Steuerschock für Kleinvermieter in Griechenland

26. Mai 2017 / Aktualisiert: 28. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.677

Steuerpflichtige in Griechenland mit geringfügigen Einkommen aus Mieten und sozialen Beihilfen oder Gelegenheitsarbeiten werden zu monströsen Einkommensteuern veranlagt.

Mit enormen Steuern belasten bei der Abrechnung der Einkommensteuererklärungen natürlicher Personen in diesem Jahr die Dienststellen des ehemaligen Sekretariats für öffentlich Einnahmen (GGDE) bzw. nun der Unabhängigen Behörde für öffentliche Einnahmen (AADE) in Griechenland zigtausende Arbeitslose, Studenten, Hausfrauen und allgemein unterbeschäftigte Bürger, die 2016 sehr niedrige aus Mieteinnahmen herrührende Einkommen und noch spärlichere Einkommensbeträge aus Gelegenheitsarbeiten hatten, sowie ebenfalls auch Empfänger sehr geringer Familienleistungen der OGA, die gleichzeitig auch sehr niedrige Einkommen aus Mieten hatten.

Weil die deklarierten Einkommen sehr niedrig sind, stellen in diesen Fällen die Dienststellen der AADE bei der Abrechnung der Steuererklärungen die Höhe der steuerpflichtigen Einkommen auf Basis der sogenannten Lebenshaltungsindizien fest.

Brutale Überbesteuerung auf Basis fiktiver Veranlagungen

In allen derartigen Fall berücksichtigen die Steuerbehörden also das minimale Lebenshaltungsindiz („Kopfpauschale“) von 3.000 Euro, wie es für ledige Steuerpflichtige gilt, oder von (je) 2.500 Euro für Verheiratete und rechnen diesem den Betrag eventuelle fiktive Lebenshaltungsbeträge hinzu, sofern der Steuerpflichtige während der Dauer des Jahres 2016 beispielsweise eine im Eigenbesitz befindliche, angemietete oder kostenlos überlassene Wohnung bewohnte oder / und auch einen PKW usw. besaß.

Die sich wegen der Anwendung der sogenannten Lebenshaltungsindizien ergebende Differenz zu dem deklarierten realen Einkommen wird im weiteren Verlauf nicht mit der günstigen Steuersatz-Staffelung besteuert, die für Arbeitnehmer und Rentner gilt und je nach Familienstand einen Einkommens-Steuerfreibetrag von 6.636 – 9.545 Euro vorsieht, sondern mit der Steuersatz-Staffel für Einkommen aus unternehmerischen Aktivitäten, auf deren Basis das steuerpflichtige Einkommen einer ab dem ersten Euro – sprich ohne jeglichen Freibetrag – (minimal) 22% betragenden Steuer unterliegt!

Somit wird die sich auf Basis der Lebenshaltungsindizien ergebende Differenz in allen diesen Fällen von Steuerpflichtigen mit einer Steuer von (minimal) 22% belastet. Danach wird auf die sich ergebende Steuer auch noch eine Steuervorauszahlung mit einem jüngst von 75% auf 100% erhöhten Satz erhoben! Insgesamt wird also für einen Steuerpflichtigen mit einem sehr geringen Einkommen aus Mieteinnahmen und einem noch viel geringeren Einkommen aus Gelegenheitsarbeiten oder Familienleistungen der OGA die sich auf Basis der Einkommensindizien ergebende Differenz mit einem finalen Satz von 44% besteuert!

Absurde Steuern wegen Gesetzeslücken und behördlicher Willkür

In allen vorstehenden Fällen wenden die Dienststellen der AADE ausschließlich die Bestimmungen des Paragraphen 1b des Artikels 34 des Gesetzes 4172/2013 (Einkommensteuerverordnung) an, gemäß denen auf die Differenz zwischen dem realen und dem fiktiven Einkommen die Steuerskala für Selbständige zur Anwendung kommt, in der ein Satz von (ab) 22% ab dem ersten Euro gilt, weil der größere Teil des deklarierten Einkommens sich nicht aus Lohnarbeit oder Renten ergibt! Dagegen gelten in diesen Fällen nicht kombinatorisch auch die Bestimmungen des Paragraphen 35A des Artikels 72 des Gesetzes N. 4172.2013, gemäß denen gilt:

Wenn das reale Einkommen der Steuerpflichtigen den Betrag von 6.000 Euro und das indizienbasierte (sprich fiktiv festgestellte) Einkommen den Betrag von 9.500 Euro nicht übersteigt und sofern keine unternehmerische Aktivität, für welche die Anmeldung der Tätigkeitsaufnahme erforderlich ist, oder persönliche landwirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt wird, werden dieses Einkommen – unter Ausnahme des Einkommens aus Kapitalerträgen oder dem Mehrwert aus Kapitaltransfers – und die Differenz aus Einkommensindizien mit der Steuerskala für Arbeitnehmer und Rentner besteuert … .

Resultat ist, dass von zigtausenden Steuerpflichtigen mit ärmlichen Einkommen aus Mieteinnahmen, die gleichzeitig arbeitslos oder Studenten und gelegentlich Beschäftigte oder Familienvorstände sind, die von der OGA kleine Beihilfen zur Unterstützung von Kindern beziehen, utopische Einkommensteuern erhoben werden.

Dieses Problem hätte gelöst werden können, wenn die Dienststellen der AADE kombinatorisch die vorstehenden Bestimmungen anwenden würden, damit die konkreten Steuerpflichtigen nicht aufgefordert werden, enorme Steuern zu bezahlen. Alternativ hätte die Lösung des Problems auch von der politischen Führung des Finanzministeriums mit einer gesetzlichen Regelung gegeben werden können, die klarstellen würde, dass auch in den Fällen eines gleichzeitigen Vorliegens geringfügiger Einkommen aus Immobilien und eines ärmlichen Einkommens aus Gelegenheitsarbeiten die Differenz des steuerpflichtigen Einkommens, die sich auf Basis der Anwendung der sogenannten Lebenshaltungsindizien ergibt, mit der Steuerskala für Einkommen aus Lohnarbeit und nicht mit der Steuerskala für Einkommen aus unternehmerischen Aktivitäten besteuert wird.

(Quelle: eleftherostypos.gr)

  1. Kleoni
    26. Mai 2017, 11:39 | #1

    So haben im Mittelalter die Landvögte ihre Leibeigenen ausgeplündert! Es sind Hr. Schäubles Landvögte, die in seinem Namen nun auch noch den armen und ganz armen Griechen das wenige wegnehmen, das kaum zum Überleben reicht – letzter Ausweg, den man ihnen lässt, ist der Weg in die Verzweiflung bis hin zum Selbstmord.

  2. Westphal
    31. Mai 2017, 15:41 | #2

    Da kann man nur 12 troikas in jeden Verwaltungsbezirk fordern, die endlich mal klarstellen, wie richtige Verwaltungsarbeit funktioniert. Finanzämter mit Beamten ohne Kenntnisse und Anweisungen aus Athen werden keine Hilfe zur Bewältigung der Probleme sein. Die reichen Griechen entkommen jeder Kontrolle und die Ärmsten zahlen die Zeche für Jahrhundete unbedachter Verschwendung und Bereicherung.

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