Griechenland kommt ohne Schuldenschnitt nicht aus der Rezessionsspirale

17. März 2017 / Aufrufe: 1.415

Um den Staatsbankrott nachhaltig abzuwenden, bedarf Griechenland eines ernsthaften Schuldenschnitts, aber auch einschneidender Reformen.

Laut dem aktuellen Zwischenbericht der Haushaltsstelle des griechischen Parlaments mit Titel „Die Schuldenfalle“ braucht Griechenland eine ernsthafte Umschuldung, aber auch die Fortsetzung der Reformen, um den Staatsbankrott abzuwenden.

Die Autoren des Berichts führen an, „Griechenland ist gleichermaßen wegen der hohen untragbaren Verschuldung als auch der herrschenden Ungewissheit, aber auch wegen des niedrigen Niveaus der (für den konjunkturellen Aufschwung höchst signifikanten) Institutionen des Landes in einer vielfach gespeisten Rezessionsspirale gefangen„.

Nur ein Schuldenschnitt wird Griechenland nicht retten

Damit Griechenland wieder auf eine Bahn des wirtschaftlichen Wachstums gelangt, ist eine ernsthafte Umschuldung erforderlich. Die gegenwärtige Situation der stetigen Refinanzierung der Kredite mittels neuer Kredite führt sowohl Griechenland als auch hinsichtlich der Gläubiger in eine Sackgasse. Also eine Umstrukturierung der Verschuldung, nach der Griechenland seine verbliebene Verschuldung bedienen können und einen eventuellen Bankrott fortan abgewendet haben wird, wobei auch die Gläubiger aus der endlosen „Leier“ der Refinanzierung der Kredite herauskommen werden.

Wie die Haushaltsstelle anderseits anführt, wird eine Umschuldung „per se“ ohne tiefe Zäsuren nicht helfen, da Griechenland sich in einigen Jahren wieder „auf Messers Schneide“ befinden wird. Griechenland muss folglich obligatorisch mit den Reformen auf kritischen Sektoren – wie in der Justiz, bei der Bekämpfung der Korruption und der Steuerhinterziehung, der besseren Funktion der Mechanismen des Staates und in der Regierungsführung – fortsetzen. Nur auf diese Weise wird sichergestellt werden, dass das Land nicht wieder in Zuständen des Bankrotts und der Unglaubwürdigkeit angelangt.

(Quelle: euro2day.gr)

KategorienWirtschaft
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  1. Ronald
    17. März 2017, 10:19 | #1

    Das Angebot lautete: Temporäres Ausscheiden aus dem Euro gegen Schuldenschnitt. Und ich glaube, es wäre der beste Weg für Griechenland. Griechenland wird im Euro nie, nie, nie wieder auf die Beine kommen und ewig ein gedemütigtes Volk von Bettlern mit einer durch die EU getriebenen Pseudoregierung sein. Und der Wille zu Reformen muss aus der griechischen Bevölkerung erwachsen.

  2. windjob
    17. März 2017, 11:16 | #2

    Wie oft wurde dies nun schon durchgekaut? Wenn ich mich recht erinnere, hat der IWF seine Teilnahme verweigert weil die EU, voran Deutschland, einem Schuldenschnitt nicht zugestimmt hat. Nun haben wir Wahlen in einigen EU Ländern mit der Angst ein solcher würde die Wahl der Etablierten gefährden. Also leidet Lagarde plötzlich an Demenz wie alle Politiker. Scheint nicht nur eine Alterserscheinung zu sein. (Entschuldigung an alle wirklich Demenz Kranken).
    Was auch immer wieder verschwiegen wird ist die Tatsache, dass es nicht um die Rettung der griechischen Bevölkerung geht sondern um die Bereicherung des europäischen Kapitals und der Banken. Warum kann sich dieses Lumpenpack so lange halten?

  3. herbert fein
    17. März 2017, 12:45 | #3

    Diese selbstverliebte Regierung hat vielfach bewiesen, dass sie für Reformen unfähig ist und stattdessen die Bevölkerung durch unerträgliche Besteuerung und eine Abgabenflut sowie immer neue Kredite ins Elend treibt. Gäbe es aber Reformen in der Verwaltung, Justiz, Gesundheitswesen, verlässliche und klare Steuerregeln, etc. kämen auch sofort Investoren ins Land, die Nachhaltigkeit für Arbeitsplätze mitbrächten und dann wäre auch das Problem der Umschuldung und auch des Schuldenerlasses keine so unlösbare Aufgabe mehr. Darum muss es eine neue Regierung geben, denn in die jetzige hat weder das eigene Volk noch das Ausland vertrauen.

  4. Werner Titz
    17. März 2017, 17:01 | #4

    So geht es nicht weiter. Die derzeitige Misere haben dem Land jene Parteien eingebrockt die es jahrzehntelang regiert haben. Nachdem zum zweiten Mal die Linken gewählt wurden, haben die sogenannten Gläubiger die Regierungsgeschäfte übernommen, also Troika, EU, Eurogruppe, die das derzeitig gültige Regierungsprogramm ausformuliert und noch vor den letzten Parlamentswahlen der kommenden Regierung diktiert haben. Ein einmaliger Akt in der EU, wenn man von der de facto Absetzung von Ministerprsäsident Papandreou absieht, der durch den Banker Papademos ersetzt wurde.
    Griechenland scheitert an der verordneten Austeritätspolitik. Egal welche griechische Partei sie exekutiert.

