio. Euro im Jahr 2017 beschränkte.

Ab dem ersten Euro eine Zusatzsteuer zahlende Gesellschaften übertragen Vermögenswerte auf den Namen der natürlichen Person, damit sie – unter anderem – auch der Zusatzsteuer entgehen, die bei den juristischen Personen ab dem ersten Euro zu zahlen ist.

3. In den Klassen der Arbeitnehmer ist die hauptsächliche Methode zur Verbergung steuerpflichtiger Materie jene, die in Absprache mit dem Arbeitgeber erfolgt. Es wird ein persönlicher (Arbeits-) Vertrag mit einem niedrigeren Einkommen unterschrieben. Der Arbeitnehmer vermeidet Versicherungsbeiträge und senkt den Betrag der an den Staat abgeführten Steuerabzüge, während der Arbeitnehmer die gleichen Netto-Bezüge sicherstellt und die Differenz „unter dem Tisch“ erhält.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giorgos Antonopoulos)

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