Immobilien in Griechenland werden zu Spottpreisen verhökert

25. Juni 2017 / Aufrufe: 2.650

Die mittels einer neuen elektronischen Anwendung dokumentierten Immobilienverkäufe zeigen, dass in Griechenland immer mehr Immobilien zu Spottpreisen übereignet werden.

In Griechenland werden Immobilien schon lange weit unter den offiziellen Einheitswerten und Zonenpreisen, mittlerweile jedoch zu geradezu lächerlichen Spottpreisen übereignet.

Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus den – zwar begrenzten, jedoch bezüglich der Tendenzen des Immobilienmarkts aufzeigenden – Fällen von Verkaufsverträgen über Gebäude und Grundstücke in verschiedenen Regionen des Landes, die inzwischen in das sogenannte „Register für Immobilientransaktionswerte“, sprich die neue elektronische Anwendung eingespeist worden sind, die das Generalsekretariat für Informationssysteme des griechischen Finanzministeriums zu dem angeblichen Zweck schuf, den Bürgern zu helfen, Informationen über die Preise zu erhalten, zu denen Immobilien übertragen werden.

Angleichung der Einheitswerte an die Marktpreise steht weiterhin aus

Die Quoten des Rückgangs der realen Immobilien-Verkaufspreise, die sich aus der Analyse der Daten der wie in der konkreten Anwendung dargestellten Transaktionsverträge ergeben, sind im Vergleich zu den geltenden Einheitswerten sehr hoch, und mit der geringen Anzahl der Transaktionsverträge als gegeben stärken sie mittlerweile die Wahrscheinlichkeit, dass die geplante Angleichung der offiziellen Immobilien-Einheitswerte an die (realen) Marktpreise auch 2018 nicht umgesetzt werden wird.

Die nachstehenden Fälle sind bezeichnend:

  • Eine 2006 erbaute Eigentumswohnung mit einer Fläche von 109,83 qm, im 4. Stock, nebst einem Abstellraum von 11 qm, belegen im zweiten Gemeindebezirk des Gemeindeverbands Athen, wurde im Mai 2017 zu einem Preis von 85.000 Euro, also für ungefähr 773 Euro/qm, verkauft, während der Zonenpreis in dem konkreten Gebiet 1.250 Euro/qm beträgt.
  • Eine 1967 erbaute Eigentumswohnung mit einer Fläche von 140 qm im Athener Stadtbezirk Peristeri wurde für 321 Euro/qm verkauft, während der Zonenpreis 1.050 Euro/qm beträgt.
  • Eine 1980 erbaute Eigentumswohnung mit einer Fläche von 81 qm im Athener Stadtbezirk Vouliagmeni wurde für 988 Euro/qm verkauft, während der Zonenpreis 3.500 Euro/qm beträgt.
  • Eine 1970 erbaute Eigentumswohnung in Thessaloniki mit einer Fläche von 100 qm, im 3. Stock, wurde für 15.000 Euro, also 150 Euro/qm verkauft, während der Zonenpreis 1.250 Euro/qm beträgt.

Welchem Zweck dient das Immobilien-Preisregister wirklich?

In einer am 21 Juni 2017 auf der Website des griechischen Finanzministeriums eingestellten offiziellen Bekanntmachung wurde bekannt gegeben, die Anwendung des „Registers für Immobilientransaktionswerte“ gebe den Bürgern die Möglichkeit, Informationen über die Preisniveaus zu schöpfen, auf denen je nach Region die Übereignungen erfolgen.

Wenige Stunden, nachdem mit der Veröffentlichung der aus dem besagten Register hinsichtlich des Zusammenbruchs der Preise auf dem Immobilienmarkt hervorgehenden Fakten begonnen wurde, sputeten sich jedoch „Kreise“ des Finanzministeriums, die Dinge zu „entschärfen“ und klarzustellen, dass:

Die Register-Anwendung für Immobilientransaktionswerte auf der Website des Finanzministeriums (minfin.gr) hat einen hinsichtlich der regionsbezogenen Gestaltung des Immobilienmarkts informativen und statistischen Charakter. Wie auf der Site angeführt wird, befindet die Anwendung sich in einem Testbetrieb und stützte sich auf ein Muster realer Fakten, damit die Funktionalität der Anwendung getestet wird. Wenn sie offiziell in ihren „produktiven“ Betrieb genommen werden wird, werden weitere Anweisungen gegeben werden.„!

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giorgos Palaitsakis)

  1. Kleoni
    25. Juni 2017, 11:39 | #1

    auch hier wird „geplündert“ und der Mittelstand aufgelöst. Weil diese die Kreditraten nicht mehr bezahlen können, stehen die Kapitalhaie bereit, kaufen billig ein und können warten, bis sie teuer (mit bis zu 200% Gewinn) wieder verkaufen können. Irgendwann wird Wohnraum weder für Mieter noch für Käufer bezahlbar. Dieses Phänomen haben wir in Stuttgart, Berlin, München … in den Ballungszentren Deutschlands.

  2. Ronald
    25. Juni 2017, 20:02 | #2

    Kann sein, kann aber auch sein, dass größere Teile des Kaufpreisen schwarz entrichtet werden.

  3. GR-Block
    26. Juni 2017, 03:07 | #3

    Es würde nichts nützen, einen Teil des Immobilien-Kaufpreises schwarz zu entrichten, weil in GR der zu versteuernde Wert der Immobilie vom Staat festgelegt wird und sich nicht nach dem tatsächlich entrichteten Kaufpreis richtet. Das wurde jüngst lang und breit in den Medien und auch hier diskutiert. Durch die Krise klaffen Marktwert und staatlich festgelegter Wert (αντικειμενική αξία) weit auseinander.

    • Team
      26. Juni 2017, 15:26 | #4

      Unter anderem die Immobilientransaktionssteuer wird tatsächlich nach wie vor auf Basis der sogenannten Einheitswerte und Zonenpreise festgestellt. Dies gilt jedoch seit 2014 nicht mehr für den Vermögensnachweis seitens des Käufers. Somit lohnt es sich gegebenenfalls sehr wohl, „graues“ (Bar-) Geld unter dem Tisch durchzureichen – vorausgesetzt, der Verkäufer bzw. Zahlungsempfänger kann den Betrag verwerten, ohne dabei selbst in die Vermögensnachweis-Falle zu geraten.

  4. Ronald
    26. Juni 2017, 23:45 | #5

    Die Betrachtung des Immobilienmarktes in GR und die Ermittlung von Preisen muss ohnehin objektiv fehlschlagen. Es existiert doch quasi kein Markt mehr. Nur wer sich die Steuern nicht mehr leisten kann, verkauft – und das zu solchen Preisen. Das letzte, wovon sich ein Grieche traditionell trennt, sind Immobilien. Ansonsten herrscht in GR doch quasi Handelsverweigerung. Wer will schon kaufen, wer will verkaufen … niemand.

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