Steuerhinterziehungs-Orgie bei illegalen Vermietungen in Griechenland

12. Juli 2016 / Aufrufe: 827
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Dem Fiskus in Griechenland entgehen enorme Einnahmen aus privaten Vermietungen von Villen und Wohnungen an Ausländer, die nicht regulär deklariert werden.

Auch in diesem Jahr findet in Griechenland mit den Vermietungen luxuriöser Wohnhäuser eine „Orgie“ der Steuerhinterziehung statt, wobei das Phänomen sich – wie Träger des Immobilienmarkts berichten – inzwischen auch auf Kleineigentümer ausgeweitet hat, die zusätzliche unversteuerte Einnahmen sicherstellen, indem sie ihre Wohnungen an Touristen vermieten, ohne dass das Finanzamt das Geringste davon weiß.

Die Mittel, derer die Eigentümer solcher Immobilien sich bedienen, sind etliche und in gewissen Fällen komplex, das Resultat ist jedoch das selbe, nämlich dass also der Fiskus Einnahmen verliert, von denen nicht auszuschließen ist, dass sie sogar 1 Mrd. Euro jährlich tangieren.

Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen über Auslandsfirmen

Auf den populären Kykladen-Inseln wie Mykonos und Santorin sind etliche luxuriöse Ferienwohnungen des Landes zu finden. Es geht um möblierte Immobilien, die für die erbrachten Services über die erforderlichen Bescheinigungen seitens des EOT verfügen, in der Regel aber als leer stehend ausgewiesen werden – ihre Besitzer deklarieren also keine Einnahmen aus der Nutzung ihrer Immobilien, obwohl so etwas nicht zutrifft. Stattdessen ist eine der Praktiken, die gegenüber der griechischen Zeitung „Kathimerini“ Insider des Immobilienmarkts anführen, dass ein gewerblicher Makler mitwirkt.

Es handelt sich um Firmen, die – natürlich mit der Zustimmung des wirklichen Eigentümers – als Verwalter der jeweiligen Immobilien auftreten. Diese Firmen haben ihren Sitz im Ausland, vorzugsweise in Zypern oder einem Balkanland wie Bulgarien, und selbstverständlich führen sie dort ein Bankkonto.  Nachdem sie also mit einem ausländischen Interessenten für die – üblicherweise monatsweise erfolgenden – Vermietung einer Villa zu einer Vereinbarung kommen, weisen sie ihn an, das Geld auf das konkrete Auslandkonto zu überweisen. Mittels dieses Verfahrens werden jede Art von Besteuerung vermieden und natürlich auch die auf dem griechischen Staatsgebiet geltenden Kapitalverkehrskontrollen umgangen.

Nachdem der Mietbetrag überwiesen ist, übernehmen im weiteren Verlauf die Vertreter der Verwaltungsgesellschaft, den Eigentümer zu bezahlen, was nach Abzug der einschlägigen „Provision“ für die erbrachten Dienstleistungen in der Regel in bar erfolgt. Kurz gesagt, angesichts der Tatsache, dass die Transaktion außerhalb des griechischen Banksystems geschieht, ist es auch schwer, dass sie von den Steuerbehörden aufgespürt wird, selbst wenn ein Verdacht auf Steuerhinterziehung besteht.

Die konkrete Praxis hat in den letzten zwei, drei Jahren große Dimensionen anzunehmen begonnen, da der Anstieg des Touristenstroms nach Griechenland auch die Nachfrage nach Anmietungen luxuriöser Häuser verstärkt hat. Die transferierten Beträge können für nur ein einziges Haus z. B. auf einer der populären Kykladen-Inseln sogar monatlich 30.000 – 40.000 Euro erreichen. Wenn mitberücksichtigt wird, dass der bestehende Steuersatz für den Erwerb von Mieteieinkünften sich für Jahreseinkommen (aus Mieteinnahmen) von über 12.000 Euro auf 35% und für Einkommen von über 35.000 Euro auf sogar 45% gestaltet, wird erkennbar, welche Beträge dem griechischen Fiskus entgehen.

Ergänzend sei in Erinnerung gerufen, dass die Anzahl der Ferienhäuser, die durch den EOT zertifiziert sind, sich in ganz Griechenland auf insgesamt 9.500 beläuft. 80% davon erhielten die einschlägige „Plakette“ erst in den beiden vergangenen Jahren.

„Schwarze“ Vermietungen in Athen und ganz Griechenland

Eine ausgedehnte Steuerhinterziehung unterstreichen die Maklerbüros auch in Fällen von Wohnungen in Athen, aber auch in Feriengebieten im ganzen Land. Wie sie berichten, „vergisst“ ein großer Anteil der Eigentümer, die ihre Immobilien über per Internet erbrachte Immobilien-Sharingdienste an Ausländer vermieten, die einschlägigen Verträge zu deklarieren.

Es sei daran erinnert, dass jede Vermietung (also speziell auch Kurzzeit-Vermietungen an Ausländer) obligatorisch per TAXISnet gemeldet werden muss. Wenn jedoch der Mieter ein ausländischer Staatsangehöriger ist, der die einschlägige Aufwendung nicht (im Rahmen einer Einkommensteuererklärung) in Griechenland deklarieren wird, womit das Finanzamt zu Recherchen schreiten könnte, ist es für den Eigentümer viel einfacher, z. B. nur ein oder zwei von den möglicherweise 30 Vermietungen zu deklarieren, die er jährliche realisiert.

Daher ist eine engere Zusammenarbeit zwischen dem griechischen Fiskus und den einschlägigen Internet-Plattformen erforderlich, die aufgrund der Tatsache, dass ihre Bezahlung in Form einer Provision für jede realisierte Vermietung erfolgt, über alle Transaktionsdaten verfügen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Cyr
    13. Juli 2016, 13:00 | #1

    Nur sind die einschlägigen Internetplattformen überhaupt nicht daran interessiert mit den Finanzämtern zusammenzuarbeiten.

  2. Rudi
    14. Juli 2016, 09:04 | #2

    Wer 35/45% von jeder Vermietung abkassieren will, braucht sich nicht wundern, dass sich die Vermieter drücken. Ähnlich ist es mit der Mehrwertsteuer. Oft muss ich im Lokal den Kassenbeleg einfordern. Es sieht so aus, als wäre die höhere Mehrwertsteuer für viele Wirte ein Segen, weil die zum großen Teil in deren Tasche wandert.
    Was sagt uns das? Je höher die Steuer, um so lohnender der Betrug!

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