Folteropfer in Griechenland starb an … Herzanfall

14. Oktober 2016 / Aufrufe: 784

Die Vollzugsbeamten, die in Griechenland 2014 einen Häftling zu Tode folterten, kamen mit milden Haftstrafen davon, da laut dem Gericht die Folterung nicht todesursächlich war.

Das Schwurgericht Thessaloniki verhängte Haftstrafen von 5 bis 7 Jahren gegen 12 Strafvollzugsbeamten, die wegen des Falls des albanischen Häftlings Ili Kareli für schuldig befunden wurden, der im März 2014 in der Strafvollzugsanstalt Nigrita stundenlang brutal gefoltert und schließlich schwer verletzt sein Leben aushauchte.

Das Gericht beschloss, die verurteilten Vollzugsbeamten angesichts der Berufung unter der Auflage auf freien Fuß zu setzen, Griechenland nicht zu verlassen. Ein weiterer Kollege von ihnen wurde zu einer Freiheitsstrafe von 3 Monaten mit dreijähriger Bewährung verurteilt, während der damalige Gefängnisdirektor, der wegen Schutzes eines Kriminellen angeklagt war, freigesprochen wurde.

Brutale Folterung – Lynchjustiz ja, Rachemord nein

Gemäß dem Urteil des Schwurgerichts wurden sechs der angeklagten Gefängniswärter zu jeweils 5 Jahren, weitere drei zu jeweils 6 Jahren und die übrigen drei – darunter auch ein Haupt- und ein Unterwachtmeister – zu jeweils 7 Jahren Gefängnis verurteilt.

Den Tod des 42-jährigen Schwerverbrechers von der erlittenen Folterung abkoppelnd befand das Gericht die Angeklagten der Verübung von Folterungen für schuldig, aus denen dem Häftling Kareli im Grad eines Schwerverbrechens schwerste körperliche Verletzungen zugefügt wurden. Der mit einer Bewährungsstrafe belegte Strafvollzugsbeamte (ein externer Wächter) wurde der Folterung im Grad eines einfachen Vergehens für schuldig befunden.

Auf die Anklagebank waren insgesamt 14 Strafvollzugsbeamten mit der Anklage gebracht worden, den (in einer bis heute fragwürdigen Aktion nach Nigrita verlegten) Häftling Ili Kareli als Vergeltung für den Mord gefoltert zu haben, den er zwei Tage vorher an ihrem Kollegen Giorgos Tsironis in den Gefängnisanlagen Malandrino begangen hatte. (Siehe auch: Vollzugsbeamten in Griechenland folterten Häftling zu Tode)

Folteropfer sind selbst schuld, wenn sie … krepieren

Das Gericht gab teilweise dem zwei Tage zuvor gestellten Antrag der die Anklage vertretenden Staatsanwältin statt, die verlangt hatte, die Angeklagten wegen der Ausübung von Folterungen in der einfachen Form der Tat für schuldig zu befinden, wobei sie urteilte, der Tod des Häftlings sei nach einem Herzanfall hervorgerufen worden, dessen Beginn zeitlich vor seiner Ankunft in den Gefängnisanlagen Nigrita angesiedelt sei.

Es handelte sich nicht um einen Anfall, der in einem Schub (sondern allmählich) verlief„, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer angeführt und angefügt, die Angeklagten hätten nicht gewusst, dass Ili Kareli herzkrank war, und auch nicht, dass er sich im Zustand eines ischämischen Anfalls befand.

Letztendlich beschloss das Gericht, die Angeklagten der Folterungen in Kombination mit den schweren körperlichen Verletzungen für schuldig zu befinden, die dem Opfer zugefügt wurden.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Götterbote
    15. Oktober 2016, 00:47 | #1

    Auf die Gefahr hin, jetzt von vielen Seiten Prügel zu beziehen: die Tat lässt sich menschlich gesehen verstehen, wie man sie auch menschlich gesehen verachten kann. Zudem finde ich, dass die Angeklagten vergleichsweise hart, aber fair bestraft werden. Wenn man sieht, welche lächerlichen Strafen in Deutschland verhängt werden, kann man nicht von einem Skandal sprechen.

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