Patrizier und Plebejer der Rentner in Griechenland

21. Juni 2017 / Aufrufe: 1.198

Trotz aller Kürzungen und Reformen stehen sich in Griechenland viele Pensionäre des öffentlichen Sektors  nach wie vor sehr viel besser als die Rentner des privaten Sektors.

Die Pensionäre und Rentner der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI), der Telefon- bzw. Telekommunikationsgesellschaft (OTE), der elektrischen Stadtbahnbetriebe Athen – Piräus  (ISAP) und anderer ehemaliger staatlicher oder von dem Staat kontrollierter Unternehmen und Träger (DEKO) sind in den sogenannten Rentner-Penthäusern angesiedelt, mit monatlichen Bezügen von über 1.000 Euro, die sich trotz der Krise auf sehr viel höheren Niveaus als der Durchschnitt der Renten des „Einheitlichen Sozialversicherungsträger“ (EFKA) bewegen.

In den „Kellerräumen“ des „Rentengebäudes“ Griechenlands sind dagegen die Rentner des privaten Sektors, die Selbständigen und die Landwirte zusammengepfercht. (Ergänzend sei angemerkt, dass seit Anfang 2017 praktisch alle Rentenzahlungen über den „EFKA“ erfolgen, für die von den vormaligen eigenständigen Kassen kommenden / übernommenen Rentner und Pensionäre jedoch weiterhin weitgehend die speziellen Regelungen und Statuten der „zwangsfusionierten“ Kassen und Träger gelten.)

Krasse Ungerechtigkeiten im Rentensystem Griechenlands

Zu den privilegierten Rentnern in Griechenland zählen jene des öffentlichen Sektors, obwohl auch hier krasse Ungerechtigkeiten zwischen all denen, die von den ehemaligen „Edelkassen“ kommen, und jenen bestehen, die einfach nur bei einem öffentlichen Träger in Dienst standen.

Laut den Fakten, die das Informations-System ILIOS (HELIOS) ausweist, stellt sich folgendes Bild dar:

  • Bei der unabhängigen (Pensions-) Kasse der Griechischen Bank beträgt die durchschnittliche (Monats-) Rente 1.267,50 Euro.
  • Auf dem öffentlichen Sektor beträgt die durchschnittliche Rente 1.108,90 Euro.
  • Bei der Kasse der Journalisten (ETAP-MME) beträgt die durchschnittliche Rente 1.100 Euro.
  • Bei der ETAA bzw. ehemaligen TSAY (Einheitskasse der Freiberufler) erreicht die durchschnittliche Rente 1.114,10 Euro, bei der ETAA-TAN (Rechtsanwälte / Juristen) 686 Euro, während sie bei der ETAA-TSMEDE (Ingenieure & mit öffentlichen Projekten Beauftragte) 1.232 Euro tangiert.
  • Bei dem (allgemeinen) Sozialversicherungsträger für Arbeitnehmer (IKA) mit seinen durchweg hohen Beiträgen liegt die gemittelte monatliche Durchschnittsrente dagegen nicht über 617,80 Euro.
  • Auf einem besonders hohen Niveaus gestaltet sich die durchschnittliche Rente der DEI (TAP-DEI), da sie sich auf 1.509 Euro beläuft.

„Vampire“ und Blutspender des Rentensystems in Griechenland

Als Privilegierte gelten auch die von der (Pensions-) Kasse der OTE kommenden (bzw. übernommenen) IKA-Rentner, deren durchschnittliche Rente 1.308.90 Euro erreicht. Entsprechend beträgt die durchschnittliche Rente von der Kasse der Beschäftigten des ISAP (TSPISAP) 1.357,10 Euro. Bei dem schwer geprüften „Versicherungsträger der Gewerbetreibenden Griechenlands“ (OAEE) beläuft die durchschnittliche Rente sich dagegen auf nur 740 Euro, während sie bei der „Bauernversicherung“ (OGA) sogar gerade einmal 441 Euro erreicht.

Insgesamt gesehen beziehen in Griechenland 1.180.107 Rentner eine Rente von unter 500 Euro, wovon 641.294 Hauptrenten, 388.081 Witwenrenten und 149.577 Behindertenrenten sind. Dieser – wie sich im Einzelfall auch immer gestaltende – Betrag versteht sich nicht einmal „netto“, da er jeweils vor den Abzügen (sprich Pflichtbeiträgen) zur Krankenversicherung (der Rentner) und eine eventuell entsprechende Steuer an den Staat ermittelt wird.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass das unter dem ehemaligen Arbeitsminister Giorgos Katrougkalos ratifizierte neue Versicherungsgesetzt („Lex Katrougkalos“) die „Penthäuser“ … um einige Etagen hinab stufte, da es die Zahlung von Renten aussetzte / beschnitt, die 2.000 Euro brutto und im Fall des Bezugs mehrerer Renten 3.000 Euro netto übersteigen. Diesen „Schnitt“ erlitten pensionierte Führungskräfte (Direktoren) des öffentlichen Sektors, Ärzte, Rechtsanwälte und Ingenieure, die (Anmerkung: auf Basis einer gesetzlich obligatorischen Mehrfachversicherung) zwei und drei Renten beziehen, Juristen, Versicherte der (ehemaligen) „Kasse der Kaufleute und Handwerker Griechenlands“ (TEBE) in hohen (optionalen!) Beitrags- Kategorien sowie Witwen / Witwer und Funktionäre der DEKO und Banken.

(Quelle: dimokratianews.gr)

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