Ist die Airbnb-Besteuerung in Griechenland gerecht?

29. Juli 2017 / Aktualisiert: 30. Juli 2017 / Aufrufe: 1.040

Infolge der horrenden Besteuerung sogenannter Kurzzeitvermietungen in Griechenland werden noch mehr Immobilienbesitzer in die Schattenwirtschaft abwandern.

Offensichtlich muss auch der Staat Steuereinnahmen aus den wirtschaftlichen Aktivitäten der Bürger haben. Die brutale Besteuerung aus der Behausung der Steuerpflichtigen herrührender Einkommen erhebt jedoch Themen der Moral.

Wenn man in Griechenland in den Jahren der Sorgenfreiheit kein Geld hatte, hatte man zumindest Freunde. Die Freunde verfügten häufig über ein Feriendomizil. Manchmal auch über irgendein Boot. Und weil manche Dinge sogar auch über die Grenzen hinausgingen, besagte ein Witz, das beste Feriendomizil und die beste Frau seien immer die des Freundes.

In Griechenland wird mittlerweile vom Landsitz bis hin zum Hühnerstall fast alles „geshared“

Etwa so machte halb Griechenland es sich bei der anderen Hälfte bequem. Man verbrachte den halben Urlaub im Feriendomizil des einen „Busenfreundes“ und in der anderen Hälfte wurde man von dem Cousin in dem seinigen beherbergt. Wenn es hoch kam, bereitete man schon mal ein Blech mit gefüllten Paprikaschoten zu. Damit ist jedoch Schluss. Mittlerweile nutzen der Freund und der Cousin ihre Wohnung nicht einmal mehr selbst. Sie haben sie für Airbnb angeboten – würden Sie hören, wie schön meine Tante, also die Mutter des Vetters das ausspricht, würden Sie auch die Größe des Eindringens begreifen, die das sogenannte Institut des Sharings erzielte.

Etwas die Krise, etwas der Tourismus und – natürlich – die Tendenzen international, all dies hat dazu beigetragen, dass Airbnb sogar auch aus dem Mietmarkt in der Hauptstadt Athen Wohnungen herausgenommen hat. Allgemein gesehen gelangt inzwischen Alles in das System. Von Landhäusern, Wohnungen und Feriendomizilen bis hin zu Zimmern und Hühnerställen. Der nächste Schritt ist, auch das Bett zu „sharen“, auch wenn der Service danach nicht mehr nur zu dem Airbnb-Netz gehört.

Besteuerung der sogenannten Sharing Ecnomy stellt eine „memorandische“ Verpflichtung Griechenlands dar

Die Staaten beginnen und besteuern die Einnahme aus dem Dienst. Manche fordern sogar direkt auch die Beitreibung der MwSt. von dem Mieter der Immobilie. Und hier in Griechenland, im Land der Extreme, wird eine Steuer verhängt, die bis zu 45% des Einkommens erreichen kann – was eine „memorandische“ Verpflichtung ist. Das macht (Finanzminister) Tsakalotos, (Tourismus-Ministerin) Kountoura und jeden in das System des Hotel-Tourismus Involvierten glücklich. Das ist logisch. Bis Airnbn hatten die Hotels und Fremdenzimmer das Beherbergungs-Monopol. Nun kam auch Frau Soula mit ihrem Strandhaus hinzu.

Ebenfalls vertreten die Leute des Tourismus, der von Airbnb gebotene Service werte Griechenlands gesamtes touristisches Produkt ab. Das selbe macht natürlich auch der Bauernsalat für 10 Euro, zusammen mit dem nicht schallisolierten Zimmer für 100, aber das sind – lassen wir uns sagen – Teile des offiziellen Systems. Hier wird der Hotelier vorstellig werden und sagen, es sei nicht zulässig, dass seine Kundschaft durch einen Mechanismus geschmälert wird, der kein Personal beschäftigt und keine Versicherungsbeiträge abführt. Das sagen auch die Taxifahrer über Uber. Und es stimmt, jedoch muss manchen Dingen wie dem Tod begegnet werden: man kann nicht mit ihm verhandeln. Es ist ein Charakteristikum einer neuen Welt, die – manchmal – auch „gröber“ ist.

Griechenlands Fiskus schießt sich wieder einmal selbst ins Knie

Unser Thema ist, inwieweit wir die vernichtende Besteuerung einer Einnahme als gerecht betrachten, die aus dem grundlegenden, persönlichsten Vermögenswert kommt, den jemand zu haben vermag: seiner Wohnung. Sieht man es völlig liberal, ist die Besteuerung absolut unmoralisch. Was zum Teufel geht es den Fiskus an, wenn ich im Sommer in meinem Haus ein Paar aus Argentinien unterbringe und ein Taschengeld von 500 Euro verdiene? Weil angesichts der Besteuerung, der ich aus anderen Quellen unterliege, die 500 Euro tatsächlich nur ein Taschengeld darstellen. Ich werde sie einsacken und für die ENFIA ausgeben. Aber selbst, wenn ich mehr verdiene, handelt es sich um meine Wohnung. Es handelt sich um eine Gelegenheit, die mir von der Technologie und der Globalisierung geboten wird. Und dann kommt der Fiskus um mir 45% wegzunehmen? Ich glaube, es hackt.

Inzwischen traten natürlich alternative Plattformen in Erscheinung, während jeder, der eine gute Immobilie hat, diese „schwarz“ zu vermarkten beginnt. Er stellt sie per Internet zur Schau und erteilt Informationen nur per E-Mail oder antwortet allein auf aus dem Ausland erfolgende Telefonate – wird das Finanzamt nun jedem armen Teufel auflauern, der seine Hütte zur Vermietung bringt?

Die Erwiderung lautet, dass ab dem Moment, wo es sich um eine wirtschaftliche Aktivität handelt, diese einer Besteuerung zu unterliegen hat. Das gilt natürlich überall. Jedoch nicht in dem Grad, in dem sie hier in Griechenland verhängt wird. Würden wir das Thema aus einer anderen Optik betrachten, müsste der Staat vielleicht sogar alle ermuntern, die es vermögen, sei es auch nur halbgewerblich in die Tourismus-Industrie einzusteigen. Mit einer niedrigeren Besteuerung! Weil bald alle, die brutal besteuert werden, das offizielle Airbnb-System verlassen und ihre Domizile nur noch auf Facebook haben werden. Like?

(Quelle: protagon.gr, Autor: Alekos Papanastasiou)

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