Türken fliehen nach Griechenland

26. November 2016 / Aufrufe: 1.097

Um dem Pogrom in der Türkei gegen vermeintliche Anhänger Gülans zu entgehen, treffen in Griechenland immer wieder türkische Staatsbürger ein und ersuchen um Asyl.

Unter der Furcht der Verfolgungen entschieden sie sich zur Flucht: Die am vergangenen Sonntag (20 November 2016) auf der griechischen Ägäis-Insel Chios aufgegriffenen vier Frauen aus der Türkei versuchten, wieder mit ihren Männern zusammenzukommen, die zuerst geschafft hatten, ins Ausland zu entkommen.

Allesamt bei auf irgend eine Weise mit Fethullah Gülen in Relation stehenden Trägern, Instituten und Behörden beschäftigt, hatten auch sie sich nach dem gescheiterten Putsch des 15 Juli 2016 entschieden, ihr Vaterland zu verlassen.

Familienangehörige fliehen aus Furcht vor Verfolgung in der Türkei

Fethullah Gülen wird von der türkischen Regierung bzw. dem „durchgeknallten Sultan“ Erdogan als Verantwortlicher und Anstifter des Putsches betrachtet. Wie heute die auf Chios aufgegriffenen Frauen in ihren Aussagen erklärten, halten ihre Ehemänner sich in den USA, Russland und Schweden auf. Einer von diesen arbeitete in einem Krankenhaus in der Türkei und wurde nach dem gescheiterten Putsch entlassen. Seine in dem selben Krankenhaus beschäftigte Ehefrau fürchtete, ein ähnliches Schicksal haben zu werden.

Wie die Frauen behaupteten, wurden nach der Flucht ihrer Ehemänner ihre Telefone abgehört, ihre Bankkonten gesperrt und ihre Reisepässe annulliert. Wie sie in ihren Aussagen anführten, zwang dieses feindliche Klima sie, sich nach Griechenland zu begeben und politisches Asyl zu beantragen und damit dem Beispiel auch anderer türkischer Bürger nach dem Putsch zu folgen. Ihre Ehemänner hatten dagegen nicht die Lösung der Überfahrt nach Chios gewählt, sondern waren Informationen zufolge über Bulgarien geflohen.

In Begleitung eines türkischen Staatsangehörigen gelangten die Frauen am späten Nachmittag des vergangenen Sonntags mit einem Boot auf der Insel Chios ein. Der Schlepper zwangen sie, das letzte Stück bis zur Küste zu schwimmen, und schaffte danach, in die türkischen Hoheitsgewässer zurückzukehren, ohne von der griechischen Küstenwache bemerkt zu werden. Zwei der Frauen gelangten in Griechenland zusammen mit ihren jeweils unter acht Jahre alten Kindern an.

Bulgarien liefert türkische Flüchtlinge an Erdogan aus

Asylanträge haben auch andere türkische Bürger – Anhänger Gülens – gestellt, die ab August 2016 und nachfolgend auf Rhodos und Chios eintrafen oder den Evros-Fluss überquerten. Wenigstens drei Anträge sind bereits untersucht worden, jedoch hängen die einschlägigen Entscheidungen noch an. Entsprechende Vorfälle werden auch in anderen Ländern Europas verzeichnet. Beispielsweise wurden allein im Oktober 2016 in Deutschland 485 Asylanträge türkischer Bürger gestellt.

Im selben Moment fährt Bulgarien mit den Abschiebungen türkischer Bürger fort, die rechtswidrig sein Gebiet überqueren. So wurden im Oktober 2016 sieben Gülen-Anhänger in ihr Heimatland zurückgeschickt. Sie waren in einem Lastwagen ausfindig gemacht worden, der Rumänien zum Ziel hatte. Zwei von ihnen waren Polizeibeamte, einer war als Lehrer und einer als Journalist beschäftigt. Verwandte von ihnen protestierten und meinten, die Abschiebungen seien ohne die Zustimmung der türkischen Staatsangehörigen erfolgt, die um Asyl ersucht hatten. Die bulgarischen Behörden vertreten dagegen ihrerseits, von den 7 abgeschobenen Türken sei niemals offiziell ein solches Begehren geäußert worden.

(Quelle: Kathimerini, Autor: Giannis Papadopoulos)

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