Verstimmung über Putins Besuch in Griechenland

31. Mai 2016 / Aufrufe: 1.414
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Die bei dem Besuch Putins in Griechenland demonstrierte Bereitschaft der griechischen Regierung zu einer Zusammenarbeit mit Russland scheint auf Missfallen zu stoßen.

Die deutschsprachige Presse kommentierte ausführlich den Besuch des russischen Präsidenten Vladimir Putin in Griechenland und sprach von einer versöhnlichen Haltung des griechischen Premierministers Alexis Tsipras gegenüber Russland, im Gegensatz zu der von der EU aufrecht erhaltenen Position.

Das Wirtschaftsmagazin Handelsblatt veröffentlichte einen Artikel, in dem es ein zuversichtliches Szenarium für die griechischen Banken umreißt, da – wie die Zeitung schreibt – die letzten Zahlen wieder Gewinne zeigen. „Für die vier größten griechischen Banken endet eine schwierige Periode. Nach fünf Jahren der Verluste streben die Finanzinstitute an, innerhalb des Jahres 2016 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. In den vergangenen fünf Jahren hatten sich bei den vier griechischen Banken Verluste in Höhe von 50,6 Mrd. Euro angesammelt. Folglich ist die jetzt dank der Zahlen des letzten Quartals eingetretene Erleichterung noch größer.

„Tsipras macht sich bei Putin lieb Kind“

Der Besuch des russischen Präsidenten Vladimir Putin in Griechenland rief in der deutschsprachigen Presse eine Fülle diverser Kommentare hervor. Die Kommentatoren erachten, die Haltung der griechischen Regierung und ihre Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit mit der russischen Seite stehen im Gegensatz zu der Position der EU gegenüber Russland.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete in ihrer Sonntagsausgabe charakteristisch: „Athen scheint von den Gläubigern befreit werden zu wollen. Die europäischen Staaten und der IWF mögen Athen zwingen, alle staatlichen Unternehmen zu verkaufen, jedoch entscheidet Griechenland, an wen es sie verkaufen wird. Tsipras würde nichts dagegen haben, wenn die Russen den Hafen von Thessaloniki und die staatliche Eisenbahn übernehmen würden.“ Im weiteren Verlauf des Artikels mit dem Titel „Tsipras macht sich bei Putin lieb Kind“ wird gefolgert, Putin und Tsipras stellen ein passendes politisches Zwillingspaar dar. „Es scheint, dass der mächtige Politiker Putin und Leichtgewicht Tsipras, als das ihn die Opposition in seinem Land und die Gläubiger im Ausland betrachten, sich fanden.

Die Zeitung Kölner Stadt-Anzeiger kommentierte ebenfalls den in Rede stehenden Besuch. „Der griechische Premierminister erkannte inzwischen die Hoffnungen als vergeblich an, Russland werde Griechenland helfen, mit Milliardenkrediten aus den Schulden herauszukommen. Nun hofft er auf die Initiative der Russen in dem Projekt der griechischen Privatisierungen, die er Anfang 2015, als er sein Amt antrat, kategorisch ablehnte. Die russischen Staatsunternehmen haben Interesse an der griechische Eisenbahn und dem Hafen von Thessaloniki gezeigt. Zusätzlich erörtern sie auch gemeinsame Energie- und Tourismus-Projekte.

Flüchtlingsproblem: „Europas Schande bleibt bestehen“

Ein anderes griechisches Thema, das am vergangenen Wochenende die deutschen Zeitungen – darunter auch den Kölner Stadt-Anzeiger – beschäftigte, ist jenes in Bezug auf Idomeni und die Verlegung der Flüchtlinge, die in dem konkreten Lager lebten.

Das Lager des Elends bei Idomeni in Nordgriechenland ist geschlossen worden. Ohne Zwischenfälle. Was wird jedoch nun mit den Flüchtlingen geschehen? In Griechenland haben sie keine Perspektive. Dies liegt an den Unterlassungen der griechischen Regierung, aber auch an der Untätigkeit Europas„, schrieb der Journalist charakteristisch und lastete der EU einen großen Teil der Verantwortung an. „Mit der Schließung des Lagers bei Idomeni mag ein düsterer Punkt ausraddiert worden sein, jedoch erfolgte kein signifikanter Fortschritt. Europas Schande bleibt bestehen.

