EVOL legt sich mit Lidl in Griechenland an

15. Juli 2017 / Aktualisiert: 17. Juli 2017 / Aufrufe: 1.437
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Der Molkereibetrieb EVOL unterbrach aus Protest gegen die Produktpolitik der Lidl in Griechenland die Kooperation mit dem Discounter.

In Griechenland schritt der genossenschaftliche Molkereibetrieb EVOL zu einer Unterbrechung der Kooperation mit der Lidl-Kette, während gleichzeitig die angeschlossenen Erzeuger Blockaden gegen Ladengeschäfte in Volos und Larisa planen.

Im Rahmen einer außerordentlichen Versammlung in den Geschäftsräumen des Betriebs am 12 Juli 2017, an der Viehzüchter, Landwirte, aber auch Mitglieder und Beschäftigte der Landwirtschaftsgenossenschaft (EAS) Volos teilnahmen, wurde eine Reihe von Reaktionen beschlossen, die Proteste bei den Geschäften der Kette sowie auch die Schaffung einer „Bewegung“ gegen den mächtigen Discounter umfassen.

Lidl beruft sich auf das Unternehmensmodell

Der Grund, aus dem die Erzeuger und im weiteren Sinn der genossenschaftliche Molkereibetrieb reagieren, ist, dass – wie sie vertreten – die Kette (Lidl) sich weigert, die Anzahl der in ihren Regalen angebotenen Produkte (Codes) der EVOL zu erhöhen. Wie eine einschlägige Bekanntmachung der EVOL anführt, „verlangen wir nicht, dass sie unsere Produkte promoten, sondern einfach nur den Konsumenten die Option bieten, auszuwählen„. (Hierzu sei angemerkt, dass von den insgesamt 55 Produkt-Codes der EVOL – ausgenommen der sogenannten Theken-Produkte – bei Lidl 8 Produkte angeboten werden.)

Was die Position der Kette betrifft, vertreten der Lidl nahestehende Quellen im Gespräch mit der „Naftemporiki“, es habe einen Besuch eines Mitglieds der Unternehmensleitung und eines Einkaufsdirektors am Sitz des Molkereibetrieb gegeben. Ebenfalls führen sie an, dass seit dem 07 Juli 20217 „die EVOL einseitig die Lieferungen von Produkten an unsere Läden einstellte, ohne dass der Zyklus der Unterredungen vollendet worden ist„. Die selben Quellen erklären:

Auf Basis des unternehmerischen Modells schreitet die (Lidl-) Kette zur Vorauswahl von Hausmarken- und Marken-Produkten aus allen in ihren Läden beherbergten Basiskategorien. In der Gesamtheit ihrer Produkte bietet sie gerade einmal 1.600 Codes an, gegenüber den 5.000 – 6.000 Codes, die andere Ketten anbieten. In diesem Moment werden in unserem ständigen Sortiment 8 EVOL-Produkte angeboten. Jedoch ist von den beiden Marken-Milchprodukten das 1 von EVOL, von den beiden Marken-Kakaoprodukten ist das 1 von EVOL und von den 6 Marken-Weißkäsecodes sind 3 von EVOL. Weiter haben wir der EVOL zusätzliche Kooperationsaktivitäten im Programm der Promotionsaktivitäten vorgeschlagen (zusätzlich zu denen für unser ständiges Sortiment).

Die Seite der Lidl betont ebenfalls, „wir streben die stabile und fruchtbare Kooperation mit der EVOL an. Aus der Region Thessaliens – Magnesiens arbeiten wir mit 12 lokalen Lieferanten zusammen. Es ist offensichtlich, dass wir von unserer Seite die Tür der Kommunikation und des Dialogs immer offen halten.

(Quelle: naftemporiki.gr)

Genossenschaft macht gegen Lidl mobil

Von Seite der EVOL lautet es dagegen: „Sie kommen in unser Land, nehmen Aktivitäten auf, fahren Gewinne ein und verschmähen die lokalen Produkte. Sie haben 3.000 Produkte in ihren Regalen und platzieren nicht 50 lokale Produkte.“ Weiter führt die Genossenschaft in einer einschlägigen Bekanntmachung an:

Sie wollen uns nur als Kunden und verschmähen unsere minimalen lokalen Produkte. Das werden die Konsumenten des thessalischen Raums niemals verzeihen. Die Landwirte und Viehzüchter bekundeten ihre Verärgerung mit dem Ruf ‚Es reicht, es geht nicht an, dass dieses Land mit seinem Schweiß und Blut bezahlt und die Deutschen die Früchte seiner Mühe aussaugen‘.

