Kontinuierlicher Rückgang des Konsums in Griechenland

9. Januar 2017 / Aufrufe: 2
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Sinkende Einkommen und wiederholte Steuererhöhungen bringen in Griechenland inzwischen acht Jahre lang die Konsumnachfrage zum Absturz.

Wie in dem Wochenbericht der Alpha Bank über die wirtschaftlichen Entwicklungen in Griechenland betont wird, folgte gemäß den letzten verfügbaren Angaben das Einzelhandelsvolumen einem fallenden Verlauf, trotz des sich erholenden Konsumvertrauens im dritten Quartal des Jahres 2016, des Anstiegs der Beschäftigung und des Verharrens der privaten Rücklagenbildung während des ersten Halbjahrs 2016 auf einer negativen Ebene.

Konkret erhält der Rhythmus der Änderung des Einzelhandelsvolumens (Umsätze in stabilen Preisen) im achten aufeinanderfolgenden Jahr ein negatives Vorzeichen bei und gestaltet sich in den ersten zehn Monaten des Jahres 2016 auf -1%. Dies war das Resultat des Rückgangs des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte wegen der steuerlichen Belastungen und der Kürzung der sozialen Netto-Transfers.

Sinkende Einkommen trotz imaginären Anstiegs der Beschäftigung

Konkret sank laut dem Household Sector Report (November 2016) der Europäischen Zentralbank (EZB) das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte um 1,2% im ersten und um 0,4% im zweiten Quartal 2016. Zu dieser Änderung trugen in den beiden ersten Quartalen entsprechend die Steuern auf Einkommen und Vermögen mit 1,2% und 0,1% sowie die sozialen Netto-Transfers mit 0,7% und 1,0% bei.

Diese Auswirkung wurde nur partiell durch den Beitrag des Anstiegs der Einkommen aus abhängiger Arbeit in den beiden ersten Quartalen 2016 um entsprechend 2,9% und 1,8% ausgeglichen. Und dies, weil der Anstieg der (statistischen) Beschäftigung in einem höheren Grad aus neuen Verträgen über Teilzeit- und tage- / wechselweise Beschäftigung als aus Vollzeitbeschäftigung herrührte – was zum Resultat hat, dass die Auswirkung der Beschäftigung auf die Kaufkraft relativ schwach ist.

Wie betont wird, spiegelt die hypotonische Konsumnachfrage sich ebenfalls in dem Rhythmus der Änderung des Volumens der vergebenen Verbraucherkredite wieder, die das negative Vorzeichen der letzten sechs Jahre beibehält, auch wenn es im Verhältnis zu den vorherigen sechs Jahren mit einem geringeren Rhythmus abnimmt.

Überbesteuerung bewirkt langfristig rückläufige Steuereinnahmen

Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer stellen eine weiteres Maß für die aktive Konsumnachfrage dar, da sie proportional mit dem Handelsvolumen verbunden sind. In den beiden letzten Jahren und hauptsächlich im Jahr 2016 folgten jedoch die Einnahmen aus der MwSt. einem umgekehrten Verlauf. Sie steigen also – wenn auch mit einem relativ geringen Rhythmus – als Resultat der aufeinanderfolgenden Erhöhungen des Steuersatzes im Juli 2015 und Mai 2016 sowie auch der gestiegenen Nutzung der elektronischen Zahlungsmittel.

Mit einem kurzfristigen zeitlichen Horizont führt dies erhöhte Steuereinnahmen herbei und schafft eine einmalige pauschale Auswirkung auf den jährlichen Änderungsrhythmus. Langfristig gesehen wird jedoch eingeschätzt, dass die hohen Steuersätze eine negative Auswirkung auf die Konsumausgaben und folglich auf die staatlichen Einnahmen aus der Mehrwertsteuer ausüben.

Im Gegensatz zu den vorstehenden Indizes stiegen die Neuzulassungen privater Personenkraftfahrzeuge in den letzten drei Jahren mit einem zweistelligen Prozentsatz an. Dieser Anstieg wird zurückgeführt auf:

  1. den (finanziellen) Anreiz aus dem sogenannten „Stilllegungs-Programm“ (sprich der subventionierten Verschrottung von Altfahrzeugen),
  2. die Ungewissheit bei den privaten Haushalten bezüglich eines eventuellen Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone im ersten Halbjahr 2015,
  3. die gestiegene Nachfrage nach Leasing-Fahrzeugen, die mit dem starken Anstieg des touristischen Verkehrs sowie auch der Erneuerung der Flotten bedeutsamer griechischer Unternehmen in den beiden letzten Jahren zusammenhängt.

Abbau der Verbindlichkeiten des Fiskus an den privaten Sektor

Zusätzlich wird erwartet, dass sich eine signifikante Stimulierung der Konsumnachfrage aus der rückläufigen Entwicklung fälliger Verbindlichkeiten des Fiskus an den privaten Sektor nach der Vollendung der ersten Bewertung ergibt. Spezieller wurde im November 2016 ein Abbau der fälligen Verbindlichkeiten in Höhe von 727 Mio. Euro beobachtet.

Der Abbau der Verbindlichkeiten des Fiskus an den Privatsektor führt zur Bereitstellung von Liquidität an die griechischen Unternehmen, von der erwartet wird, dass sie schrittweise in die gesamte Wirtschaft geleitet werden wird.

(Quelle: Imerisia)

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