Verdient Deutschland wirklich an Griechenlands Krise?

21. Juli 2017 / Aufrufe: 1.537

Profitiert Deutschland tatsächlich von der Krise in Griechenland anstatt Athen zu helfen?

Die deutsche Presse beschäftigt sich weiterhin mit der Frage, ob und wie Deutschland von der griechischen Krise profitiert. Weil der Verdacht der Spekulation den ethischen Vorteil des „Beschützers“ in die Luft sprengen würde.

Die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ nimmt die Position unter die Lupe, die sie in der vergangenen Woche auf Basis von Angaben der Münchener „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) vertrat, Deutschland würde mittels der Hilfe an Griechenland Milliarden verdienen. Profitiert also vielleicht Deutschland von der griechischen Krise anstatt Athen zu helfen?

Griechenland profitiert von niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten

Die „Zeit“ gesteht ein, die Berechnungen der SZ, Deutschland verdiene bisher aus den Zinssätzen der Hilfskredite rund eine Milliarde Euro, seien richtig. Dieser Betrag ergibt sich aus den Zinsen auf die Direkthilfe, die Griechenland im Jahr 2010 gewährt wurde, aber auch aus den hohen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die griechischen Anleihen, die sie in den Jahren 2010 – 2012 aufgekauft hatte. Ein Teil der Gewinne der EZB wird an die deutsche Zentralbank ausgeschüttet.

Für die „Zeit“ trügen die Phänomene jedoch. Die Behauptung, Deutschland profitiere von Griechenland, gelte aus zwei Gründen nicht, von denen sich der eine auf die Vergangenheit und der andere auf die Zukunft bezieht. Deutschland und andere Länder gewährten Griechenland in einer Epoche Kredite, in der Athen sich vor dem Bankrott befand und von den Kapitalmärkten keine Gelder mehr zu schöpfen vermochte. Die Gläubigerländer gaben die Kredite zu günstigen Bedingungen, der Zinssatz wurde sogar dreimal gesenkt und die Fälligkeiten von 5 auf 30 Jahre prolongiert.

Bei einem Schuldenschnitt wird Deutschland der größte Verlierer sein

Das selbe gilt auch für die griechischen Anleihen, die EZB kaufte diese nicht um Gewinne zu machen, sondern weil sich für sie keine Käufer mehr fanden. Kurz gesagt, einen Vorteil hat allen voran Griechenland und sein Gewinn besteht zumindest in der großen Differenz zwischen den von den Märkten und den von Deutschland verlangten Kreditzinssätzen. Das, was Berlin wirklich gewann, ist abstrakter, es ist die Sicherheit und Stabilität des Euro.

Vergessen wir auch nicht die Zukunft. Laut der Zeit wird Deutschland wirklich einen Gewinn haben, wenn die Kredite vollständig abbezahlt werden. Und dies ist nicht nur ungewiss, sondern wohl unwahrscheinlich. Die Verschuldung Griechenlands erreicht ungefähr 170% des BIP und ist für die meisten Ökonomen, aber auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht tragfähig. Zwar widersetzt Deutschland sich bisher einem Schnitt, die einschlägige Diskussion wird jedoch 2018 erfolgen. Wer wird bei einer Beschneidung der griechischen Verschuldung der Hauptverlierer sein? Deutschland. Profitiert also Berlin von dem griechischen Elend? Wir wissen es nicht genau. Höchstwahrscheinlich jedoch nicht.

(Quellen: dw.com, zeit.de)

  1. Ronald
    21. Juli 2017, 08:08 | #1

    Sag ich ja. Und ich behaupte auch, dass eine CDU-geführte Regierung in D für Deutschland nach der Wahl besser für GR ist. Die wird sich leichter tun als eine SPD-Regierung. Nicht aus ideologischen, sondern aus wahltaktischen Gründen. Man stelle sich vor: Eine neue Regierung (Rot-Rot-Grün) und eine der ersten Amtshandlungen ist es, einem Schuldenschnitt zuzustimmen und viele Milliarden € abzuschreiben bzw. Da wird es dann an den Stammtischen sofort heissen: „Ja klar, die CDU hat D ökonomisch stark gemacht und die Sozen hauen die Kohle an die Griechen raus“. Das wird eine SPD-geführte Regierung scheuen.