Der Kampf wird beständig sein, wir werden nicht einhalten. Wir werden jeden Tag auf den Barrikaden sein. Unsere Stimme wird im ganzen Land gehört werden und es wird eine Bewegung gegen die deutschen Interessen unterliegenden LIDL-Supermärkte geben, die jeden Tag wachsen werden wird. Wir wollen keine privilegierte Behandlung, wir wollen, dass die Konsumenten wählen können.

Solche Ketten wollen wir nicht in unserem Land. Sie sollen aus unserem Land verschwinden. Sie sollen sich sicher sein, dass sie die Stimme der Landwirte mit dieser Forderung sehr bald an ihrer eigenen Haut wahrnehmen werden. Dieses Land erträgt die Unterjochung nicht.

Wir möchten, dass das Publikum der Verbraucher unserem Aufruf entspricht. Wir sind uns sicher, dass sie wissen, was sie zu tun haben. Unser Kampf wird alltäglich sein und wir werden bald das Datum für die Blockade der Läden sowohl in Volos als auch in Larisa mit unseren Landwirtschaftsmaschinen, den Beschäftigten und den Verbrauchern und mit unseren griechischen Tieren (Schafen, Ziegen, Kühen) bekannt geben.

(Quelle: ikaiologitika.gr)

  1. Kleoni
    15. Juli 2017, 09:07 | #1

    BRAVO! Lidl ist auch in Deutschland ein Mitgrund, warum viele mittelständische Landwirte aufgeben müssen, weil Lidl die Preise so drückt, dass die Gestehungskosten z.B. der Milchbauern nicht mehr gedeckt sind.

  2. Bernhard
    15. Juli 2017, 13:15 | #2

    Ich arbeite seit 10 Jahren für einen privaten griechischen Getränkehersteller auf Rhodos. Wir beliefern Hotels, Gastronomie, kleine Supermärkte und Getränkehändler in ganz Griechenland. KEINE der griechischen Supermarktketten nimmt unsere Produkte in ihrem Sortiment auf. Vergleichbare importierte Produkte dagen werden in diesen Supermärkten schon angeboten. Und selbst auf Rhodos sind unsere Produkte in diesen Ketten nicht vertreten … und in den beiden LIDL-Märkten hier, im übrigen auch nicht. Es scheint also kein LIDL-Problem zu sein, sondern ein generelles.

  3. windjob
    15. Juli 2017, 14:23 | #3

    Das ist schlicht und ergreifend ein Problem der Marktwirtschaft. Würde die Politik sich mal drum kümmern, dass diese Firmen ihre Steuern zahlen und zwar da, wo sie erwirtschaftet werden, hätten wir diese Probleme nicht. Dies könnte mit einem Satz in der Steuergesetzgebung geregelt werden. Alle Steuern müssen in dem Land entrichtet werden, in dem sie erwirtschaftet wurden. Dann gäbe es keine Lidls, Starbucks, Ikeas, Amazons und und und. Und keine Steueroasen. Aber Weltpolitik ist ja wichtiger, und was das bringt, erleben wir zur Zeit hautnah.

  4. hella
    15. Juli 2017, 15:24 | #4

    Ganz meiner Meinung, Steuern müssen endlich da entrichtet werden, wo der Gewinn erwirtschaftet wurde! Ich befürchte aber, dass die einschlägige Lobby die Brüsseler Eurokraten gut durchgeoelt hat, so dass auch weiterhin keine Steuergerechtigkeit hergestellt werden wird.

