Griechenland als Schäubles Kollateralschaden

6. April 2016 / Aufrufe: 1.014
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Yanis Varoufakis spricht von einer Erniedrigung des Premierministers Griechenlands, das von Wolfgang Schäuble als Kollateralschaden betrachtet wird

Europa ist zu wichtig um seinen unkundigen Regierenden überlassen zu werden„: Dies ist der Titel des Interviews des Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis an das Magazin der britischen Zeitung Telegraph, deren Titelblatt der ehemalige Finanzminister mit der Fragestellung ziert: „Ein griechischer Held?“

Der ehemalige Finanzminister Griechenlands spricht ein weiteres Mal über sein Verhältnis zu Alexis Tsipras, seinen Einstieg in die Politik, über Wolfgang Schäuble, aber auch die Zukunft Griechenlands.

Varoufakis: Ich beabsichtigte nie, Politiker zu werden

Die ersten Monate (mit Alexis Tsipras) waren Monate der Freude, weil Alexis und ich verbunden waren. Wir befanden uns auf der Seite der Engel und ich fühlte, dass wir das, was wir taten, gemeinsam taten. Als ich jedoch spürte, dass die Troika einen Keil zwischen uns getrieben hatte, wandelte diese Freude sich in Schrecken. Und ich blieb so lange ich konnte, allein aus Pflichtgefühl gegenüber dem Premierminister, weil ich spürte, dass – selbst wenn er Kompromisse einginge, die zur Kapitulation führen würden – der Moment kommen würde, in dem er sich dermaßen erniedrigt fühlen würde, um für Lösungen zu mir zu kommen. Dies geschah jedoch nicht„, erklärt der ehemalige Finanzminister.

Sich auf seine erste „Begegnung“ mit der SYRIZA im Jahr 2009 beziehend, als diese – wie Yanis Varoufakis sagt – „eine sehr kleine Partei der Größenordnung von 4% war und eine ähnliche Linie wie die des Brexit hatte„, meint er: „Damals hatte ich sie vor diesem Thema gewarnt und ihre Ansicht geändert„. Im Jahr 2012 jedoch, als die SYRIZA die Wahlen mit einem Versprechen gewinnen zu werden schien, die Verschuldung neu zu verhandeln, trat Tsipras an ihn (Varoufakis) heran und bat ihn, aus den USA – wo er sich damals aufhielt – nach Griechenland zurück zu kommen und Mitglied seiner Regierung zu werden, fügt die Zeitung an.

Beantwortend, warum Herr Varoufakis sich den Vorschlag anzunehmen entschloss, meint er: „Ich beabsichtigte niemals, Politiker zu werden. Fragen Sie meine Frau danach. Es gibt jedoch eine moralische Verpflichtung, die ein jeder trägt. Wenn man andauernd sagt ‚wir müssen nicht dies, sondern jenes tun‘ und einem beschieden wird, ’schön, komm her und mach das, was Du vorschlägst‘, was soll man dann antworten?

Griechenland befindet sich in einer schlimmeren Lage als je zuvor

Yanis Varoufakis beharrt darauf, dass das Schicksal Griechenlands vorgezeichnet war und von dem langjährigen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich beeinflusst wird. Wie er meint, belegt sich dies auch aus dem Umstand, dass Länder wie Spanien, Irland, Portugal und die Länder des Baltikums ihre eigenen Austeritätsprogramme durchsetzten.

Sich speziell auf den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble beziehend meint er über diesen, „seine Ansicht über Griechenland ist, dass es sich um einen Kollateralschaden handelt„, und fügt an:. „Ihn (Schäuble) interessiert Frankreich und das Prozedere mit der Troika hier in Griechenland ist ein Weg, Paris unter Kontrolle zu halten.

Yanis Varoufakis kommt sogar auf die erste persönliche Begegnung zwischen Schäuble und ihm zurück, bei der – wie er sagt – dieser zu ihm meinte, „das erste Programm ist gescheitert, finden wir also einen Modus des Gleichgewichts, damit Griechenland keine Last für alle anderen ist„. „Ich glaubte, es werde alles gut werden, Schäuble verschlug mir jedoch die Sprache. Er hob seine Hand und sagte mir ‚Es darf nicht gestattet werden, dass die Wahlen das wirtschaftliche Programm Griechenlands ändern‘. Und meine Antwort lautete, diese Ansicht sein ein Geschenk an die Kommunistische Partei Chinas, die genau das selbe glaubt.

Was Griechenland betrifft, vertritt Yanis Varoufakis, es befinde sich jetzt in einer schlimmeren Lage als je zuvor. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Besteuerung der Unternehmen haben die kleinen Unternehmen zum Ersticken gebracht und eine Welle der Abwanderung großer Unternehmen nach Bulgarien verursacht, wo die Steuer 10% beträgt, vertritt der ehemalige Finanzminister. Bezüglich der Eurozone schließlich vertritt er, sie befinde sich im Jahr 1930 und steuere auf ihre Auflösung zu. „Ich befürchte, sie kann nicht gerettet werden, es soll mich jedoch der Fluch treffen, wenn ich zur selben Stunde einfach nur dasitzen würde um dem zuzuschauen, was geschieht„, endet Yanis Varoufakis.

(Quelle: Imerisia)

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