Griechenlands Reeder attackieren Schäuble

4. Juni 2017 / Aufrufe: 1.356

Griechenlands Reeder agwöhnen, Wolfgang Schäuble wünsche Griechenlands Schifffahrt nicht auf einem Wachstumskurs zu sehen.

Die heftige Reaktion des Verbands griechischer Reeder riefen die jüngsten Erklärungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble hervor, der anführte, die griechische Regierung habe trotz ihrer Versprechungen nicht die steuerlichen Privilegien der Reeder abgeschafft.

Der Vorsitzende des Verbands der griechischen Reeder, Thodoros Veniamis, sprach in einer Erklärung seinerseits von einer ungerechtfertigten Attacke des Herrn Schäuble gegen Griechenland mit Anlass das 50% Europas vertretende griechische Reeder-Wesen, wobei er anfügt, der deutsche Amtsträger ignoriere das besonders günstige System, das die deutsche Schifffahrt regelt.

Schäuble scheint Griechenlands Reedern das Wachstum zu neiden

In seiner Erklärung äußerte Thodoros Veniamis konkret:

Die jüngste Attacke des deutschen Finanzministers Herrn Schäuble gegen Griechenland mit Speerspitze das griechische Reedereiwesen schuf in der Schifffahrts-Community Verwunderung. Beharrlich das besonders günstige System ignorierend, das die deutsche Schifffahrt regelt, wendet er sich mit seinen Erklärungen gegen die griechische Schifffahrt, die jedoch auch 50% der gemeinschaftlichen Schifffahrt vertritt, welches ‚Championat‘ wohl stört.

In einer Periode, in der die Europäische Union aufgerufen ist, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Schifffahrt gegenüber der harten Konkurrenz durch Schifffahrtszentren außerhalb Europas zu verteidigen, aber auch zu stärken, sind die Kritiken des Herrn Schäuble provozierend unschlüssig. Ebenfalls entsteht die Frage, ob das den deutschen Finanzminister in diesen seinen Erklärungen treibende Motiv vielleicht das Scheitern der deutschen Schifffahrtspolitik ist, die trotz aller begünstigenden Regelungen auf allen Ebenen (Schiffsbesitz, Verwaltung, natürliche Person) nicht schaffte, Deutschlands Schifffahrt zu stützen. Wenn sein Ziel ist, die engen Bindungen der griechischen Schifffahrt an ihr Land zu torpedieren, beweist sich, dass er Griechenland nicht auf einem Wachstumskurs zu sehen wünscht.

Herr Schäuble soll zur Kenntnis nehmen, dass die griechische Schifffahrts-Community vereint der Notwendigkeit zur Stärkung der Einnahmen der griechischen Wirtschaft entsprach, indem sie schon vor vier Jahren auf freiwilliger Basis die Verdoppelung ihrer steuerlichen Verpflichtung beschloss, obwohl diese historisch einen grundgesetzlichen Schutz genießt, welche Initiative tatsächlich ihre Einheit, aber auch ihre Konsequenz gegenüber ihrem Land beweist.

Deutschland predigt anderen Wasser, trinkt selbst aber Wein

Es sei angemerkt, dass Wofgang Schäuble auch in der Vergangenheit wiederholt von Griechenland verlangt hatte, die Reeder zu besteuern, damit es keine zusätzlichen Kredite nötig hat. Wie Reedereikreise anführen, befindet sich hinter Schäubles Erklärungen jedoch die Tatsache, dass ein großer Teil der Flotte, die Deutschland „aufzubauen“ versuchte, von griechischen Reedern aufgekauft wurde. „Und dies, obwohl Deutschland für die Schifffahrt den besten steuerlichen Rahmen in Europa geschaffen hat„, betonen die selben Kreise.

Parallel liegt – wie sie betonen – Herr Schäuble in seiner Kritik falsch, weil die griechische Schifffahrt einen Teil der europäischen darstellt, und wenn sie sich anderen Ländern außerhalb zuwendet, wird der Verlust signifikant sein. Folglich muss die in griechischem Eigentum befindliche Schifffahrt als nationales Kapital in dem selben institutionellen Rahmen bleiben, damit Griechenland und Europa nicht dieses produktiven Pfeilers und seines damit verbundenen Nutzens entbehren, speziell in der kritischen Konjunkturlage, die wir durchmachen.

Vor wenigen Monaten verpflichtete sich der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt, bei dem jährlichen Dinner des Verbands Deutscher Reeder sprechend, sogar bezüglich der Gewährung staatlicher Unterstützung an die deutschen Reeder in Themen der Besatzungen und Versicherungsbeiträge. Dobrindt versicherte den Mitgliedern des Verbands deutscher Reeder, Berlin werde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schiffseigentümer stärken. Diese Bezugnahmen folgten den Versprechungen der deutsche Kanzlerin Angela Merkel an den Verband Deutscher Reeder in Bezug auf Anreize zur Anziehung von Schiffen unter die deutsche Flagge.

