Griechenland altert und schrumpft

15. August 2017 / Aufrufe: 568

Einer schockierenden Studie zufolge wird Griechenlands Bevölkerung bis 2050 auf unter 9 Millionen Menschen gesunken und noch mehr überaltert sein.

Wegen der negativen demographischen Entwicklungen in Griechenland wird die Bevölkerung des Landes bis Mitte dieses Jahrhunderts einen kontinuierlich abnehmenden Verlauf verfolgen.

Dies prognostiziert eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die allgemein die demographische Zukunft Europas analysiert und gemischte Tendenzen aufzeigt – sowohl positive als auch negative.

Schlimmstes Verhältnis von Beschäftigten zu Rentnern

Besagte Studie betont, dass Griechenland zwischen 2011 – 2016 fast 3% seiner Bevölkerung verlor, und zwar unter anderem, weil wegen der Krise weniger Kinder geboren wurden. Sie prognostiziert, dass die Bevölkerung des Landes von ungefähr 10,8 Millionen im Jahr 2016 auf 9,9 Millionen im Jahr 2013 und auf 8,9 Millionen im Jahr 2015 sinken wird, mit der Folge, dass es einen zusätzlichen Bevölkerungsrückgang um ungefähr 18% erleiden wird.

Mit einem Gesamtfruchtbarkeits-Index von 1,33 (die prognostizierte Anzahl von Kindern je Frau) hat Griechenland derzeit die fast niedrigste Leistung in der Europäischen Union. Die Studie betont, dass Griechenland hauptsächlich wegen der geringen Anzahl im Land geborener Kinder (jährlich ungefähr 90.000) mittlerweile eine der am meisten gealterten Bevölkerungen in Europa hat, da über ein Fünftel seiner Einwohner (21%) über 65 Jahre alt sind. In Europa hat nur Italien einen noch höheren Anteil alter Leute.

Die deutschen Forscher prognostizieren, dass auf Basis der bisherigen demographischen Tendenzen Griechenland bis zum Jahr 2050 das schlimmste Verhältnis von Beschäftigten zu Rentnern in ganz Europa haben wird.

Demographische Kluft zwischen Europas Norden und Süden

Dem Bericht zufolge ist Europa demographisch gespalten. Im Norden, im Westen und im Zentrum des Kontinents gibt es relativ hohe Fruchtbarkeits- und Immigrations-Indizes, die das Wachstum der Bevölkerung in der absehbaren Zukunft sicherstellen. Süd- und Osteuropa verzeichnen dagegen eine beschleunigte Alterung und Bevölkerungsverluste.

Europa ist buchstäblich ein „alter“ Kontinent und hat eine im Durchschnitt ältere Bevölkerung als andere Kontinente. Derzeit gibt es in Europa ungefähr 32 Rentner je 100 Beschäftigte im Alter von 20 bis 64 Jahren, es entsprechen also ungefähr drei Arbeitskräfte je einem Rentner. Es wird jedoch prognostiziert, dass dieses Verhältnis bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts auf zwei Beschäftigte je Rentner fallen wird.

Die Studie schätzt ein, dass es bis 2050 das höchste Durchschnittsalter der Bevölkerung unter den europäischen Ländern in Griechenland und Portugal geben wird – in zwei Ländern, die außer der Alterung ebenfalls auch eine Schrumpfung ihrer Bevölkerung erleben werden. Wie betont wird, kann die dauerhafte Niederlassung und Integration von mehr Immigranten ein Gegengewicht zu diesen beiden negativen Tendenzen darstellen.

Weiter schlagen die Forscher Maßnahmen zur Unterstützung der Geburten und der berufsstätigen Mütter sowie ebenfalls allgemein staatliche Politiken vor, die es den Eltern leichter machen, die Arbeit mit der Familie zu kombinieren. Es wird betont, dass derzeit praktisch in allen europäischen Ländern die Frauen weniger Kinder bekommen als erforderlich sind, damit ihre Bevölkerung ohne die Hilfe der Immigranten stabil bleibt. Damit eine solche Stabilisierung eintritt, bedarf es eines Fruchtbarkeits-Indexes von ungefähr 2,3 Kindern je Frau, in der Europäischen Union der 28 Mitgliedstaaten liegt jedoch heutzutage der Durchschnitt bei nur 1,58 Kindern je Frau.

Wenn die Europäerinnen darin fortfahren, auf lange Zeit im Durchschnitt nur 1,5 Kinder zu bekommen, würde dann die Bevölkerung Europas in den nächsten 65 Jahren auf die Hälfte sinken, sofern es jedoch keinerlei Immigration und eine unveränderte Lebenserwartung geben würde. Weil jedoch keine der beiden letzten Annahmen realistisch ist, nehmen die deutschen Demographen an, dass zur Stabilisierung der europäischen Bevölkerung ein durchschnittlicher Fruchtbarkeits-Index von 1,6 bis 1,8 Kinder je Frau ausreicht – was nicht sehr weit von dem heutigen Index (1,58) entfernt ist.

An der Spitze der europäischen Fruchtbarkeit liegt heute Frankreich mit einem Geburten-Index von fast zwei (1,96) Kindern je Frau. Irland, Großbritannien, Schweden und Dänemark haben ebenfalls einen relativ hohen Fruchtbarkeits-Index. Dagegen ist das Bild im Süden völlig anders, da Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Zypern den niedrigsten Fruchtbarkeits-Index von rund 1,3 Kindern je Frau haben. Diese Spaltung Europas hat sich seit fast drei Jahrzehnten nicht geändert.

