Griechenland: Besteuert auch die Gedanken!

21. April 2016 / Aufrufe: 991
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Nachdem in Griechenland alle materiellen Dinge mit horrenden Steuern belegt wurden, liegt es nahe, nun auch das Denken zu besteuern.

Unsere „aufgeklärten“ Regierenden in Griechenland entschieden sich, alles und jeden zu besteuern. Alles, was kreucht, fleucht und schwimmt, wie auch der Volksmund zu sagen pflegt.

Alles wiederum, was in jedem ernsthaften Staat besteuert wird, wie (insbesondere) das Einkommen, suchten sie wie ein Orkan heim und erhöhten wucherisch die Steuersätze, die Steuervorauszahlungen und die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung – mit dem Resultat, die Arbeitnehmer zu eliminieren, die Selbständigen zu vernichten und den kleinen und großen Unternehmen den Garaus zu machen.

Überbrückung der Kluft zwischen Marx und Platon

Und nachdem sie die Einkommen absorbierten, nahmen sie sich die Immobilien vor. Den Besitz von Immobilien über jegliches sich aus diesen ergebende Einkommen hinaus besteuernd, konfiszieren sie praktisch schrittweise das immobile Vermögen. Danach wendeten sie sich dem Handel zu und hoben die Mehrwertsteuer auf exorbitante Höhen an. Fahrzeuge, Benzin, Mobiltelefonie, bis hin zum Pay-TV, alles passiert das Bett des steuerlichen Prokrustes.

Der Steuersturm endet jedoch nicht hier. Jetzt beginnt die monomanische Phantasie der neostalinistischen Hirne zu arbeiten! Nachdem wir mit der Besteuerung der materiellen Dinge fertig sind, lassen wir uns zur platonischen Welt der Gedanken und des Wissens schreiten. So wird (letztendlich) die Kluft zwischen Marx und Platon überbrückt.

Verfeinerte Form der Spanischen Inquisition

Scientia est potentia„. Wissen ist Macht. Eine Phrase, die Francis Bacon, dem Patriarchen der englischen Philosophie zugeschrieben wird. Da also das Wissen Macht ist, lassen wir uns das Wissen besteuern. Also Angriff auf die private mittlere Bildung und Krieg gegen die privaten Universitäten. Sogar auch die Fremdsprachen-Schulen. Und wenn wir sie nicht zu besteuern vermögen, lassen wir uns sie abschaffen.

Alles, was mit privater Bildung zu tun hat, muss besteuert oder anderenfalls nach unten eingeebnet werden, analog zu dem öffentlichen Bildungswesen. Und was kümmert es, dass das Recht der Bürger auf freie Wahl zwischen öffentlicher und privater Bildung, ein in jeder bürgerlichen Demokratie europäischen Typs unantastbar verankertes Recht, beschnitten wird.

Etwa so stellt sich heutzutage eine moderne und verfeinerte Form der mittelalterlichen Spanischen Inquisition dar. Damals brachte das Wissen Galiläus auf den Scheiterhaufen. Heute führt das Wissen zum Finanzamt! Quelle des Wissens ist aber in der modernen Welt nicht nur das Bildungswesen. Gleichermaßen ist es auch das Internet, die größte kulturelle Erfindung des Menschen nach dem Rad! Lassen wir uns also auch das Internet besteuern.

Ich erlitt wirklich einen Schock, als ich diesen Vorschlag zu hören bekam. Steuer auf das Internet! Steuer auf die Information und das Wissen!

Nichts ist zufällig. Im Mittelalter und unter den modernen totalitären Regimes verbrannte man die gefährlichen Bücher. Heute werden wir das Internet besteuern. Es hätte auch schlimmer kommen können. In der Türkei und in China legten die Behörden das Internet lahm, als es sie zu stören begannen, und fanden ihre Ruhe. Warum also sind jene weniger Demokraten?

Griechenland als Albanien unter Enver Hodscha

Nach dem Wissen bleibt jedoch etwas, das immer noch nicht besteuert wird. Es sind die Gedanken! Ich schlage also vor, dass auch das Denken besteuert wird. Warum bitteschön soll das Denken, das die größte Treibkraft, jedoch oft auch für die Herrschenden gefährlich ist, unbesteuert bleiben? Praktisch könnte dies folgendermaßen geschehen:

Es werden lokale Parteiausschüsse gebildet, die einmal im Monat die Bürger vorladen und auffordern werden, detailliert über ihre im vergangenen Monat angestellten Überlegungen zu berichten. Vorrang werden die in letzter Zeit aufmüpfig gewordenen Journalisten haben. Und wenn die Gedanken für verdächtig oder im Widerspruch zu den Statements des Regimes stehend befunden werden, wird dann der Bürger besteuert werden. Werden sie wiederum als mit dem parteilichen Evangelium in Einklang stehend beurteilt, wird der Bürger auf dem öffentlichen Sektor eingestellt oder, wenn er es bereits ist, zusätzliche Bonuspunkte erhalten oder von der angeblich alle drei Jahre erfolgenden – sei es auch nur formalen – Beurteilung ausgenommen werden können.

Also los, Leute. Etwas Phantasie und noch einige Steuern mehr, und wir werden es schaffen, dass Orwell an die paradiesische Insel Utopia erinnert. Bis wir wie Albanien unter Enver Hodscha werden, haben wir noch ein Stück Weg vor uns. Aber es wird uns gelingen. Auch das werden wir schaffen.

(Quelle: capital.gr, Autor: Theodosis Mpountourakis, Ökonom)

  1. Zambo
    21. April 2016, 07:41 | #1

    Nicht vergessen: die Gesetze in Griechenland werden von den Geldgebern gemacht, nicht von der Regierung …

  2. LiFe
    21. April 2016, 14:09 | #2

    … und weil der Mensch auch träumt, so sollen Träume ebenfalls besteuert werden!

  3. Antonios Vassiliadis
    21. April 2016, 16:38 | #3

    … was ist mit der Luft zum Atmen? Auch eine Pups-Steuer gefällig? Müssen Fussgänger dann auch noch Gehweg-Steuer entrichten? Wieviel Wörter sind beim Sprechen ohne Gebühr? Sind die nächsten Wahlen noch σteuerfrei? Eine Sterbesteuer wäre auch noch eine Idee. Fragt sich bloß, wer ohne Familienangehörige danach die Steuererklärung machen soll …

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