  5. GR-Block
    15. Juli 2017, 21:38 | #5

    Die Entscheidung, ob eine Supermarktkette ein Produkt ins Sortiment aufnimmt, nutzt diese natürlich um den Einkaufspreis vom Hersteller zu drücken. Und umgekehrt verdonnert ein großer Lieferant die Kette dazu, kein Konkurrenzprodukt ins Verkaufsregal zu stellen. Wer PEPSI COLA verkauft soll nicht gleichzeitig COCA COLA verkaufen. Solche Tendenzen gibt es bei allen Supermarktketten.
    Aber richtig, LIDL und ALDI schießen den Vogel ab. Sie bauen fast ausschließlich auf das „Unternehmensmodell: Sortiment klein halten“. Zu jedem Produkt möglichst wenig Konkurrenz (und am besten nur vom selben Hersteller). Dafür darf es „Hausmarke“ genannt werden und erhält, wenn die Marge für den Discounter hoch ist, noch das Attribut „edel“ oder „Premium“. So deckt man mit der selben Sch…qualität die volle Bandbreite vom einfachen Kunden bis hinauf zum möchte-gern-Gourmet ab. Aber nur bis da, denn ein echter Gourmet kauft nun mal keine Massenware.
    Auf diese Art schafft man sich Monopole und exportiert das „Unternehmensmodell“, gegen den kapitalistischen Wettbewerb per EU-Gesetz ins Ausland, in den sog. „Binnenmarkt“. Der kann sich ja nicht wehren. Kleine und mittlere Produzenten haben da nur dann ein Chance, wenn sie sich in einer Genossenschaft zusammentun und als konkurrierendes Monopol auftreten, hier quasi als Milch-OPEC.
    Die Volioten haben nun einen Anfang gemacht. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie der Kristallisationskeim sind, an dem sich andere orientieren und sich anschließen. Also vorwärts Genossen, nieder mit den Monopolen! Unternehmer aller Länder vereinigt euch! (äh … Marx?)

  6. Herbert
    16. Juli 2017, 16:13 | #6

    Einige verstehen es wohl nie. Lidl macht Geschäfte in Griechenland und keine Sozialarbeit. Andere Ketten, wie z.B. Carrefour haben sich längst aus GR zurück gezogen. Solange z.B. ein Kritikos und andere nicht die vergleichbare Qualität zu vergleichbaren Preisen liefern, wird Lidl Marktanteile gewinnen, wo immer sie einen Markt betreiben.
    Was sie in ihre Regale packen, bestimmen sie, das entscheiden sie an Hand der Nachfrage, des Preises, der Zuverlässigkeit und der Qualität. Und Boykott ist sogar ein Eigentor. Haben Sie schon mal daran gedacht, was in die LKW gepackt wird, wenn sie zurück nach Nekarsulm (Lidl Stammsitz in DE) fahren? Da sitzen keine Flüchtlinge für Frau Merkel drin, sondern GR Produkte (Erdianous mit Markennamen), Oliven + Öl, Halva, Erdnüsse, Feta und vieles mehr. Soweit ich sehe, ist Lidl der einzige Discounter, der auch aktiv aus GR exportiert, nach Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich!

  7. Retsinaouzorakis
    16. Juli 2017, 22:46 | #7

    Wenn ich in GR weile, kaufe ich vorwiegend bei LIDL ein, das Sortiment ist o.k. und preiswerter als in vergleichbaren griechischen Läden.

  8. Ronald
    17. Juli 2017, 17:29 | #8

    Als aufmerksamer Leser dieses Blogs habe ich erst vor 2 Monaten gelernt, dass LIDL Hellas griechische Produkte priviligiert und brav in GR Steuern zahlt … und zwar hier: Lidl investiert weiter in Griechenland. Das ewig stalinistische Genöle hier ist echt verpeilt.

  9. Die Deutsch-Griechin
    17. Juli 2017, 20:37 | #9

    Lidl zahlt Steuern.
    Lidl engagiert sich auch sozial.
    Lidl versucht, seinen Gewinn zu maximieren. Machen das nicht alle von uns?

  10. Hubert
    18. Juli 2017, 01:13 | #10

    Lidl hat in Griechenland doppelt bis dreifach so hohe Preise wie in Deutschland, und das mit dem Hintergrund der Krise im Land. Gewinnmaximierung bis Oberkante, die griechischen Idioten zahlen ja. Wenn man bei Lidl anfragt, kommt keine Antwort, könnte ja öffentlich werden. Komischerweise interessiert dieses Thema gar niemand, obwohl es bekannt ist. Ich kaufe beim griechischen Händler zum gleichen Preis wie bei Lidl.

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