Würden Sie Griechenland Geld leihen?

26. Februar 2017 / Aufrufe: 1.010

Der vielbeschworene Gang Griechenlands an die internationalen Finanzmärkte soll nun endlich im Frühjahr 2018 erfolgen, nur glaubt niemand wirklich daran.

Glaubt jemand, Griechenland könne nächstes Jahr (2018) an die Märkte gehen und zu guten Preisen (seine) Verschuldung verkaufen? Und was wird es den Investoren zeigen? Das stabile politische Umfeld? Die attraktive Investitionslandschaft? Die reduzierte Verschuldung?

Ein simpler und zugleich effizienter Test bezüglich des Bildes eines Politikers ist, sich selbst (ehrlich) zu fragen, ob man ihm sein Geld anvertrauen würde. Hätte man eine Schafherde, würde man sie ihm übergeben um sie zu weiden?

Griechenland hat keinen „Hasen im (Zauber-) Hut“

Ebenfalls ist man häufig aufgerufen, sich selbst in die Position eines Dritten zu versetzen, der die Dinge aus einer gewissen Distanz sieht und aufgefordert ist, Entscheidungen zu treffen. In den Tavernen bekommt man zu hören, „würdest Du, mein Junge, herkommen um in Griechenland eine Investition zu tätigen?„. Und so versteht der andere Gesprächspartner sofort, aus welchem Grund er um sich herum keine Deutschen und Investoren sieht. Es gibt aber auch noch eine weitere, hinreichend eindringlichere und direkte Frage, die man möglicherweise sich selbst oder seinen Freunden stellt: „Würdest Du Griechenland Geld leihen?

Diese Frage sollte nicht snobistisch abgetan werden, in Wirklichkeit ist es nämlich unsere zutiefst existentielle Frage. Angeblich hat Griechenland vor, im Frühjahr 2018 – wenn auch das bestehende „Programm“ (Memorandum) auslaufen wird – an die Finanzmärkte zu gehen. „Nicht einmal aus Jux„, kommentiert dies eine die internationalen Finanzmärkte beobachtende „führende Persönlichkeit“. „Um an die Märkte zu gehen, muss abgesehen von positiven Entwicklungen hinsichtlich der Verschuldung das Bild des Landes Elan und Aussichten auf Wachstum ausstrahlen. Und hauptsächlich muss es einen hohen Vertrauens-Index wiedererlangt haben, da es sich an Geldgeber wenden wird, die den PSI-Schnitt erlitten haben.

Griechenlands Problem ist nicht, nichts zu haben um es den Märkten zu „verkaufen“, damit unsere Anleihen nicht nur als Tapete taugen bzw. jedenfalls nicht mit unerschwinglichen Zinssätzen belastet werden. Und derzeit haben wir keinen „Hasen im Hut“.

Niemand glaubt wirklich an Griechenlands Marktgang 2018

Also mal ehrlich, glaubt in der Regierung oder in der Gesellschaft jemand, Griechenland könne nächstes Jahr an die Märkte gehen und Verschuldung zu guten Preisen verkaufen? Und was wird es den Investoren zeigen? Das stabile politische Umfeld? Die attraktive Investitionslandschaft? Die Verschuldung, die reduziert wurde und unbestreitbar tragfähig ist? Stellen Sie sich vor, wir werden so, wie die Lage ist, Anleihen zu platzieren versuchen und neben uns wird der IWF den Interessenten zuflüstern, die Verschuldung sei nicht tragfähig. Wir nehmen uns gegenseitig auf den Arm, nicht wahr?

Lassen wir uns das tragische und verlorene Jahr 2015 vergessen. Bewerten wir mit diesem Maß das eine Jahr, das zwecks Vollendung der aktuellen Bewertung verloren ging – falls sie schließlich vollendet wird. Es ist Zeit, die der Stabilisierung der Wirtschaft und einer kreativen Diskussion über die Reduzierung der Verschuldung entzogen wurde. Zeit, die nutzbar gewesen wäre, um konjunkturelle Stützen auf einem rezessiven Boden einzupflanzen. Letztendlich wurde sie aber für Purzelbäume, persönliche und kleinpolitische Spielchen und noch mehr Flüge mit dem Regierungs-Jet verplempert.

Griechenland verplemperte Zeit, Ressourcen und Kapital

Monate vor dem hypothetischen Gang an die Finanzmärkte schleppt Griechenland sich durch ein Umfeld politischer und wirtschaftlicher Instabilität, ohne Antworten auf die kritischen Fragen zu haben, die man ihm stellen wird. Sieben Jahre Krise, und wir haben nicht fertig gebracht, uns eine eigene dokumentierte Ansicht bezüglich ihrer Überwindung zu verschaffen.

Ok, es war eine beispiellose Erfahrung, eine Krise, die keine Anpassung des Wechselkurses zwecks Stimulierung der Wettbewerbsfähigkeit gestattet. Wir haben jedoch noch nicht einmal geschafft, uns das Land aus der Krise herausgekommen vorzustellen. Wir verschwendeten Zeit, Ressourcen, nationales Kapital und Humankapital, ohne dem rezessiven Rezept unserer Gläubiger jemals etwas Überzeugendes entgegen zu stellen. Und die beiden letzten Jahre rannen wie Wasser durch unsere Hände, wurden von der Obsession, den Dilettantismen und dem Opportunismus der Clique verschwendet, die ein Land „gewann“.

(Quelle: protagon.gr)

  1. HJM
    26. Februar 2017, 12:25 | #1

    Jeder, der sich interessiert, weiß es, keiner sagt es: Griechenland wird auf unabsehbare Zeit Empfänger von Transferleistungen (wie auch immer diese genannt werden mögen) bleiben (müssen). Aus, Amen.

  2. GR-Block
    26. Februar 2017, 20:56 | #2

    Würden Sie Griechenland Geld leihen?“ – Die Frage hat die EU der Konzerne und Banker längst beantwortet: „Ja, natürlich – solange GR im Binnenmarkt bleiben muss und wir ungehinderten Zugriff auf seine Märkte und Politiker haben.“ Was mit 320 Mrd. fast ohne Revolution geklappt hat, wird auch bei 1 Bill. kaum jemand von der Couch reisen.
    Griechenland verplemperte Zeit, Ressourcen und Kapital“ – Blödsinn, je länger man die Krise hinaus zieht, desto mehr wird die EU-Privatwirtschaft subventioniert. Juristisch wäre kein anderer Weg einschlagbar. GR hat hier jede Sekunde gewinnbringend angelegt. Dafür bekommt es ’nen „Orden wider dem tierischen Ernst“. Helau und Alaf!

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