Was Erdogans knapper Sieg für Griechenland bedeutet

17. April 2017 / Aufrufe: 1.513
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Für Griechenland wäre das zumindest kurzfristig günstigere Szenarium gewesen, dass der durchgeknallte Sultan das Referendum in der Türkei mit Abstand gewinnt.

In Griechenland ist das Interesse an dem Ergebnis der türkischen Volksabstimmung groß. In Befürchtung eines „heißen Zwischenfalls“ oder einer Provokation, die angesichts des Referendums die nationalistischen Elemente in der Türkei stärken würden, waren Griechenland bzw. hauptsächlich seine Streitkräfte in ständiger Bereitschaft.

Glücklicherweise ging alles gut, jedoch ist Athen nun aufgerufen, das Wahlergebnis im Nachbarland zu analysieren und zu interpretieren. Die Beziehungen sowohl zu Griechenland als auch zu Europa „aufmischend“ polarisierte Tayyip Erdogan während der vergangenen Wochen das Klima wie niemals zuvor.

Sultan Erdogan bleibt weiterhin unberechenbar

Erdogans knapper Sieg ist ein Thema, mit dem die griechische Regierung sich zu befassen hat. Regierungsquellen schätzen ein, dass alles davon abhängen wird, wie der selbige türkische Präsident das sich ambivalent zeigende Ergebnis der Volksabstimmung handhaben wird. Als ein für Athen zumindest kurzfristig günstigeres Szenarium galt ein breiter Sieg Erdogans, damit er sich sicher fühlt – was in dem Zeitraum vor dem Referendum, als er überall Feinde sah, nicht der Fall war.

In Athen meinte man, den türkischen Präsidenten werde ein ihn nicht anzuzweifeln gestattendes Ergebnis beruhigen und zu einer realistischeren und weniger aggressiven Tangierung in der Außenpolitik des Landes führen. Real-News zufolge wiederum wurde im griechischen Außenministerium eingeschätzt, dass vielleicht die Voraussetzungen für eine Deeskalation in den Beziehungen der Türkei zu Griechenland und Europa geschaffen werden. Jedenfalls vermag niemand mittelfristig vorauszusehen, was ein solches Ergebnis bedeutet.

Dagegen wird eingeschätzt, dass ein – wie mittlerweile bestätigtes – marginales Ergebnis zur Entstehung einer sehr angespannten politischen Lage in der Türkei beitragen wird – welches Szenarium Athen als gefährlich einschätzt, da es keine Deeskalation in den bilateralen Beziehungen voraussieht. Das unberechenbarste Szenarium wiederum war, dass Erdogan eine Niederlage erleidet, was bedeutet hätte, dass keinerlei – nicht einmal die extremste – Entwicklung auszuschließen gewesen wäre. Diplomatische Quellen hätten in diesem Fall anormale Zustände oder sogar auch einen neuen Putschversuch nicht ausgeschlossen.

Jedoch ist auch das marginale Ergebnis etwas, das Erdogan mit Gelassenheit handhaben müssen wird, damit es keine Tendenzen zu einer Destabilisierung gibt, die den Sultan zu einem gefährlichen, verletzten Politiker machen werden. Was bedeutet, dass er auch für Griechenland unberechenbar sein wird. Ebenso ist unbekannt, wie der türkische Präsident in allem reagieren wird, was seine Beziehungen zu Europa – speziell im Migrations- bzw. Flüchtlingsthema – betrifft. Auf die immer lautere gewordenen Stimmen aus Brüssel und anderswo bezüglich einer völligen Einfrierung der Beitrittsverhandlungen im Fall eines Siegs Erdogans versucht Ankara mit einer Verbindung zu Großbritannien zu antworten.

(Quelle: Imerisia)

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