Milchkonsum in Griechenland im freien Fall

31. Oktober 2016 / Aufrufe: 1.127

Griechenlands Milchindustrie büßte innerhalb eines Jahres rund 85 Millionen Euro ein.

In Griechenland bricht der Milchverbrauch kontinuierlich ein, wobei in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 der Rückgang 16,9% an Volumen und 16,7% an Wert erreichte.

Wie Marktquellen betonen, vermag sich inzwischen ein signifikanter Teil der Bevölkerung nicht einmal mehr ein dermaßen grundlegendes Produkt mit einem hohen Nährwert und parallel relativ niedrigen Preis zu leisten. (Wozu allerdings anzumerken ist, dass in Griechenland die Verbraucherpreise für Milch im Vergleich zu anderen EU-Ländern nach wie vor sehr hoch sind.)

Sonderangebote bei Milch führten zu noch niedrigeren Umsätzen

Exklusiven Angaben der Nachrichtenagentur ANA-MNA zufolge sank in den neuen Monaten Januar – September 2016 das Volumen der Umsätze bei sogenannter „weißer“ Milch (Kondensmilch, pasteurisierte und hoch pasteurisierte Milch) gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2015 um 16%. In dem Zeitraum September 2015 – September 2016 wiederum erreichte der Rückgang des Verkaufsvolumens 15,4% und die Griechen tranken in diesen zwölf Monaten 48.000 Tonnen Milch weniger.

Auf einem negativen Kurs befindet sich laut den selben Angabe auch der Joghurt-Markt, jedoch bewegt seine Schrumpfung sich auf niedrigeren Niveaus. Konkret erreichte der Rückgang des Volumens der Verkäufe in den ersten drei Quartalen des Jahres 7,6% gegenüber über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum und auf 12-Monats-Basis 6,1%. Die Griechen konsumierten also innerhalb eines Jahres 3.500 Tonnen Joghurt weniger.

Die Marktzahlen auf Basis des Umsatzwertes sind jedoch noch negativer – was sich natürlich auch aus der Tatsache erklärt, dass es eine Fülle von Preis- / Sonderangeboten gibt, welcher Umstand wiederum zu noch niedrigeren (nominalen) Umsätzen führt.

Der Milchmarkt in Griechenland schrumpfte also in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 um 16,7% und auf 12-Monats-Basis um 15,2% und der Joghurt-Markt entsprechend um 7,8% und 6,6%, während der Markt der Käseprodukte, dessen Rückgang sowohl hinsichtlich des Volumens als auch des Wertes unter 3% liegt, halbwegs verschont zu bleiben scheint.

Griechenlands Milchindustrie verlor in einem Jahr rund 85 Mio. Euro

Es wird sogar veranschlagt, dass in Griechenland die Unternehmen der Milchindustrie in einem Jahr insgesamt rund 56 Mio. Euro auf dem Milchmarkt, rund 16 Mio. Euro auf dem Joghurt-Markt und rund 13 Mio. Euro auf dem Markt der Käseprodukte eingebüßt haben. Es ist allerdings anzumerken wert, dass einer der Gründe, aus dem der Markt für pasteurisierte und hoch pasteurisierte Milch in Griechenland hohe Einbußen bei dem Wert der Umsätze aufweist, die lange Zeit von der (mittlerweile insolventen griechischen Supermarkt-Kette) Marinopoulos SA verfolgte Handelspolitik ist, die jeden Montag und Dienstag alle Produkte dieser Kategorie für 99 Cent pro Liter verkaufte – mit dem Resultat, dass sie ungefähr 65% der gesamten durch die Supermärkte vertriebenen Milchmengen verkaufte.

Insgesamt büßte Griechenlands Milchindustrie jedenfalls in dem Zeitraum September 2015 – September 2016 um die 85 Mio. Euro ein. Wenn auch der Umstand berücksichtigt wird, dass sich im Zeitraum des letzten Jahrzehnts im Zweig der Milchindustrie sogar dutzende kleine Produktionsunternehmen entwickelten, ist die Größe des Problems offensichtlich, dem die Branche begegnet. Bezeichnend ist, dass der FAGE-Konzern (der seinen Sitz bereits 2012 von Athen nach Luxemburg verlegte) sich in diesem Jahr (2016) ganz aus dem Milchmarkt zurückzog und die FrieslandCampiba Hellas SA, eine der Top-Firmen der Branche und mit starker Produktionspräsenz in Griechenland, die Produktion der unter dem Handelsnamen „Nounou Eklekto“ vertriebenen Milch einstellte, weil sie ein teures Produkt war und einen niedrigen Verbrauch hatte.

Die vorstehend angeführte Situation hatte natürlich den Druck auf die Erzeugerpreise und die damit verbundene allgemeine Krise in der Viehwirtschaft in Griechenland zum Resultat.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. weekend
    2. November 2016, 19:08 | #1

    Die Milchpreise sind in Griechenland nicht zu teuer, wenn die Bauern noch etwas dabei verdienen sollen. Die Einfuhr von Billigmilch gehoert gestoppt, wenn die Wirtschaft wirklich angekurbelt werden soll. Aber das Geschaeft wollen ja der Welthandel und die Boersen machen, deshalb liegt ihnen nichts daran, einheimische Produkte zu „normalen“ Preisen zu verkaufen – denn da geht dem weltweiten Handel diese Verkaufsspanne verloren. Das gilt in meinen Augen auch bei allen anderen Produkten, ob Oliven, Olivenoel, Obst und Gemuese, usw. – das wird dann unter widrigem Anbau mit Billigloehnen und Ueberduenung als Massenware um die Welt gekarrt und mit Niedrigpreisen auf den Markt geworfen.

  2. ronald
    7. November 2016, 12:43 | #2

    Als ob die höheren Milchpreise in Griechenland den Bauern zugute kommen:

    Erzeugerpreis Griechenland: 0,38 €/Liter
    durchschnittlicher Milchpreis im Handel: 1,3 €/Liter
    Marge Handel / Transport etc: 0,92 €/Liter

    Erzeugerpreis Deutschland: 0,27 €/Liter
    durchschnittlicher Milchpreis im Handel: 0,70 €/Liter (einschl. Preiserhöhung November 2016)
    Marge Handel / Transport etc: 0,43 €/Liter

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