Sowohl weniger als auch ältere Menschen

Die Studie betont, dass sich speziell im europäischen Süden die Schrumpfung und die Alterung der Bevölkerung kombinieren. In Ländern wie Griechenland und Italien verlassen immer mehr Menschen den Arbeitsmarkt um in Rente zu gehen als junge Leute als Beschäftigte in den Arbeitsmarkt eintreten. In den Ländern mit einem niedrigen Fruchtbarkeits-Index wie Griechenland erfolgt dieser Prozess und die Öffnung der „Schere“ Beschäftigter – Rentner schneller als in nördlicheren Ländern. Deswegen werden der Studie zufolge die südlichen Länder in der Zukunft größere Schwierigkeiten haben, die Rentensysteme zu finanzieren und das derzeitige Niveau ihrer sozialen Leistungen aufrecht zu erhalten. Die Studie schätzt ein, dass – unter Ausnahme von Luxemburg – die Renten in allen anderen Ländern in Zukunft eine Senkung im Verhältnis zu den Löhnen erfahren werden. Dies wird zur Folge haben, dass die Armutsgefahr für die alten Leute steigt.

Die deutschen Forscher betonen, dass die nördlichen skandinavischen Länder wie Schweden und Finnland die ersten waren, wo in Europa vor wenigen Jahrzehnten der Fruchtbarkeits-Index unter zwei Kinder je Frau fiel. Heute sind es jedoch die selben Länder, welche die Tendenz zur Geburt weniger Kinder umgekehrt und mittlerweile zufriedenstellende Fruchtbarkeits-Niveaus haben – es handelt sich um eine „Rückkehr zum Alten“, welche die Länder des europäischen Südens (zumindest noch) nicht geschafft haben.

Eine Reihe gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und psychologischer Faktoren kombinieren sich und treiben die Paare speziell des Südens dazu, nicht so viele Kinder wie in der Vergangenheit zu bekommen: gemindertes verfügbares Einkommen, Wunsch nach Aussicht auf Freiheit, Verfolgung einer beruflichen Karriere, hohe Scheidungs-Quote, relative Entmystifizierung der Ehe und der Familie u. a.

Italien ist das Land in Europa, wo die Frauen das höchste durchschnittliche Alter haben, wenn sie ihr erstes Kind bekommen: fast mit 31. In Ländern wie Spanien haben die wenigsten jungen Paare die wirtschaftliche Möglichkeit, ihren eigenen Haushalt zu gründen und ein Kind zu bekommen, bevor sie 30 Jahre alt sind. Und je länger sich die Bildung einer Familie verzögert, um so mehr nimmt die Anzahl der Kinder, die eine Frau gebären wird, und folglich die Bevölkerung eines Landes ab.

Beitrag der Immigranten zur demographischen Entwicklung

Die Studie führt an, dass in Ländern wie Griechenland und Italien die Immigranten bisher die Bevölkerung nicht wesentlich gesteigert und höchstens zu 0,1% zu den nationalen Fruchtbarkeits-Indizes beigetragen haben Wenn sich jedoch in Zukunft ihre Anzahl erhöhen wird und mit der Tatsache als gegeben, dass sie üblicherweise mehrere Kinder bekommen, ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren ihr Beitrag sowohl zum Anstieg der Bevölkerung als auch zur Eindämmung der Überalterung steigen wird.

Auf Basis einer Analyse der Eurostat wird eingeschätzt, dass wenigsten zwei Drittel der Länder Europas des Beitragens der Immigranten aus nichteuropäischen Ländern bedürfen werden, damit es in Europa eine demographische Stabilität bis 2050 geben wird.

Eine weiter Spaltung besteht zwischen Westen – Osten hinsichtlich der Lebenserwartung. Länger als alle in Europa leben die Menschen in Norditalien, Nordspanien, in den Küstengebieten Frankreichs sowie auch in Teilen der Schweiz und Norwegens. Die kürzesten Leben haben die Menschen des östlichen und ehemaligen sozialistischen Europas, wobei es in Litauen und Bulgarien am schlimmsten aussieht. In Griechenland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung unabhängig vom Geschlecht 81,1 Jahre und in Zypern 81,8 Jahre.

Demographisch Entwicklung in Zypern

Was spezieller Zypern betrifft, schätzt die Studie ein, dass seine (gegenüber 2006 um 14% gestiegene) Bevölkerung von ungefähr 0,85 Millionen im Jahr 2016 weiter auf 0,9 Millionen im Jahr 2013 und fast eine Million im Jahr 2015 steigen wird, und zwar hauptsächlich dank der Immigration sowie auch des Umstands, dass jedes Jahr mehr Menschen geboren werden als sterben (während in Griechenland das Gegenteil stattfindet).

Auf der anderen Seite ist der Fruchtbarkeits-Index in Zypern (1,32 Kinder je Frau im Jahr 2015) fast eben so niedrig wie in Griechenland, was laut der Studie zur Folge hat, dass bis Mitte des Jahrzehnts 2030 die Anzahl der Todesfälle wahrscheinlich auch in Zypern die Anzahl der Geburten übersteigen wird.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist eine im Jahr 2000 geschaffene unabhängige und nicht gewinnorientierte „Denkfabrik“ (Thinktank).

(Quelle: eleftherostypos.gr)

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