Belastungen eliminieren Selbständige in Griechenland

13. Mai 2016 / Aufrufe: 1.558
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Die neuen Bestimmungen über Besteuerung und Sozialabgaben in Griechenland bringen für Freiberufler und Selbständige schockierende Belastungen.

Gemäß der in Griechenland am vergangenen Sonntag (08 Mai 2016) im Parlament ratifizierten Vorlage zum Versicherungsgesetz werden die Freiberufler zu Geschäftspartnern mit dem Staat, da die Änderungen bei den Steuersätzen, der sogenannten – inzwischen jedoch alles andere als – „außerordentlichen“ Solidaritätsabgabe und den Abzügen (sprich speziell Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung) eine explosive Landschaft schaffen.

Erwirtschaftet beispielsweise ein Freiberufler einen Reingewinn (vor Steuern) von 70.000 Euro, bleibt ihm nach Abzug direkter Steuern und Abgaben fast das selbe Geld als ob er Reingewinne von 50.000 Euro gehabt hätte.

Je mehr jemand erwirtschaftet, desto weniger verdient er

Aufzeigend wird jemand, der einen Reingewinn von 70.000 Euro erwirtschaftet, sehen, dass ihm gerade einmal 16.304 Euro im Portmonee (also nicht einmal 1.500 Euro im Monat) verbleiben, um seine Verpflichtungen zu decken, und zwar sogar ohne Berücksichtigung eventueller anderer steuerlicher Verpflichtungen wie beispielsweise der sogenannten Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer“ (ENFIA) und natürlich der unzähligen indirekten Steuern auf Treibstoffe, Sonderverbrauchssteuern usw.

Bezeichnend sind die von dem TV-Sender Mega präsentierten Beispiele, die jüngst die Wirtschaftskammer gab und sich auf im konkreten Fall auf einen freiberuflich tätigen Ökonomen, im übrigen jedoch sinngemäß auf alle Freiberufler und Selbständigen beziehen:

Erwirtschafteter Jahresgewinn vor Steuern (€) 12.000,00 24.000,00 36.000,00 50.000,00 70.000,00
Sozialabgaben (€) 3.234,00 6.468,00 9.702,00 13.475,00 18.865,00
Einkommensteuer (€) 1.928,52 3.857,04 6.226,13 9.713,59 16.009,64
Steuervorauszahlung (€) 1.928,52 3.857,04 6.226,13 9.713,59 16.009,64
Gewerbeabgabe (€) 650,00 650,00 650,00 650,00 650,00
Solidaritätsabgabe (€) 0,00 121,68 490,83 1.099,99 2.160,91
Verbleibendes Jahreseinkommen (€) 4.258,96 9.046,24 12.704,91 15.347,83 16.304,81
Einkommen / Gewinn 35,49% 37,69% 35,29% 30,70% 23,29%
Resultierendes Monatseinkommen (€) 354,91 753,85 1,058,74 1.278,99 1.358,73

Entsprechend ist das Bild auch bei all denen, die höhere Gewinne haben, da parallel die Belastungen (überproportional) steigen (und in extremen Fällen bis zu über 80% erreichen können). In allen Fällen fließen jedenfalls minimal rund 65% des Einkommens an das Finanzamt und die gesetzlichen Versicherungskassen.

Kredite für Begleichung von Steuern und Abgaben

Der Präsident der Wirtschaftskammer Griechenlands, Konstantinos Kollias, schlägt inzwischen die Untersuchung der Möglichkeit zur Bewilligung spezieller Kredite an Freiberufler für die Begleichung ihrer Verpflichtungen bezüglich der Abgaben zur gesetzlichen Sozialversicherung und steuerlichen Belastungen vor. Anlässlich der Ratifizierung der Vorlage zum Versicherungs- und Steuergesetz gab Herr Kollias folgende Erklärung ab:

Das in der ratifizierten Gesetzesvorlage umfasste neue System der Berechnung der Versicherungsbeiträge und steuerlichen Belastungen ist für die Ökonomen und die Gesamtheit der Freiberufler noch belastender. Charakteristisch ist, dass in vielen Fällen dem Steuerpflichtigen nicht nur minimale Beträge bleiben, sondern auch jegliche sich ergebende Gewinne annulliert werden und ihn zwingen, sogar auch noch aus eigener Tasche draufzulegen, einzig und allein um seinen Verpflichtungen an das Finanzamt und die Versicherungskassen zu entsprechen … . Mit welcher Logik nimmt der Fiskus an, das alles, was in Rechnung gestellt wurde, gleichzeitig auch eingenommen wurde? Hat die Regierung sich mit den Banken verständigt, damit sie die Gewährung – nunmehr – spezieller Kredite an die Selbständigen zwecks Begleichung ihrer konkreten Verpflichtungen untersuchen?

(Quelle: Imerisia)

  1. windjob
    13. Mai 2016, 08:21 | #1

    Zum Teil ist dies eine Milchmädchenrechnung. Die Steuervorauszahlung mit zu berücksichtigen ist falsch hilft aber der Presse zu dramatisieren. Wie das Wort ja ausdrückt ist es eine Vorauszahlung und wird dann wieder verrechnet. Auch in Deutschland muss z.B. die MwSt. im Voraus bezahlt werden. Hier liegt die Krux wieder bei der prozentualen Darstellung die, wenn man die Vorauszahlung abzieht, wieder etwas anders ausschaut. Ob das Ganze fair ist steht auf einem anderen Papier.

  2. Antonios Vassiliadis
    13. Mai 2016, 10:10 | #2

    Bei diesen Zahlen fährt das Land endgültig an die Wand! Dabei frage ich mich, was machen die Chinesen mit Firmen wie COSCO in Piräus oder die Deutschen mit Fraport anders und kommen danach mit gutem Gewinn dabei raus? Vermutlich ist deren Firmensitz nicht in Griechenland und dort wird anzunehmenderweise auch kaum Steuern gezahlt. Aber einen Griechen bei einer Ummeldung nach Bulgarien oder Zypern wegen Steuerhinterziehung zu verurteilen, da ist man schnell dabei. Immer auf die Kleinen. Die Großen dürfen wohl bescheissen was das Zeug hält, ohne Konsequenzen zu befürchten, oder wie? Das wird einem in vielen Medien immer wieder vor Augen gehalten, ob man diese jetzt Geldgeber oder EU nennt. Irgendwo stinkt diese Unfähigkeit, das Land wieder aufzubauen, gewaltig. Nur weiter so. Noch ein wenig weiter bei den Rentnern einsparen und die Selbstmordrate geht auf Rekordniveau. Den Griechen platzt demnächst endgültig der Kragen!

  3. schnucki
    13. Mai 2016, 12:47 | #3

    Die Krux ist die Vorauszahlung. Bei solchen Belastungen wird die Mehrheit nächstes Jahr nämlich keine Steuerklärung mehr abgeben können / wollen, da finanziell ruiniert.

  4. Konstantin
    13. Mai 2016, 15:38 | #4

    Die Zahlen sprechen für sich. Die nächste Pleitewelle ist schon vorprogrammiert. Was wird Griechenland machen, wenn die Wirtschaft total ruiniert ist und der Staat alles verkauft hat was regelmässiges Einkommen gebracht hätte. Dann kommen die Investoren und „retten“ Griechenland, es kann einem nur noch schlecht werden.

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