Griechenlands Reeder tragen die höchste Steuerlast in ganz Europa

Kreise der in griechischem Besitz befindlichen Hochseeschifffahrt führen die Erklärungen Schäubles auf den Druck konkurrierender europäischer Schifffahrtsinteressen zurück. Und dies trotz der Tatsache, dass laut der Abteilung für Steuerservices der Deloitte die (auf die Tonnage der Flotte erhobene) griechische Tonnage-Steuer eingeschätzt wird, sie sei dreimal höher als die zweithöchste in der EU und zehnmal höher als die in Malta. Das selbe Consulting-Haus veranschlagt sogar, dass ein griechischer Schiffseigentümer für ein Tankschiff mit einer Kapazität von 51.000 Tonnen (dwt) 66.700 Euro und für einen Frachter mit 58.000 dwt 68.328 Euro bezahlt, zu einem Moment, wo ein deutscher Reeder für identische Schiffe entsprechend 22.037 Euro und 23.850 Euro bezahlt.

Trotz allem und im Gegensatz zu der in griechischem Besitz befindlichen Schifffahrt, die weiter wächst und modernisiert wird, schrumpft die deutsche: Der Verband deutscher Reeder gab im vergangenen Jahr bekannt, die deutsche Handelsflotte habe im dritten aufeinanderfolgenden Jahr auf 3.122 Schiffe abgenommen. Dies entspricht einem Rückgang um 17% gegenüber dem Höchststand des Jahres 2012. Allein 2015 nahm sie um 117 Schiffe ab. Insgesamt wurden in diesem Jahr 182 Schiffe verkauft, darunter 68 Containerschiffe, welcher Typ das Rückgrat der deutschen Flotte darstellt. Viele von diesen wurden an Griechen verkauft.

Jedes in ein fremdes Land verkaufte Schiff konkurriert fortan mit der deutschen Flotte„, erklärte der Vorsitzende des Verbands deutscher Reeder, Alfred Hartmann, in einem „minimal kaschierten Aufruf zu Protektionismus-Politiken„, merken Wirtschaftsbeobachter an. Die europäische Schifffahrt macht 43% der Weltschifffahrt aus, während Griechenland 47% der europäischen Besitzt.

Wird Tsipras (nicht) in Schäubles Falle tappen?

Reeder-Kreise glauben, dass trotz aller Äußerungen Herrn Schäubles die griechische Regierung nicht in die Falle tappen wird, in eine Konfrontation mit der griechischen Schifffahrt zu geraten, weil dann das Land in Gefahr laufen wird, seinen ersten produktiven Pfeiler zum Nutzen anderer Staaten mit einer wettbewerbsfähigen Schifffahrt zu verlieren. Die griechische Schifffahrt ist der einzige Sektor unserer Wirtschaft, der keinerlei „Exposition“ noch „rote“ Kredite gegenüber den griechischen Banken hat. Den größten Teil ihrer Finanzierung schöpft sie von ausländischen Banken, während alle bei griechischen Banken aufgenommenen Kredite – wie letztere selbst bestätigen – regulär getilgt werden. Die deutschen Banken hatten dagegen allein 2004 über 100 Milliarden Euro an die Schiffseigner ihres Landes vergeben.

Außerdem sei angemerkt, dass der steuerliche Rahmen, der die griechische Schifffahrt regelt, in grundlegenden Bestimmungen der Verfassung von 1975 festgeschrieben sind, was einen Beweis für die staatliche Anerkennung der Bedeutung darstellt, die dieser Sektor diachronisch bei den Pfeilern der nationalen Wirtschaft hatte. Studien (2013) der Boston Consulting Group (BCG) und des Instituts für Wirtschafts- und Industrieuntersuchungen (IOBE) zufolge trägt die griechische Schifffahrt über 7% des Bruttoinlandsprodukts in unserem Land bei, bietet 200.000 Personen Beschäftigung und deckt über 3% des Defizits der Handelsbilanz.

Ebenfalls bedeutsam ist die Tatsache, dass die griechische Schifffahrt niemals Teil der Schuldenkrise des griechischen Staates war. Dagegen war der konsequente Beitrag der Schifffahrt zur griechischen Wirtschaft und Handelsbilanz in den letzten 35 Jahren essentiell und speziell nach der im Jahrzehnt 1980 begonnenen Repatriierung der griechischen Schifffahrtsgesellschaften unersetzlich. Trotz des außerordentlich ungünstigen wirtschaftlichen Umfelds in Griechenland und weltweit erhielt die griechische Schifffahrt ihre führende Position aufrecht.

Griechenland hat die weltweit größte Crosstraiding-Flotte

Ebenfalls bedeutsam ist die Tatsache, dass die griechische Schifffahrt niemals Teil der Schuldenkrise des griechischen Staates war. Dagegen war der konsequente Beitrag der Schifffahrt zu der griechischen Wirtschaft und der Handelsbilanz in den letzten 35 Jahren essentiell und speziell nach der im Jahrzehnt 1980 begonnenen Repatriierung der griechischen Schifffahrtsgesellschaften unersetzlich. Trotz des außerordentlich ungünstigen wirtschaftlichen Umfelds in Griechenland und weltweit behielt die griechische Schifffahrt ihre führende Position bei.

