Griechenlands Gläubiger lassen die Armen bluten

10. Februar 2017 / Aufrufe: 1.442

Laut Yanis Varoufakis ist Griechenlands Tragödie, dass einem bankrotten Land ein riesiger Kredit gegeben wurde um deutsche und französische Banken schadlos zu halten.

Vor der Sitzung der Arbeitsgruppe „Eurogruppe“ (EWG) am 09 Februar 2017 sprach Yanis Varoufakis im Radio des BBC.

In dem Interview vertrat der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Finanzminister Griechenlands unter anderem, die in Griechenland dringend benötigten Reformen seien durch die Politiken der Europäischen Union verhindert worden.

Griechenlands Gläubiger ließen die Oligarchen unbehelligt

Detaillierter sagte Yanis Varoufakis:

Unser Land ist auf einen wirtschaftlichen Kurs geraten, der das alltägliche Leben unerträglich macht. Deutschlands Finanzminister (Schäuble) versteht, dass keine noch so reformatorische Regierung die bestehende Verschuldung Griechenlands zu unterhalten vermag. Das Land hatte ein ungeheures Bedürfnis nach Reformen, wegen der gewählten makroökonomischen Politiken, die unmöglich aufrecht erhalten werden konnten, wurde es jedoch de-reformiert. Anstatt die schlimmsten Korruptionsfälle zu „attackieren“, haben die Gläubiger die Armen und die Rentner und nicht die Oligarchen ins Visier genommen.

Wir müssen uns mit der Realität abfinden. Die Tragödie ist, dass 2010 einem bankrotten Land ein riesiger Kredit gegeben wurde, der einzig und allein bewirkte, die Verschuldung von den „Schultern“ der deutschen und französischen Banken auf die Schultern der schwächsten Steuerzahler Europas zu verlagern. Es ist, als ob man einer bankrotten Körperschaft eine Kreditkarte gibt und danach noch eine und noch eine. Solange dies weitergeht, wird Griechenland un-reformiert sein, und das ist die Folge der Politiken der EU.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Kleoni
    10. Februar 2017, 09:03 | #1

    Griechenland hätte 2010 mit einem Schuldenschnitt aus dem Euro rausgehen müssen. Dann wäre die Wirtschaftsbesatzung abgewehrt worden. Zwar wären dadurch die 10% Oligarchen und Superreichen noch reicher geworden, aber die Bevölkerung wäre nicht um den letzten Cent von den Wirtschaftsbesatzern ausgeraubt worden und die gutausgebildete Jugend nicht gezwungen gewesen, den Fachkräftemangel der Geldgeber zu decken. Das Fakelakeunwesen und die Korruption sind auch nach den „Reformen“ kein bisschen besser geworden. Man kann einen morbiden Patienten nicht ewig künstlich am Leben erhalten, irgendwann stirbt er an multiplem Organversagen.

  2. GR-Block
    10. Februar 2017, 12:12 | #2

    Wie wahr! Obwohl diese Erkenntnisse schon 2010 offen lagen, konnte das demokratische Griechenland nichts daran ändern. Die EU hat durch die Troika und die schnelle Eingreiftruppe „Task Force“ dafür gesorgt, dass die Staatsaufträge an westeuropäische Konzerne auf möglichst hohem Niveau gehalten werden und zu deren Finanzierung die Einsparung von Personalmittel des Staates erzwungen. Und das in dem Land mit dem kleinsten aller Verwaltungsapparate unter den EU-Staaten. Man erinnere sich nur, die EU (Papandreou) machte sogar zaghaft den Vorschlag, auf der Peloponnes eine „Formel-1-Rennbahn“ in Auftrag zu geben.
    Auf keinem Fall wollte man an diesen Strukturen irgend etwas geändert haben. Jeder der den Erhalt bekräftigte, wurde von den EU-Partnern unterstützt. Wenn dieser jedoch davon abfiel, wurde er diskreditiert und in der Folge abgewählt. Zunächst Papandreou, dann Samaras. Auch der Schlag gegen Tsipras war tödlich, aber Tsipras schaffte es, sich mit einer Amputation durchzumogeln. Mein Respekt.
    Leider hatte er aber zugelassen, dass der Name Griechenlands vom Dreck der EU beschmutzt blieb. Er hätte Varoufakis an seiner Seite lassen sollen. Das Volk vertraute ihm. Wenn Varoufakis erklärt, wer hier wirklich Dreck am Stecken hat, dann glaubt man ihm. Hellas jedenfalls, ist es nicht.

  3. Konstantin
    10. Februar 2017, 17:35 | #3

    Griechenlands Gläubiger ließen die Oligarchen unbehelligt
    Die Frage, die sich mir bei diesem Satz stellt, ist, weswegen lassen die Politiker in Griechenland die dicken Fische unbehelligt und schröpfen ebenfalls erbarmungslos bei den Armen?

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