Griechenlands Vendetta mit Schäuble „zieht“ nicht mehr

6. Juni 2017 / Aufrufe: 1.675
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Die Dauerfehde mit Griechenlands Lieblingsfeind Wolfgang Schäuble verkauft sich nicht mehr und Tsipras sollte nicht nach allem schnappen, was Schäuble ihm vorwirft.

Seit acht Jahren hat der deutsche „Teufel“ in Griechenland politische Karrieren aufgebaut, allen voran die des heutigen Premierministers Alexis Tsipras. Ebenfalls hat er Medien und Journalisten „Wohltaten“ erwiesen, die in seinem Namen viel Anti-Germanismus „verkauften“.

Nun reicht es jedoch, die Vendetta „zieht“ nicht mehr.

Wo Schäuble Recht hat, hat .. er Recht

Seit Beginn der Krise hatte praktisch eine einzige Person das Monopol auf ihre Raserei gegen Griechenland: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Weder Angela Merkel (die im Verlauf von Tsipras „entlastet“ wurde …) und noch nicht einmal der Internationale Währungsfonds (IWF), der in dem griechischen Programm die meisten Fehler beging, haben einen solchen Beschuss auf sich vereinigt.

Jedes mal, wenn die Dinge enger wurden, hatten in Griechenland die inländischen Verwalter der Macht den Sündenbock parat: an allem war Schäuble schuld. Wenn sie ihn wiederum brauchten, wechselten sie das Troparion und priesen ihn. Sobald aber Schäuble auf seine Sache zurückkommt, beginnt wieder das inländische „Widerstands-Getöse“. Was sagte der deutsche „Teufel“ diesmal? Eigentlich nichts neues, eine langweilige Wiederholung all dessen, was er schon mal gesagt hatte. Nämlich:

Erstens, dass Tsipras mit der Versprechung gewählt wurde, die Steuerprivilegien der Reeder zu streichen, es jedoch nicht tat. Ist das etwa gelogen? Ob Schäuble zum Ziel hat, die griechische Schifffahrt zu schädigen, wie es deren Präsident vertritt, ist eine andere Sache. Wenn aber die Regierungen die Arbeitnehmer und Rentner zermalmt und die Schichten streichelt, die mehr zu zahlen ertragen, ist daran jedoch kein Schäuble schuld.

Zweitens, Schäuble sagte, Tsipras bürde die Lasten den Schwachen auf. Natürlich sind Schäuble die Schwachen in Griechenland ziemlich gleichgültig, im Vorliegenden heuchelt er und betreibt Politik, lügen tut er jedoch nicht. Die jüngsten Beschlüsse unserer „sensiblen“ Regierung (wie beispielsweise die Streichung der lächerlichen Beihilfe von monatlich 60 Euro für arbeitslose Berufsanfänger) … geben Schäuble Recht.

Griechenlands Regierung scheint nicht genug hinzugelernt zu haben

Schäuble ist seit Beginn der Krise gegenüber allen (griechischen) Regierungen der selbe. Er sagt nicht mal dieses und dann jenes. Er sagt stabil immer das selbe. Er sagte Premierminister Alexis Tsipras und Finanzminister Evklidis Tsakalotos niemals zu, die griechische Verschuldung so regeln zu werden, wie jene es erhofften. Er sagte monoton, „das werden wir uns nach dem Auslaufen des griechischen Programms anschauen, im Jahr 2018„. Die Unsrigen ließen (darin haben sie Übung …) die sogenannte Bewertung / Inspektion (des Fortschritts des griechischen Programms) bis kurz vor den deutschen Wahlen „schlurfen“, und zwar trotz der Warnungen, dass Schäuble (und natürlich Merkel) ihre Blicke dann auf ihr eigenes Wählerpublikum gerichtet haben werden. Was ist daran merkwürdig? Tun die Unsrigen nicht ständig das selbe?

Trotz der katalytischen Erfahrung des Jahres 2015 scheinen daraus Herr Tsipras und seine Gefolgschaft nicht genug gelernt zu haben. Sie setzten die Messlatte der Erwartungen (Verschuldung, quantitative Lockerung, Gang an die Finanzmärkte) hoch an und laufen in Gefahr, unter ihr durchzurutschen. Trotz der Warnungen sputeten sie sich, all diese Entwicklungen praktisch fast vorwegzunehmen, wobei sie auf die „Kollision“ des IWF mit Deutschland, die „Front des Südens“ und auf die Güte bestimmter europäischer Amtsträger (Juncker, Moscovici) setzen, die jedoch nicht die erforderliche Macht haben.

