Was sich hinter dem Rückgang der Arbeitslosigkeit in Griechenland verbirgt

5. Januar 2017 / Aufrufe: 958

Der statistische Rückgang der Arbeitslosigkeit in Griechenland ist hauptsächlich eine Folge der Besetzung bestehender freier Stellen und nicht der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Der In Griechenland derzeit beobachtete Rückgang der Arbeitslosigkeit hängt in einem größeren Grad mit der Besetzung bestehender Freistellen als mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze als Resultat der Realisierung neuer Investitionen zusammen.

Die griechische Wirtschaft trat in das zweite Halbjahr 2016 in einer Periode eines positiven Änderungsrhythmus des BIP ein. Das Tempo und die Größe dieses Aufschwungs werden von der Beschränkung der Ungewissheiten abhängen, betonte die Alpha Bank in ihrer wöchentlichen Analyse gegen Ende Dezember 2016.

Arbeitslosigkeit ist die primäre Herausforderung für die Wirtschaftspolitik

Das Grundmerkmal des sich gestaltenden Kurses in Richtung Aufschwung ist die geschätzte hohe positive Auswirkung auf den Wachstumsrhythmus, die – unter sonst gleichen Bedingungen – die Rückkehr der Indizes des Vertrauens und des Renditespielraums der griechischen gegenüber den deutschen Anleihen auf Niveaus haben würde, die den Zugang des griechischen Fiskus zu den internationalen Finanzmärkten gestatten.

Die Alpha Bank untersucht die Dynamik der Arbeitslosenquote, sowie die griechische Wirtschaft sich erholen wird. Die schnelle Deeskalation der Arbeitslosigkeit stellt die hauptsächliche Herausforderung in der Ausübung einer Wirtschaftspolitik dar. Sie stellt ein signifikantes Element dar für:

  1. die Wiederherstellung des gesellschaftlichen Gerüsts, das in der Periode der Krise getroffen wurde,
  2. die Verstärkung der Dynamik des selbigen Wachstums, da es den Konsum speist, sowie auch für
  3. die Tragfähigkeit des Versicherungssystem mittels des Anstiegs des Beitragsaufkommens.

Die Senkung der Arbeitslosigkeit stellt folglich einen notwendigen und geeigneten „Kontrakt“ zur Gewährleistung einer gesellschaftlich akzeptablen Höhe der Renten auf dauerhafter Basis dar.

Sinkende Arbeitslosenquote infolge von Teilzeit- und Unterbeschäftigung

Es ist es ebenfalls wert, die Entwicklung der Arbeitslosenquote der anderen Länder zu beobachten, welche die Konvergenzprogramme vollendeten und einen positiven Wachstumsrhythmus erreichten. Nach ihrem Höhepunkt sank – unterstützt durch den starken Anstieg des BIP – die Arbeitslosigkeit in Irland, Spanien, Zypern und Portugal signifikant. Griechenland ist das Land einzige, in dem ein Rückgang der Anzahl der Arbeitslosen als Prozentsatz des Arbeitskräftepotentials beobachtet wird, während es sich im Zustand einer – wenn auch milderen – Rezession befindet.

Dies hängt mit der hauptsächlich strukturellen Arbeitslosigkeit (die mit dem Verhältnis gesuchter und gebotener Qualifikationen in Zusammenhang steht) und weniger mit der Deeskalation der sogenannten zyklischen Arbeitslosigkeit zusammen (die mit der Unzulänglichkeit der aktiven Nachfrage in Zusammenhang steht). Wie die Alpha Bank erklärt, zeigen die Daten, dass der beobachtete Rückgang der Arbeitslosigkeit praktisch ein Rückgang der strukturellen und nicht der zyklischen Arbeitslosigkeit ist. Er hängt also mehr damit zusammen, dass nach langer (vergeblicher) Arbeitssuche die Arbeitslosen notgedrungen Stellen mit Teilzeitbeschäftigung oder wechselweiser Beschäftigung akzeptieren, und nicht mit dem Anstieg der aktiven Nachfrage zusammen.

Der Umstand, dass die Deeskalation der Arbeitslosenquote sich nicht auf die sogenannte zyklische Arbeitslosigkeit bezieht, bestätigt sich intuitiv aus dem rückgängigen Verlauf des Netto-Kapitalbestands je Beschäftigten seit 2014 und nachfolgend. Konkret war in der Periode der Krise der Rückgang der Beschäftigung sogar noch schneller als der signifikante Rückgang des Kapitalbestands (als Resultat der investiven Flaute), mit dem Ergebnis, dass das Verhältnis der Kapitalintensität je Beschäftigten stieg. Seit 2014 und nachfolgend steigt dagegen schrittweise die Beschäftigung, während die unter den Abschreibungen liegende Investitionsaufwendung den Kapitalbestand des Landes auf einem rückläufigen Kurs behält.

Der derzeit beobachtete Rückgang der Arbeitslosigkeit in Griechenland hängt folglich in einem größeren Grad mit der Besetzung der bestehenden freien Arbeitsplätze (vacancies) als mit der Schaffung neuer Plätze als Resultat der Realisierung neuer Investitionspläne zusammen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Max Bartsch
    5. Januar 2017, 18:25 | #1

    Ein grosser Teil der sinkenden Arbeitslosenquote kommt von der Abwanderung von über 200.000 jungen Griechen in die EU, GB, USA, Kanada, Australien usw. (in der Zeit von 2012-2017).

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