  5. kokkinos vrachos
    17. März 2017, 18:06 | #5

    Bin zwar kein Freund von Varoufakis, schließe mich aber seinem Rat „Griechenland soll sich auf Bruch mit den Gläubigern vorbereiten“ an Tsipras an. Yanis Varoufakis vertritt, Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras soll sich auf einen Bruch mit den Gläubigern vorbereiten, um diesen letztendlich abwenden zu können (der Griechenland-Blog hat darüber berichtet).

    Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab! Griechenland hängt seit 2010 am Tropf internationaler Geldgeber. Wer über die Schulden von Griechenland redet, muss auch über die Deutsche Verbrechen und verschiedenen griechischen Entschädigungsansprüche reden bzw. darf darüber nicht schweigen. Berlin schuldet Athen Millionen aus den Reparationszahlungen („Zwangsanleihe“, die Deutschland ab 1942 dem griechischen Staat abgepresst hat. Diese Anleihe, die 1945 von der Reichsbank mit 476 Millionen Reichsmark beziffert wurde, was heute nach Angaben der griechischen Regierung 10,3 Mrd. Euro entsprechen soll, ist durch die Haager Landkriegsordnung als Zwangsmaßnahme definiert, da mit ihr nicht nur die erlaubten Besatzungskosten, sondern auch und vor allem der Nordafrikafeldzug finanziert wurde.)

    Auch aktuell reden viele von angeblichen „Tricks“ und Versäumnissen der griechischen Regierung sowie den griechischen Schulden. Doch in Wirklichkeit ist Deutschland der größte Schuldner in Europa und hat es mit beispielloser Raffinesse bis heute geschafft, sich aus der Verantwortung für seine Geschichte zu schleichen. Es ist paradox. Griechenland braucht Geld. Dabei hat es Guthaben. Das Guthaben liegt in Deutschland und – als deutsches Staatseigentum im Ausland – in verschiedenen (europäischen) Ländern. Deutschland schuldet Griechenland seit circa 70 Jahren eine Summe, die aktuell vom griechischen Parlament auf 278,7 Milliarden Euro beziffert worden ist. Es handelt sich zum einen um die Zahlungsverpflichtungen der auf der Pariser Reparationskonferenz von 1946 festgelegten Reparationen. Zum anderen schuldet Deutschland Griechenland außerdem die Rückzahlung der sogenannten „Zwangsanleihe“ von 1942.

    Deutschland ist damit der größte Schuldner Europas! Seit nunmehr 70 Jahren versucht die deutsche Regierung sich den Zahlungsverpflichtungen mit allen Tricks zu entziehen. Wenn alle von den griechischen Schulden reden, müssen wenigstens wir von der deutschen Schuld und den deutschen Schulden reden!

  6. GR-Block
    17. März 2017, 20:04 | #6

    Der Schuldenschnitt wird kommen, auch wenn er vielleicht am Ende anders genannt werden muss, um Wähler nicht zu vergrätzen. Hätten die Medien nicht ihren Fokus über so viele Jahre auf GR gerichtet, dann wäre die damalige Vereinbarung von Papandreou mit dem Rest der EU längst unauffällig über die Bühne gegangen, ohne dass die Völker davon Notiz genommen hätten.

    Die griechische EU hat maßgeblich die damals einvernehmlich als „EURO-Rettung“ deklarierte Transaktionen durchgeführt. Nämlich, indem die Partner ihren Völkern die Steuergelder veruntreut und – formal durch griechische Banken – die Liquidität der EU-Privatwirtschaft in die Höhe betrieben haben, mit hunderten Mrd €. So etwas kann juristisch nur dadurch gemacht werden, dass eine willige Regierung wahnwitzige virtuelle Kredite aufnimmt, die die Zinsen aber real in die Höhe treiben und damit einen gewaltigen Kapitalfluss in Gang bringen. Über 7 Jahre lang sind die 500 Mio gemolken worden, um diesen Kapitalfluss aufrecht zu erhalten.

    Falls die DEU es nicht schafft der jetzigen oder einer anderen Regierung in Athen ein 4. Paket aufzudrücken – und zurzeit sieht es nicht danach aus – dann ist der Spaß vorbei. Dann bleibt nur noch, die künstlich gesteigerte, virtuelle Staatsverschuldung vereinbarungsgemäß auf das Maß von 2010 zurück zu schneiden, um die Finanzwirtschaft GRs wieder zu stabilisieren. Also zurück auf LOS, aber schön im Monopoly bleiben. Nur, in wessen Legislaturperiode soll der Schnitt durchgeführt werden? Wer will den Betrug der EURO-Rettung offenlegen? Merkel, Schulz, die AFD …? Warten’s wir ab. Am Ende jedenfalls wird Herr Varoufakis sein Recht bekommen: „Was immer die Deutschen entscheiden, sie werden am Ende bezahlen„, wie jeder der 500 Mio.

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