Die in griechischem Besitz befindliche Schifffahrt bleibt international an erster Stelle. Die Flotte beläuft sich auf 4.585 Schiffe (Schiffe mit über 1.000 gt) mit einer im Verhältnis zum Vorjahr um 22% gestiegenen Kapazität von 341,17 Millionen Tonnen deadweight (dwt), was in dwt 19,63% der weltweiten Flotte und 49,96% der Flotte der Europäischen Union entspricht.

Die in griechischem Eigentum befindliche Schifffahrt besitzt die größte Crosstrading-Flotte der Welt, da 98,5% der unter griechischem Schiffseigentum stehenden Kapazität Frachten zwischen Drittländern befördert und daher weltweit einen unentbehrlichen Service erbringt. Die in griechischem Eigentum befindliche Flotte ist in einem hohen Grad an die Verschiebungen der Handelsströme – wie den Anstieg der asiatischen Nachfrage – anpassungsfähig, während ihre Bedeutung für Europa dual ist: in Bezug auf die Gewährleistung der Import- und Exportbedürfnisse der EU und auf die Stärkung des maritimen Geflechts ihrer Aktivitäten.

Die größte Schiffseigner-Zone der Welt befindet sich in dem Komplex Athen – Piräus und ist eng mit ihrer nationalen Eigentumsbasis verbunden, im Gegensatz zu ähnlichen Schiffseigner-Zonen wie Singapur und London, die eine weltweite Schiffseigner-Basis anziehen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. weekend
    4. Juni 2017, 19:42 | #1

    Herr Schaeuble – verstehe sie wer will … die Buerger Griechenlands werden zu x Reformen verdonnert, viele hungern, haben keine Wohnungen mehr, aerztliche Versorgung liegt im argen – und er redet ueber die Reeder … . Wie handhabt er es denn im eigenen Land und in den anderen EU-Laendern? Steueroasen und Konzerne, die so gut wie gar keine Steuern bezahlen – wo bleibt da der Aufschrei? Im Gegenteil, diese werden noch hoch subventioniert und die Buerger, Klein- und Mittelbetriebe lassen sie den Bach runter gehen, ist das Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Ehrlichkeit?

  2. GR-Block
    4. Juni 2017, 21:02 | #2

    Griechenlands Reeder attackieren Schäuble“ – Da wird es aber Zeit. Die Memoranden haben griechische Unternehmer und Investoren Marktanteile gekostet. Bis jetzt verloren v.a. Staatsbetriebe und kleine und mittlere Unternehmen.
    Jetzt wagt man sich wieder mal an die Reeder, wie schon seit der Gründung des Binnenmarkts. Die sind allerdings nicht so leicht einzuwickeln, wie das produzierende Gewerbe: „Vom Binnenmarkt werdet ihr profitieren, ihr erhaltet Zugang zu den gewaltigen europäischen Märkten für eure Produkte, blabla blubb…“ So erreichte man durch Protektionismus in nur wenigen Jahren, dass die griechische Selbständigkeit von 55% auf 35% fiel. Bei den Reedern allerdings klappt der Trick nicht. Denn die argumentieren frech: „Wir haben schon die Weltmärkte, und da gehört die EU auch dazu, ob sie nun will oder nicht!
    Die EU-Klientelwirtschaft hat die griechischen Märkte durch Schmiergelder „erschlossen“ und das produzierende Gewerbe heruntergewirtschaftet. Jetzt die Reeder bluten zu lassen, wäre der ultimative Schlag gegen die Unabhängigkeit der nationalen Privatwirtschaft. Denn deutsche Reeder wurden seit dem zweiten Weltkrieg vom Teilaktionär BRD mit inzwischen dreistelligen Milliarden-Subventionen gefördert.
    Unter diesem Gesichtspunkt ist selbst die Feststellung, dass ein deutscher Reeder viel weniger Steuern bezahle, der blanke Hohn. D erlaubt sich eine antikapitalistische Wirtschaftsform, die sich die Griechen zu keiner Zeit leisten wollten, jetzt aber durch die DEU indirekt dazu gezwungen werden. Der selbständige Grieche soll sich einen größeren Staat leisten (vergleichbar den Industrieländern) und mit größeren Steuerabgaben die wenigen Konzerne stützen, die auf hoher Ebene am Wettbewerb der Industriestaaten teilnehmen sollen. So weit so gut, aber … dann soll sich der ehemals Selbständige bei den wenigen Großen anstellen lassen und seine Selbständigkeit aufgeben. Und, die Großen sind inzwischen längst im Mehrheitsbesitz von Mitessern (staatlich gestützten ausländischen „Investoren“). „Privatisierung“ a la FRAPORT.

    Deutschland predigt anderen Bier, trinkt selbst aber Wein“ – Da soll einer durchblicken.

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