  2. GR-Block
    21. Juli 2017, 13:09 | #2

    Die Vorstellung irgend ein europäisches Volk hätte von der Finanzkrise profitiert, ist einfach nur absurd. Die Krise ist von der Europäischen Union genutzt worden, um faule Kredite zu sozialisieren. D.h. es ging lediglich darum die immense Quelle der nationalen Steuergelder anzuzapfen, um risikolos in den Finanzsektor zu „investieren“.
    Diese Dinge haben die 28 „Staatsbürger“ der EU beschlossen, ohne vorher die 500 Mio Bürger ohne Bürgerrechte (also quasi Gastarbeiter) zu fragen. Verdienen tun die westeuropäischen Eliten und deren Lakaien in den kleinen Ländern. Deshalb nur ist zu erklären, dass trotz steigender Arbeitslosigkeit, trotz fallender Löhne, nicht in die Produktion jener Länder investiert wird. Stattdessen werden die vorhandenen Kapazitäten der Großmächte voll ausgefahren und sogar ausgebaut. Schließlich ist es für Eliten besser ein paar wenige Klientelwirtschaften zu organisieren, nur wenige Jurisdiktionen in der Hand zu haben, als sich mit 28 verschiedenen herumzuschlagen.

    Warum die Presse mal wieder die Völker aufeinander hetzt, ist aber wohl keine Frage. Da hat jemand die Hetze lanciert. Warum? Weil Wahlen vor der Tür stehen.

  3. Alfons
    21. Juli 2017, 14:39 | #3

    Die Gegenrechnung ist falsch. Vor allem hat sie ein unzulässiges Verständnis von dem, was wirklich Griechenland hilft. Ein großer Gewinn für Deutschland bestand und besteht nämlich auch darin, die Schulden zu benutzen um eine bestimmte Politik durchzusetzen, z.B. eine Privatisierung zu Gunsten deutscher Wirtschaftsinteressen (Stichwort „Fraport“). Was die Kreditvergabe betrifft, stellt sich ebenfalls die Frage, wo das Geld ankommt. Die sich mit Griechenland verspekulierenden Banken zu retten (wie u.a. die Deutsche Bank) war keine Hilfe für Griechenland, sondern Rettung der Spekulanten, also Umschuldung zu Lasten Griechenlands. Das mit der Zukunftsanalyse ist völlig daneben. Denn wie an der Börse verdient Deutschland gegenwärtig. Und wie an der Börse kann irgendwann mit dem Gewinn Schluss sein, z.B. durch ein bankrottes Griechenland. Aber genau dieses Szenarium wird ja gerade verneint; deshalb gibt es ja überhaupt nur Kredit. Warum nun gerade diese Erwartung unwahrscheinlich sein soll (vgl. Zeit) ist reine Ideologie. Vor allem fehlt eine solide Rechnung von Ausgaben und Einnahmen. Natürlich sieht es so aus, als ob eine komplette Rückzahlung unwahrscheinlich ist (wobei auch niedrige Zinsen eine Einnahme darstellen). Aber da muss ein Saldo her. Bisher verdient die deutsche Regierung eindeutig viel an den Krediten. Und wenn es so weitergeht und kein totaler Schuldenschnitt (oder Bankrott) vollzogen wird, wird Deutschland umso länger an den griechischen Schulden verdienen, je länger diese nicht beglichen werden können. Schließlich: Wie sollte Deutschland als Kreditgeber überhaupt verlieren, wenn es das Geld, was es verleiht sich selbst nur leiht, nur zu deutlich geringeren Zinsen.

  4. Markus Estermeier
    23. Juli 2017, 18:24 | #4

    Mit dem Aufkauf der Griechenland-Anleihen werden wohl auch deutsche Lebensversicherungen aus einer prekären Situation gerettet. Staatsanleihen galten ja in der Vergangenheit als sichere Geldanlagen. Deshalb haben Versicherungsgesellschaften rund 70% ihres Anlagevermögens da investiert. Wer von uns weis schon wie viele Milliarden allein in GR angelegt sind?

  5. name
    23. Juli 2017, 22:09 | #5

    nicht höchstwahrscheinlich sondern ganz sicher ist, das sich deutschland in der vergangenheit und auch heute an griechenland bereichert und mit unehrlichen methoden versucht das ganze als hilfe, barmherzigkeit und ähnliches zu verkaufen. keine hilfe aber gerecht wäre wenn deutschland seine kriegsschulden bei den griechen begleicht und gefälligst aufhört zu versuchen die griechische politik, die griechischen parteien aufzumischen weil man bekanntlich geschwächte länder besser ruinieren kann. an dieser stelle sei herrn mitsotakis noch einmal gesagt, das er sich schämen und endlich gehen soll. ich denke, die menschen in griechenland werden nie wider politiker/innen wählen die sie in der vergangenheit an ihre feinde verkauft haben und oder jetzt versuchen das zu tun. dieser zug ist abgefahren. wenn sich deutschland bessern möchte dann kann dieses land versuchen neu zu starten. auf gleicher augenhöhe mit griechenland. keine hinterlistigkeiten. weder von der einen, noch von der anderen seite. man kann auch anständige geschäfte machen. so lange alles so ist wie es ist muss die vernuft griechenland empfehlen vorsichtig im umgang mit deutschand zu sein.

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