Europa lässt Griechenland im Flüchtlingsproblem hängen

30. September 2016 / Aktualisiert: 01. Oktober 2016 / Aufrufe: 885

Laut Pro Asyl wird Griechenland im Flüchtlingsproblem von Deutschland und anderen Ländern der EU schamlos im Stich gelassen und in eine hoffnungslose Lage getrieben.

Günter Burkhardt, Geschäftsführer der deutschen Organisation Pro Asyl, urteilte in einem Interview an die Zeitung „Die Welt“, „die deutsche Regierung treibt zusammen mit anderen Staaten der Europäischen Union Griechenland im Flüchtlingsproblem in eine hoffnungslose Lage„.

Die Teilnehmer der internationalen Konferenz zur Flüchtlingspolitik in Wien einigten sich auf eine strengere Kontrolle der Außengrenzen der EU an der Balkanroute durch die Frontex. Die Flüchtlinge können so jedoch „keine gerechte Untersuchung ihres Asylantrags“ haben. Eine solche Möglichkeit werden sie fortan „weder in Griechenland noch in einem anderen Land der EU haben„, betonte Günter Burkhardt.

Flüchtlingen in Griechenland wird Familienzusammenführung verweigert

Wie am vergangenen Wochenende die „Welt am Sonntag“ schrieb, beabsichtigt die deutsche Regierung, jährlich 6.000 Flüchtlinge aus Griechenland und Italien – also jeden Monat 500 aus jedem der beiden Länder – aufzunehmen, damit die Zusammenführung ihrer Familien erfolgt. Die Organisation Pro Asyl erachtet allerdings, diese Anzahl sei sehr gering: „Selbst wenn Deutschland zukünftig 500 Flüchtlinge im Monat aufnimmt, ändert dies nichts für die übrigen 60.000, die dort (in Griechenland) eingeschlossen sind„, meinte Herr Burckhardt gegenüber der deutschen Zeitung.

Viele dieser Flüchtlinge haben ein Recht, sich in andere Länder der EU zu begeben, da auch sie dort Mitglieder ihrer Familien haben. Weil es der deutschen Botschaft in Athen an Personal mangelt und wegen der Inexistenz eines griechischen Systems zur Asylgewährung wird dies in der Praxis jedoch zunichte gemacht werden„, vertritt der Leiter der Pro Asyl.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

Griechenland ist nicht an der Misere der Flüchtlinge schuld

Im selben Zusammenhang publizierte am 28 September 2016 auch die deutsche Zeitung „Die Zeit“ unter dem Titel „Griechenland ist nicht schuld“ einen Artikel, in dem es eingangs lautet: „Die Situation (der Flüchtlinge) auf Lesbos ist nicht auf griechisches Versagen zurückzuführen. Viele EU-Staaten verweigern noch immer die sehr lange versprochene Unterstützung.

Was speziell das vor bereits einem Jahr vereinbarte Umsiedelungs-Programm betrifft, in dessen Rahmen Griechenland rund 63.000 Flüchtlinge abgenommen und auf andere Länder der EU und des Schengen-Raums verteilt werden sollen, jedoch bis heute nicht einmal 4.500 Personen umgesiedelt worden sind, lautet es abschließend:  „Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass nahezu alle Mitgliedstaaten ihr Soll nicht erfüllen – oder sich, wie Polen, Österreich und Ungarn, fast oder komplett verweigern.

(Quelle: Zeit Online)

  1. Kommentar
    30. September 2016, 19:52 | #1

    US-Präsident Obama lobte am 21.9.2016 Österreich für seine Vorreiterrolle bei der Aufnahme vor Flüchtlinge bei seiner Rede vor der UNO.

  2. Gerold Walt
    1. Oktober 2016, 23:44 | #2

    Österreich hat letztes Jahr 95000 Flüchtlingen Asylrecht mit vollen Bezügen gewährt. Weiters wird’s kleine Land Österreich mit seinen 8 Millionen Einwohnern weitere 150 000 Flüchtlingen verteilt auf 4 Jahre Asylstatus gewähren. Heuer ist die Quote mit über 30 000 genehmigten Asylanträgen schon fast erschöpft. Wir sprechen hier von bisher 120 000 genehmigten Asylanten innerhalb von zwei Jahren die alle die in Österreich sehr hohen Unterstützungsbeiträge bekommen. Kein Land in Europa hat gemessen an der Bevölkerung so viele Menschen aufgenommen und so gut es geht integriert in Schulen, Jobs oder Mindestsicherung, welche in ganz Europa die höchste ist. So gesehen ist der Beitrag der deutschen Organisation Pro Asyl in der `Zeit` eine Frechheit und übelste Stimmungsmache.

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