Somit werden sie (sprich die griechische Regierung) nun gezwungen sein, jedwede ihnen vorgeschlagene Lösung zu akzeptieren, und werden sie bei ihrem inländischen Publikum nicht zu rechtfertigen vermögen. Sie können nichts anderes tun und wissen es. Die großen Töne des Jahres 2015 verschlimmerten die Situation. Die kontinuierlichen Verzögerungen der Bewertung / Inspektion brachten trotz Tsakalotos‘ Ausspruch im vergangenen Jahr „wir sind im Eimer“ (neue) Maßnahmen (die bereits verabschiedet wurden), die quantitative Lockerung und die Regulierung der Verschuldung werden wir jedoch bis auf weiteres nicht sehen. Folglich wird die – gemäß dem bekannten Spruch von Marx – eventuelle Wiederholung der Geschichte, gleich ob als Tragödie oder als Farce, zu nichts anderem als noch schlimmeren Situationen führen.

Es nutz niemandem, Schäuble mit Platzpatronen zu beschießen

Im übrigen bringt die zeitweise Neubelebung der „Vendetta“ mit Schäuble überhaupt nichts. Für niemanden. Die Salven der Presse und des staatlichen Rundfunks und Fernsehens gegen den „Diktator Europa“ erfolgen mit Platzpatronen. Die Show verkauft keine Tickets mehr. Das zeigen die Auflagezahlen der „antimemorandischen“ Zeitungen, die immer tiefer absacken. Der einst flammende „Anti-Germanismus“ des (Journalisten) Tragkas und gewisser heutiger schlechter Imitatoren von ihm beim Staatsfernsehen haben ihren Einfluss erschöpft.

Die „Vendetta“ mit Herrn Schäuble bringt auch Herrn Tsipras und seiner Gefolgschaft nichts. Schäuble unterliegt der Zuständigkeit der deutschen Wähler, diese werden ihn im kommenden September behalten oder nach Hause schicken. Und ich bin mir überhaupt nicht sicher, dass – fall sie ihn „absägen“ – sein Nachfolger für Griechenlands Interessen besser sein wird. Deswegen wären Herr Tsipras und sein Gefolge gut beraten, nicht auf alles „anzubeißen“, was Schäuble sagt. Sie sollten nicht vergessen, dass er sich in dieser Phase vorrangig an seine eigenen Wähler richtet.

2014 half Schäuble – ob gewollt oder nicht – Alexis Tsipras, die Wahlen zu gewinnen. Es ist überhaupt nicht klug, dass Herr Tsipras heute das selbe macht und dem – „Feind“ – Schäuble hilft, bei seinen eigenen Wahlen zu triumphieren. Folglich ist es überhaupt nicht schlau, nun das zu bestätigen, was Nietzsche geschrieben hatte: „Wer von dem Kampf mit einem Feind lebt, hat ein persönliches Interesse daran, seinen Feind am Leben zu halten.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Giorgos Karelias)

  1. Ronald
    6. Juni 2017, 11:26 | #1

    Deutsche Finanzminister sind immer gleich gewesen. Sie sitzen auf den Steuergeldern und wehren jeden Versuch der anderen Ministerien ab, in die Staatskasse zu greifen. Den deutschen Ministerien ergeht es somit nicht anders als Griechenland: Die Taschen Deutschlands sind voll, aber zu. Wer ein Feindbild braucht, der möge sich an Schäuble oder jedem seiner Nachfolger (die genau so agieren werden wie er) ruhig reiben. Wer hingegen einfach einen soliden Staatshaushalt will, der soll sich seinen eigenen Schäuble suchen. Und wer behauptet, die Deutschen seien nett, aber Schäuble sei ein Teufel, der möge zur Kenntnis nehmen, dass Herr Schäuble (hinter Frau Merkel) den Rang 2 des Politiker-Beliebtheits-Rankings in Deutschland belegt.

  2. V 99%
    6. Juni 2017, 18:45 | #2

    Große Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und wenn die kleine Wohltat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm daraus.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)
    PS: Danke fuer den scharfsinnigen Artikel Hr. Karelias

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