Warum Griechenland in einer Stagnation bleibt

15. Januar 2017 / Aufrufe: 1.192

Der durchschnittliche private Haushalt in Griechenland konsumiert unter Verflüssigung von Vermögenswerten mehr als sein Einkommen gestattet.

Die Fähigkeit der Bevölkerung Griechenlands, neue Einkommen, neue Rücklagen und neuen Reichtum zu produzieren, ist inzwischen beschränkt. Und das Schlimmste ist, dass die privaten Haushalte eine negative Rücklagenbildung haben, also mehr ausgeben als ihnen ihr Einkommen gestattet, und zwar hauptsächlich per Verflüssigung von Vermögenswerten.

Dies geschieht natürlich im durchschnittlichen privaten Haushalt, kommentiert der Verband der Industriellen Griechenlands (SEB) in seinem Wochenbericht über die griechische Wirtschaft.

Noch zehren Griechenlands Haushalte vom „Eingemachten“

Wie der SEB anführt, gibt es an den beiden Extremen sowohl Haushalte, die weiterhin Rücklagen von ihrem hohen Einkommen bilden, als auch Haushalte, die einfach ihren Konsum auf die Höhe ihres niedrigen Einkommens beschränken, wie gering auch immer dieses ist.

Der durchschnittliche Haushalt kommt auf keinen Fall ohne Verflüssigung von Vermögen oder soziale Beihilfen über die Runden. Jedenfalls ist für einen sehr großen Teil der Bevölkerung die Bildung von Rücklagen und die Ansammlung von Vermögen inzwischen eine weit entfernter Traum und der heutige Status quo ist nicht tragfähig, weil das „Eingemachte“ irgendwann zu Ende gehen wird.

Und diese Situation wird sich verewigen, wenn sich nicht radikal das System der Überbesteuerung und Überregulierung der privaten Wirtschaft ändert, das die Aufzeigung der Tugenden des griechischen Unternehmers und Arbeitnehmers verhindert, endet der SEB.

Bildung von Rücklagen wurde zu einem entfernten Traum

Seit 2008 bis heute rund ein Viertel des BIP verloren habend befindet Griechenlands Wirtschaft sich in einer konjunkturellen Stagnation. Die Fähigkeit der Griechen, neue Einkommen, neue Rücklagen und neuen Reichtum zu produzieren, ist inzwischen beschränkt.

Das Schlimmste ist jedoch, dass die Rücklagenbildung der Haushalte negativ verläuft, sie also mehr konsumieren als ihnen ihr Einkommen gestattet, und zwar hauptsächlich mittels Verflüssigung von Vermögenswerten. Dies findet natürlich in dem durchschnittlichen Haushalt statt, da offensichtlich sowohl Haushalte existieren, die darin fortfahren, von ihrem hohen Einkommen Rücklagen zu bilden, als auch Haushalte, die ihren Konsum einfach auf die Höhe des niedrigen Einkommens beschränken, das sie (noch) haben – gleich wie gering es ist.

Der durchschnittliche griechische Haushalt kommt jedenfalls nicht ohne Verflüssigung von Vermögen oder soziale Beihilfen über die Runden. Für einen sehr großen Teil der Bevölkerung ist jedenfalls die Bildung von Rücklagen und die Kumulierung von Vermögen inzwischen ein weit entfernter Traum und der heutige Status quo nicht tragfähig, weil die Rücklagen irgendwann aufgebraucht sein werden.

Symptome mangelnden Vertrauens in die Marktwirtschaft

Wie Rafael Di Tella und Robert MacCulloch analysieren, sind in diesem Rahmen die Überbesteuerung und Überregulierung Symptome einer Gesellschaft, wo der Mangel an Vertrauen gegenüber der Marktwirtschaft vorherrscht. In dieser signifikanten Analyse wird beobachtet, dass es in hauptsächlich armen Ländern ein Aufblühen von Beschränkungen im Unternehmertum und staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft und ein Vorherrschen der linken Phraseologie und Obsession in der Analyse wirtschaftlicher Themen gibt.

Diese Phänomene existieren üblicherweise zusammen mit einer ausgedehnten Korruption, welche die Leute dazu treibt, nach Beschränkungen in der Wirtschaft zu streben, obwohl anerkannt wird, dass die Überregulierung der Wirtschaft zu einer noch größeren Korruption zu führen vermag. In Perioden der Zuspitzung der Korruption wiederum wird eine Zunahme des von den Wählern empfundenen Gefühls der Wut und eine Hinwendung des Wahlkörpers zu extremen politischen Parteien verzeichnet. Die in diesen Ländern vorgeschobene Erklärung ist, dass angesichts der Identifizierung der Skandale mit der Unternehmerklasse die Wende zur Wahl extremer Parteien eine Stimmung zur Abstrafung durch die Wähler reflektiert, die mit schwachen Gerichtssystemen und einer Trägheit in der Rechtsprechung in Verbindung steht. Dieses Phänomen äußert sich beispielsweise mittels der hohen, progressiven und nicht auf dem Gegenseitigkeitsprinzip beruhenden Besteuerung produktiver Aktivitäten, wie es die Investitionen sind.

Obwohl die Autoren zu erklären versuchen, was in armen Ländern geschieht, scheint die von ihnen vorgebrachte Theorie auch in Griechenland zu gelten – speziell nach der Verarmung, welche die lang anhaltende und hohe gesellschaftliche Kosten habende Rezession während der Dauer der fiskalischen Angleichung der Memoranden herbeiführte. Ein großer Teil der griechischen Bevölkerung hält die Geschehnisse für ein Resultat der Korruption (manche haben sich in den vergangenen Jahren die Taschen vollgestopft und bleiben unbestraft) und bringt entsprechend seine Wut zum Ausdruck.

Wenn auch die Wahrheit komplexer ist, kann in Griechenland der Aufstieg der „anti-systemischen“ Schemata ohne weiteres aus der lang anhaltenden Periode der Jagd nach Profiten interpretiert werden, die in dem Jahrzehnt vor der Krise aufblühte.

  1. Rudi
    15. Januar 2017, 08:57 | #1

    Wenn der durchschnittliche private Haushalt in Griechenland konsumiert unter Verflüssigung von Vermögenswerten, muss man fragen, wer kauft diese Vermögenswerte? Anscheinend findet eine gewaltige Umverteilung des Besitzes statt.

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