Unternehmen in Griechenland müssen schließen oder abwandern

1. April 2016 / Aufrufe: 975
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Laut der IHK Athen bleiben den Unternehmen in Griechenland nur zwei Optionen, nämlich entweder zu schließen oder ins Ausland abzuwandern.

Abwanderung oder Schließung … ist das Dilemma, dem die heutzutage in Griechenland tätigen Unternehmen zu begegnen haben.

Ungefähr so könnte man die Ergebnisse der Untersuchung zusammenfassen, welche die Industrie- und Handelskammer Athen (EBEA bzw. ACCI) durchführte und sich auf die Hauptbelastungen der griechischen Arbeitgeber im Verhältnis zu den Unternehmen ihrer Nachbarländer bezieht.

Griechenland hat eins der unternehmensfeindlichsten Steuerumfelder

Es geht um die Steuersätze bei den Unternehmen, die Sozialversicherungsabgaben der Arbeitgeber, die Mehrwertsteuer, die steuerliche Gesamtbelastung der Firmen, die Warentransportkosten, aber auch den bürokratischen Prozess für Firmengründungen. Der Präsident der ACCI, Konstantinos Michalos, präsentierte die Befunde der Untersuchung, die Resultat der Auswertung von Daten der Weltbank ist und in einer Broschüre mit Titel „Wer vertreibt die Unternehmen aus Griechenland?“ herausgegeben wurde. Die Ergebnisse zusammenfassend betont er Herr Michalos:

Griechenland gehört heutzutage zu den Ländern Europas mit dem feindlichsten Steuerumfeld für die Unternehmen. Die Gesamtbelastung erreicht fast 52% ihrer Einnahmen, während der entsprechende Prozentsatz in den konkurrierenden EU-Ländern – wie Bulgarien und Zypern – 27% nicht übersteigt. Die hohe Besteuerung in Kombination mit der Rezession, dem Liquiditätsmangel und den Hindernissen, welche die Kapitalkontrollen schaffen, bildet für die griechischen Unternehmen ein strangulierendes Umfeld. Jeden Monate schließen Hunderte und andere sind gezwungen, ihren Sitz oder ihre Aktivitäten in das Ausland zu verlegen, um zu überleben. Ebenfalls liegen die Arbeitgeber-Versicherungsabgaben (24,6%) um fast 10 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Nachbarländer, während auch die MwSt. drei Einheiten über dem Mittelwert der balkanischen und benachbarten Länder liegt.

Steuern, Abgaben, Transportkosten der Unternehmen in Griechenland

Detailliert und je Kategorie der Belastungen stellen die Befunde der Untersuchung sich folgendermaßen dar:

1. Unternehmensbesteuerung

In Griechenland beträgt die auf Gesellschaften erhobene Steuer ab diesem Jahr 29%, während sie in Bulgarien gerade einmal 10%, in Zypern 12,5%, in Rumänien 16% und in der Türkei 20% beträgt. Den zweithöchsten Steuersatz hat mit 27,5% Italien eingeführt.

Einfacher gesagt, wenn die Unternehmenssteuer auch mit den übrigen Balkanländern verglichen wird, ergibt sich, dass sie in Griechenland am höchsten ist.

2. Arbeitgeber-Versicherungsabgaben

Höher sind in Griechenland auch die Kosten der Beiträge, welche die Arbeitgeber an die griechischen Sozialversicherungskassen entrichten. Die Untersuchung zeigt, dass diese 24,6% der Bruttolöhne entsprechen und um 10 Prozentpunkte über dem Mittelwert der Nachbarländer (15,2%) liegen und die zweithöchsten nach Italien sind. In Zypern zahlen die Unternehmer gerade einmal 7,8% der Bruttolöhne, in Bulgarien bewegen die entsprechenden Sätze sich ab 17,8% bis 18,5% und in der Türkei liegen sie bei 17,5%.

3. Mehrwertsteuer

Die in Griechenland produzierten Industrieprodukte werden ebenfalls mit hohen MwSt.-Sätzen belastet. In Griechenland sind es 23%, in Zypern 19%, in Bulgarien 20%, in Rumänien 16,5% und in der Türkei 15%. Aber auch Italien hat mit 22% eine niedrigere Mehrwertsteuer.

4. Steuerliche Gesamtbelastung

Die steuerliche Belastung für die griechischen Unternehmen beläuft sich mit 51,9% ihrer Einnahmen auf einen um 18 Punkte über dem Mittelwert der Nachbarländer liegenden Satz. In Zypern wurde die entsprechende steuerliche Belastung mit 24,4%, in Bulgarien mit 27%, in Rumänien mit 42% und in der Türkei mit 40,9% gemessen.

5. Inlands-Transportkosten importierter Waren

Die Produktimporte nach Griechenland erfolgen hauptsächlich über die bulgarisch – griechische Grenze, wobei die Kosten für den Transport der Ladung von dort bis zur Lagerstätte sich auf 745 Euro pro Ladung belaufen. Die entsprechende Aufwendung beträgt in Bulgarien gerade einmal 105 Euro, in Zypern 179 Euro, in Skopje 139 Euro und in Albanien 309 Euro.

6. Bürokratie bei der Gründung von Unternehmen

Die Anzahl der erforderlichen Prozesse, die für die Gründung eines Unternehmens in Griechenland notwendig sind (nur 5 Vorgänge), ist die viertniedrigste unter den Nachbarländern und liegt gerade einmal 0,6% unter dem Durchschnitt. Zusätzlich beträgt die für die Gründung eines Unternehmens in Griechenland benötigte Zeit 13 Tage, und obwohl sie unter den Nachbarländern zu den längsten zählt, liegt sie beim Gesamtmittelwert. Die sich aus dem Verfahren zur Gründung eines neuen Unternehmens in Griechenland ableitenden Kosten als Prozentsatz des Pro-Kopf-Einkommens liegen dagegen mit 2,2% unter den Nachbarländern recht niedrig, wo sich der Durchschnittswert bei 6,5% bewegt und der höchste Wert 16,6% (Türkei) tangiert.

Kammern fordern essentielle Senkung der Steuersätze

In diesem Rahmen legen die Kammern wieder den Vorschlag bezüglich einer essentiellen Senkung der Steuersätze vor. Zentrale Punkte des Vorschlags sind die Senkung der Basis-Gesellschaftssteuer auf 15%, die Beschränkung des Steuersatzes der Unternehmen hinsichtlich ihres Umsatzes auf ein Niveau, das 35% nicht übersteigt, sowie auch die Senkung der bestehenden Steuervorauszahlungssätze um 50%.

Parallel werden eine Reihe verwaltungstechnischer Maßnahmen mit Ziel die Beseitigung der Hindernisse für das Unternehmertum vorgeschlagen, wie beispielsweise die selbständige Informationsschöpfung bei den Behörden.

(Quelle: Imerisia, Autor: Christos Kolonas)

  1. matiolo
    1. April 2016, 23:21 | #1

    Und wer hört hin?!

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