Griechenland: Fruchtlose Pfändungen in … leere Konten

10. Juli 2016 / Aufrufe: 503
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Obwohl in Griechenland alltäglich zahllose Pfändungsbescheide an die Banken ergehen, bleibt die Ausbeute mager, da es auf vielen Konten nichts zu pfänden gibt.

In Griechenland hagelt es (auch) für Schuldner der gesetzlichen Sozialversicherungsträger „elektronische“ Pfändungsbescheide, allerdings befinden sich auf den gepfändeten Bankkonten zu einem 70% erreichenden Anteil nur Kleinbeträge der Größenordnung von 0,02 Cent bis zu bestenfalls 100 Euro.

In vielen Fällen von Großschuldnern mit Verbindlichkeiten von jeweils über 500.000 Euro wiederum werden die Pfändungsbescheide in der Regel ohne jegliche Resultate (sprich Einnahmen) zurückgeschickt, da es absolut nichts mehr zu holen gibt.

Lächerliche Pfändungsergebnisse von maximal 100 Euro

Im ersten Halbjahr 2016 wurden in Griechenland von der „Zentrale für die Beitreibung von Versicherungsschulden“ (KEAO) über 60.000 elektronische Pfändungsbescheide an die Banken verschickt, in den meisten Fällen waren die Konten der Schuldner jedoch leer. Etwa 10% – 15% der elektronischen Anweisungen zu Beitreibungen in Händen Dritter gingen sogar ohne jegliche Einnahmen zurück.

Das Imposanteste, was in den internen statistischen Daten der KEAO verzeichnet ist und am Sonntag (09 Juli 2016) von der griechischen Zeitung „Eleftheros Typos“ enthüllt wurde, ist jedoch der Umstand, das zu einem großen Anteil die mit den elektronischen Pfändungsbescheiden blockierten und eingezogenen Beträge gerade einmal zwischen einigen Cent bis hin zu 100 Euro lagen – gegenüber Schulden, die ab minimal 5.000 Euro beginnen und bis zu dutzende Millionen erreichen!

(Es sei angemerkt, dass fällig gestellte Verbindlichkeiten an Sozialversicherungsträger in Griechenland dereit erst ab einer Gesamtschuld von wenigstens 5.000 Euro an die KEAO übermittelt werden. Im Gegensatz zu den berüchtigten „Express-Pfändungen“ der Finanzämter, die auch schon nur wegen lächerlicher Bagatellbeträge und ohne vorherige Informierung der Betroffenen veranlasst werden, wird den Schuldnern der Kassen auch in dieser Phase immer noch die Möglichkeit geboten, ihre Verbindlichkeiten zu „regulieren“ – sprich zu begleichen oder eine Ratenzahlungsvereinbarung zu beantragen – um die Pfändung ihrer Bankkonten abzuwenden.)

Kontopfändungen erweisen sich als Crash-Test

Wie der Bericht der KEAO für das zweite Quartal 2016 anführt, der in den kommenden Tagen offiziell bekannt gegeben werden soll, zeigt sich die Ausbeute der elektronischen Pfändungsbescheide seit dem letzten Jahr immerhin ansteigend (beispielsweise wurden im ersten Quartal 2016 rund 9,8 Mio. Euro beigetrieben). Dieser Vergleich ist allerdings außerordentlich unsicher (sprich nichtssagend), da im vergangenen Jahr (sowohl vor als auch nach der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen) die Pfändungsbescheide über Gerichtsvollzieher, also in dem konventionellen alten zeitraubenden Verfahren ergingen und die Resultate buchstäblich inexistent waren. Die Schuldner hatten u. a. die Gelegenheit, andere dringlichere Verbindlichkeiten zu begleichen, und wenn es endlich zur Pfändung kam, war das (gepfändete) Bankkonto bereits leer geräumt worden.

Die Zentrale für Versicherungsschulden (KEAO) verschickt derzeit auf alltäglicher Basis an die griechischen Banken rund 600 Pfändungsbescheide mit Beitreibungsbefehlen zu Lasten der Schuldner der (gesetzlichen) Kassen. Eine solche Anweisung kann für den selben Schuldner an alle vier sogenannten systemischen griechischen Banken ergehen. Auf dem einen Konto mögen sich 50 Euro, auf einem anderen 30 Euro oder sogar auch 10 oder 5 Euro befinden.

Das Muster der Kleinbeträge, welche die Schuldner auf ihren Konten haben, zu deren Lasten Pfändungsbescheide ergehen, zeigt jedenfalls, dass diese zu einem sehr großen Anteil (Amtsträgern der Kassen zufolge nahe bei 70%) unter 100 Euro liegen. Praktisch sind also die Konten bereits leer, bevor die Pfändungsbescheide eintreffen!

(Quelle: eleftherostypos.gr, Autor: Kostas Katikos)

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