Sandkasten-Revolution in Griechenland

22. April 2016 / Aktualisiert: 22. April 2016 / Aufrufe: 1.139
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Griechenlands Finanzminister Efklidis Tsakalotos droht wegen immer neuer Forderungen der Gläubiger mit seinem Rücktritt, der jedoch kaum etwas ändern wird.

In Griechenland geht die Verarschung regulär weiter. Finanzminister Efklidis Tsakalotos droht nun mit seinem Rücktritt – natürlich (nur) nur von dem Amt des Ministers -, wenn die Forderungen der Gläubiger weitergehen.

Um es zu kapieren: Herr Tsakalotos, der bisher all die harten Maßnahmen akzeptiert hat, bereitet eine Widerstandsbewegung vor, weil die Ausländer immer mehr verlangen. Diese Widerstandsbewegung ist jedoch à la carte.

Die Möchtegern-Partisanen der „53“

Das Menü umfasst nämlich nicht auch eine Niederlegung des Mandats als Abgeordneter. Und diesen Maßnahmen, wegen der Herr Tsakalotos von seinem Ministerposten zurücktreten wird (falls er es tut …), wird er als Abgeordneter zustimmen! Sowohl Widerstand als auch Unterstützung. 2-in-1 von dem griechischen Minister, der nicht Griechisch sprechen kann – und, wie es scheint, sich auch nie dafür interessierte, es zu erlernen … .

Herr Tsakalotos wird also den Widerstandskämpfer spielen, zusammen mit den anderen Möchtegern-Partisanen, den sogenannten „53“. Pseudo-Revolutionäre. Angeblich gegen den Kurs reagierend, den Alexis Tsipras verfolgt. Aber das ist Quatsch …

Die „53“ – oder so viele letztendlich innerhalb und außerhalb des Parlaments verblieben sind – stehen in keinerlei Zusammenhang mit Panagiotis Lafazanis und seinen Unterstützern. Jene hatten eine klare Linie. Unabhängig davon, ob man ihnen nicht zustimmte, oder sie an Utopien glaubten und keine Ahnung von den geopolitischen Beziehungen hatten, war ihr „Bekenntnis“ erkennbar. Die „53“ sind dagegen so etwas wie eine … Imitation. Von allem etwas und leicht links. So wie es auch die SYRIZA der 3% war … .

Deswegen machen alle einen großen Fehler, die meinen, aus den Reaktionen … politischer Giganten (…) wie Herrn Tsakalotos werde sich eine politische Instabilität ergeben.

Tsipras will einfach nur an der Macht bleiben

Zur selben Stunde bereitet Premierminister Alexis Tsipras sich auf eine Regierungsumbildung vor; nachdem vorher die Bewertung (des „griechischen Programms“ durch die ausländischen Gläubiger) überstanden ist. Und welcher wird der schwergewichtige Name sein, den Herr Tsipras in die Schlacht werfen wird? Fotis Kouvelis. Herr, vergib uns! Alexis wird Fotis aus dem Lager der Reservisten einberufen, um zu zeigen, dass er den Einfluss der SYRIZA politisch zu der gemäßigten Linken hin ausweitet. Um ein mehr im linken Zentrum angesiedeltes Profil zu stärken …

Was soll man dazu sagen? Es gibt Situationen und Aktionen, die über einen Hinweggehen. Und das Einzige, was man tun kann, ist die Hände zum Himmel zu erheben. Nur das bleibt einem übrig. Das Schlimmste wiederum ist, dass – wenn eine Regierungsumbildung erfolgt – die neue Regierungsformation höchstwahrscheinlich schlimmer als die bestehende sein wird. Wie es auch mit der Regierungsformation geschah, die sich nach den September-Wahlen (2015) gegenüber der ergab, die im Januar 2015 angetreten war.

Wäre der Premierminister wirklich an einem Schema interessiert, das mit Persönlichkeiten bereichert werden würde, die nicht aus dem engen Kern seiner Beziehungen stammen, sondern zu regieren fähig sind, hätte er dies nach seiner Wiederwahl (im September 2015) getan. Er wollte und will es jedoch nicht, weil sich ganz einfach die Obsessionen seiner Minister nicht von seinen eigenen unterscheiden. Antwort, er selbst ist reichlich zynischer und hat die Beibehaltung der Macht als grundsätzliches Ziel.

Lassen wir uns also sehen, wann die Menschen (endlich) aufwachen werden …

(Quelle: capital.gr, Autor: Dimitris Papakonstantinou)

  1. Kleoni
    22. April 2016, 10:34 | #1

    Das europäische wie auch das griechische Kapital und ganz besonders die Finanzmärkte wollen, dass wieder 90% der Griechen „bluten“ bzw. noch mehr sparen sollen, weiter Lohnverzicht üben, die roten Kredite (meistens Eigentumswohnungen bzw. Baukredite) an Geierfonds gehen, die dann die Noch-Eigentümer auf die Strasse setzen. Keine Arbeit, kein Geld, keine Krankenversicherung, also bleibt für viele Griechen nur noch, „sozialverträglich“ ins Grab zu gehen. Der Neoliberalismus ist kurz vor dem Ziel, das wirtschaftsbelagerte Griechenland ist nun sturmreif für das Kapital.
    Die soziale Marktwirtschaft – nach dem Krieg in vielen europäischen Ländern praktiziert – ist dem globalisierten Raubkapitalismus, dem Neoliberalismus geopfert worden. Ich schreibe dies als überzeugte Sozialdemokratin.

  2. Anton
    22. April 2016, 15:34 | #2

    Ich kann der Kritik von Papakonstantinou nicht ganz folgen. Die Menschen sind doch aufgewacht, wie die Streiks in den letzten Tagen zeigten.

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