(Quelle: DW, Autorin: Alexandra Kosma)

Querelen auch in Griechenland

Die Verquickung von Politik und Religion sorgte Presseberichten zufolge allerdings auch in Griechenland für heftige Verstimmungen – und zwar konkret in Zusammenhang mit Putins Besuch der Mönchsrepublik Athos. Gemäß den Wünschen der griechischen politischen Führung sollte dort der russische Präsident auf dem Platz der Athos-Hauptstadt Karyes von dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos empfangen werden, die Priesterschaft beharrte jedoch auf dem „Protokoll“, laut dem bei solchen Besuchen der Empfang dem Gastgeber, also den Repräsentanten des … sagen wir mal „Kollektivs“ vorbehalten ist. (Dass die einerseits griechisch und andererseits russisch orthodoxen Bruderschaften sich nicht unbedingt „grün“ sind und gegebenenfalls sogar auch schon mal gegenseitigdie Nasen blutig schlagen, steht auf einem anderen Blatt … .)

Das war aber noch eher ein Geplänkel, richtig gerappelt hat es hinter den Kulissen vielmehr wegen des Disputs darüber, welcher der beiden Staatsmänner bei dem anschließenden feierlichen Dankgottesdienst auf dem sogenannten Bischofsthron Platz nehmen dürfen sollte. Die Kleriker beharrten auch hier auf dem Zeremoniell, das diesen Platz dem Ehrengast – im Vorliegenden also Putin – vorbehält, womit Pavlopoulos sich mit einem (eine Stufe tiefer stehenden) „Stühlchen“ neben Putin hätte begnügen müssen. Der Vorschlag, anlässlich der besagten Messe für die beiden Staatsmänner einfach zwei identische Thronsessel aufzustellen, wurde ebenfalls resolut zurückgewiesen.

All dies hatte schließlich zum Resultat, dass der griechische Staatspräsident Vladimir Putin bei dessen Ankunft am Administrationspalast in Karyes nur kurz förmlich begrüßte und der Messe … überhaupt nicht beiwohnte.

Ach ja, und der „Sondersekretär für Themen religiöser Diplomatie“ des griechischen Außenministeriums wurde von den Athos-Popen wegen seiner „unerhörten Handhabung“ des Themas kurzerhand zur „persona non grata“ erklärt, gemäß dem griechischen Sprichwort: „Wenn die (Wasser-) Büffel sich streiten, bezahlen die Frösche die Zeche!

  1. windjob
    31. Mai 2016, 12:49 | #1

    Das ist wieder mal typisch für die deutsche Presse sich in ausländische Angelegenheiten einzumischen. Herr Tsipras ist der gewählte Premier eines souveränen Staates und kann selbst wählen, wen er einlädt. Ausserdem. wen wundert denn dieses Verhalten. Die gesamte EU hat doch Griechenland auf unverschämte Weise erpresst und in der Flüchtlingsfrage brutalst hängen lassen. Da ist es doch absolut nicht verwunderlich, dass Herr Tzipras sich andere Verbündete sucht. Nicht zu vergessen die traditionelle Verbundenheit beider Staaten aufgrund der gemeinsamen Religion.

  2. Kleoni
    31. Mai 2016, 14:41 | #2

    Die Tsipras-Regierung MUSS privatisieren, aber als Käufer sollen nur die Schnäppchenjäger von Geldgebersgnaden zum Zuge kommen und Russland gehört da nicht dazu, obwohl es an der maroden griechischen Eisenbahn interessiert ist. Alles soll, wie damals in den neuen Bundesländern, für 1 € verscherbelt werden, damit sich die Kredithaie auf Kosten des griechischen Volkes ein paar fette Brocken sichern.

  3. Griechenlandfreund
    31. Mai 2016, 19:38 | #3

    Ich kann nur eine extrem kritische Position erkennen, die der Schweizer „Züricher Zeitung“. Aber auch diese Zeitung schreibt inhaltlich sachlich sehr richtiges: „Der Kreml wird Putins Griechenlandbesuch somit vor allem für innenpolitische Zwecke ausschlachten, um zu zeigen, dass Russland in Europa nach wie vor Freunde hat und Putin stramm zur Orthodoxie steht. Alles andere als solche Symbolik wäre schon eine kleinere Überraschung.“ In dem Artikel wird noch erläutert, das Russland faktisch wegen eigener wirtschaftlicher Probleme kaum mehr in Griechenland investiert, die „Energieprojekte“ sind zudem längst gestorben. Von daher war der Besuch unwichtige Symbolik, mit einer Bedeutung ausschließlich für Russland.

  4. Ronald
    31. Mai 2016, 22:32 | #4

    Sorry, aber meine Phantasie reicht nicht aus um da eine Verstimmung herauszulesen.

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