Steuerhinterziehungs-Party im Tourismus Griechenlands

30. Oktober 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.455

Den Resultaten auf einer neuen Methode basierender Überprüfungen zufolge findet bei Hotels und Fremdenzimmern in Griechenland eine enorme Steuerhinterziehung statt.

Steuerhinterziehung … mit vielen „Sternen“ bei Hotels und Fremdenzimmern in ganz Griechenland enthüllt ein neues Modell für die Überprüfung und Recherche von Daten, dessen sich im Sommer dieses Jahres das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen (GGDE) bediente. Die (bisherigen) Ergebnisse beeindrucken und zeigen die im Zweig des Tourismus gefeierte Party der Steuerhinterziehung.

Die Prüfer machten allein für Juni 2016 bis zu 4,5 Mio. Euro erreichende Abweichungen zwischen deklarierten und geschätzten Einnahmen, Null-Deklarationen zur MwSt., Fremdenzimmer mit „unklaren“ Steuerunterlagen oder ohne geführte Bücher und mit MwSt.-Deklarationen mit monatlichen Umsätzen der Größenordnung von 147 oder 174 Euro oder sogar auch mit bei Null liegenden Umsätzen ausfindig, während die Auslastung der Unterkünfte über 90% lag und der durchschnittliche Zimmerpreis 70 Euro pro Übernachtung betrug, wie aus der Untersuchung festgestellt wurde.

Griechenlands Steuerfahnder wollen … Präsenz demonstrieren

Und alle diese Feststellungen beziehen sich auf Hotels und Fremdenzimmer mit doppelter Buchführung, also große Unternehmen (AG, GmbH und IKE) mit einem Umsatz von über 1,5 Mio. Euro. Anfang November 2016 und nachdem die periodischen MwSt.-Deklarationen für das Quartal Juli – August 2016 abgegeben worden sind, werden die Dienststellen des GGDE die Ergebnisse auch für die kleineren Unternehmen mit einfacher Buchführung haben.

Jüngst die ersten Resultate der Kontrollen präsentierend betonte der Generalsekretär für öffentliche Einnahmen, Giorgos Pitsilis, Ziel dieser Aktion sei, den Betroffenen zu zeigen, dass wir sie beobachten und erwarten, uns die Einnahmen zu melden, die sie zu melden haben. „Macht Eure Deklarationen, weil wir Euch im Auge haben„, führte er charakteristisch an und rief in Erinnerung, dass die Abgabefrist für die MwSt.-Deklarationen am kommenden Montag (31 Oktober 2016) ausläuft, während alle, die „Abenteuer“ mit dem Finanzamt vermeiden wollen, jedenfalls die Möglichkeit haben, modifizierende Deklarationen einzureichen und ihre wirklichen Einnahmen offenzulegen.

Ablauf des neuen Modells indirekter Steuerkontrollen in Griechenland

Die Dienststellen des GGDE „fuhren“ erstmalig ein in 8 Schritten ablaufendes Modell sommerlicher Überprüfungen, die alle populären touristischen Ziele in Griechenland – von Chalkidiki, Kavala und Syvota bis Mykonos, Santorin, Rhodos und Kreta – abdeckten:

  1. In einer ersten Phase erhielten die Dienststellen der GGDE von dem Ministerium für Tourismus zwei Archive mit den Datensätzen zu 10.114 Hotels und eine weitere Datei mit Angaben zu 26.384 Fremdenzimmern in ganz Griechenland.
  2. Die Auswahl des Musters erfolgte mit Kriterien einer Risiko-Analyse, wie geographische Verteilung, Hotel-Kategorie und Anzahl der Zimmer.
  3. Es wurde ein Muster mit 2.123 Unterkünften (Betrieben) gebildet, das 1.545 Hotels und 578 Fremdenzimmer(-vermieter) umfasste. Von diesen haben 901 eine doppelte Buchführung, die ersten (in dieser Kategorie obligatorisch monatlichen) MwSt.-Deklarationen hätten folglich im Juli 2016 abgegeben werden müssen, und 1.180 führen einfache Bücher, sind also bis Ende Oktober 2016 zur Abgabe einer alle 3 Monate einzureichenden MwSt.-Deklaration für das vorherige Quartal verpflichtet. Für 42 Betriebe lagen keine Informationen über geführte Bücher vor und es wird eine weitere Auswertung erfolgen.
  4. Telefonisch und per Internet wurden eine Recherche durchgeführt und die Übernachtungspreise und Auslastungen der Unterkünfte aufgezeichnet, so wie sie auf den Internetpräsenzen der Anbieter und auf spezialisierten Websites zur Auffindung touristischer Unterkünfte (booking, trivago) wiedergegeben wurden. Die Erforschung der Preise und Auslastung erfolgte auch telefonisch durch Kontrolleure des GGDE, die sich als Kunden ausgaben.
  5. Die Resultate der Internet-Recherche und der telefonischen Kommunikation wurden an die zuständigen Dienststellen des GGDE verteilt. Für 176 Fälle, in denen Abweichungen von über 100% zwischen dem höchsten und niedrigsten Zimmerpreis festgestellt wurden, wurden sie an die Direktion für Kotrollen zwecks umgehender Durchführung einer präventiven Überprüfung geschickt.
  6. Es erfolgte eine Trennung nach Buchführungs-Kategorie und Schätzung der erwarteten Einnahmen.
  7. Die geschätzten Einnahmen der Unterkünfte (Betriebe) für die überprüften Perioden werden mit den entsprechenden MwSt.-Deklarationen verglichen.
  8. Bei der GGDE-Direktion für Kontrollen wird zur weiteren Auswertung und Verwendung eine zweite Datei mit den Fällen erstellt, welche die signifikantesten Abweichungen aufweisen.

501 Hotels in Griechenland im „roten Bereich“ der Steuerhinterziehung

Für 501 Hotels und Fremdenzimmer(-vermieter) mit doppelter Buchführung (also relativ große Betriebe) ergab sich Folgendes:

  • 53 Unternehmen reichten überhaupt keine MwSt.-Erklärung ein oder deklarierten bei den einschlägigen Positionen der Erklärung keinerlei Betrag an Einnahmen nur aus den Übernachtungen. 46 von diesen wurden als von sehr hohem oder hohem Interesse eingestuft, wobei für 10 von diesen die Prüfung bereits begonnen hat.
  • 64 Unternehmen weisen Abweichungen von über 100.000 Euro auf und für 16 Fälle hat bereits die Steuerprüfung begonnen. Die wie aus der Anwendung der indirekten Kontrollmethoden hervorgegangenen Abweichungen zwischen eingeschätzten und deklarierten Umsätzen überschreiten sogar auch 4 Mio. Euro.
  • 384 Betriebe weisen Abweichungen von unter 100.000 Euro auf, parallel aber auch sehr niedrige Einnahmen aus.

Ausweitung indirekter Prüfmethoden auch auf andere Wirtschaftszweige

Chara Mavridou, Leiterin der GGDE-Direktion für steuerliche Konformität, führte an, das konkrete Überprüfungsmodell werde auch auf die Vermietungen von Unterkünften über die Internet-Plattform Airbnb ausgeweitet werden, während auf den Weg gebracht wird, von ausländischen Reiseveranstaltern und dem Verband der Tourismus-Unternehmen Griechenlands (SETE) Kataloge zu erhalten, damit ein vollständigeres Bild über den Tourismus-Zweig in Griechenland existiert.

Die Überprüfungen sollen auch in den kommenden Monaten fortgesetzt werden, sich auf den Wintertourismus konzentrieren und auch auf andere Zweige der Wirtschaft wie die Gastronomie (Restaurants, Bars, Nachtklubs) ausgeweitet werden.

(Quelle: Imerisia, Autorin: Maria Vourgana)

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