Die Zeit für Griechenland läuft … erneut ab

7. April 2016 / Aufrufe: 1.276
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Obwohl das Thema der Verschuldung Griechenlands das am leichtesten lösbare Problem ist, riskiert Europa eine neue griechische Krise.

Die griechische Wirtschaft steckt immer noch in einer hoffnungslosen Situation, und trotzdem scheint eine neue Krise zu lauern. Sollte sie eintreten, könnte sie in einem großen Teil Europas die Hoffnungen auf einen Aufschwung zunichte machen. Die letzte Notsituation wird nicht so schnell in Vergessenheit geraten, jedoch geschieht auch nichts, damit eine Wiederholung vermieden wird.

Die letzte Auseinandersetzung zwischen der Regierung Griechenlands und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), einem der offiziellen Gläubiger des Landes, unterstreicht einfach nur die kontinuierliche Dysfunktion. Die Sackgasse muss durchbrochen werden. Damit dies geschieht, muss die Europäische Union die Fäden übernehmen, ihre heutige Haltung revidieren und Griechenland eine Erleichterung der Verschuldung gewähren.

IWF setzt Europa unter Druck, endlich zu handeln

Griechenlands Brutto-Inlandsprodukt sinkt weiterhin jedes Jahr. Ungefähr ein Viertel der Bevölkerung hat keine Arbeit. Die Sparer zogen im Februar 2016 weitere 500 Millionen Euro von den Banken ab und zeigten damit, dass das letzte Rettungsprogramm es nicht geschafft hat, das Vertrauen wiederherzustellen.

Die Zeit endet. Programmgemäß hat Griechenland am 20 Juli 2016 allein 2,4 Milliarden Euro an nominaler Verschuldung und Zinsen für Kredite bei der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Investitionsbank zu zahlen. Die gesamten Bedürfnisse für die Bedienung von Schulden des Landes im Juni und Juli 2016 übersteigen 10 Milliarden Euro – welches Geld das Land nicht hat, außer wenn bis dahin mehr Mittel aus dem Rettungsprogramm freigegeben worden sind.

Da dieser Druck steigt, versuchen der IWF und die Europäische Union, sich auf eine gemeinsame Haltung zu einigen. Der IWF urteilt, Griechenland brauche eine Erleichterung seiner Verschuldung, die EU stellt sich dagegen. Die von Wikileaks veröffentlichten Protokolle zeigen die verzweifelten Amtsträger des IWF, sich zu fragen, ob es einer neuen Krise (sprich eines „Zahlungsausfalls“) bedarf, damit Europa zu handeln gezwungen wird, In diesem Moment erscheint dies außerordentlich wahrscheinlich.

Die EU riskiert eine neue griechische Krise

Griechenland lastet dem IWF an, böswillig zu agieren, und meint, er unterstütze eine neue Krise – eine offensichtlich irrige Interpretation, die das Misstrauen der selbigen griechischen Regierung belegt. Es ist jedoch wahr, dass der IWF sich von Anfang an nicht eingemischt haben sollte. Die EU hat alle Mittel, die gebraucht werden, damit dieses Problem gehandhabt wird. Einen Teil der zu verteilenden Kosten macht eine ausreichende Erleichterung der Verschuldung aus, damit die fiskalpolitische Position Griechenlands tragfähig wird und der Aufschwung der realen Wirtschaft beginnt.

Dies weiterhin verweigernd riskiert die EU tatsächlich, eine neue griechische Krise zu verursachen. Dem hinzuzurechnen ist die Möglichkeit, dass in diesem Sommer England für das Ausscheiden aus der Union abstimmt, von dem sich fortsetzenden Notstand im Flüchtlingsthema ganz zu schweigen. Von all diesen Problemen ist die griechische Verschuldung das am leichtesten lösbare. Und trotzdem lässt Europa seine Verlängerung zu.

Griechenland hat natürlich eine schwierige Aufgabe vor sich, sogar auch dann, wenn ihm eine Entlastung der Verschuldung gewährt wird. Es wird die Reformen bei seinen öffentlichen Finanzen fortsetzen müssen. Es wird aufhören müssen, bei dem Verkauf der staatlichen Vermögenswerte Zeit zu schinden, und seinen Banken zu erlauben haben, ihre Bilanzen zu korrigieren, indem sie ihre leistungsgestörten Kredite selbst dann verkaufen, wenn die Käufer die sogenannten „Geierfonds“ (vulture funds) sind. Die Gläubiger werden legitim auf einer weiteren Anstrengung beharren – ohne eine neue Entlastung der Verschuldung fordert die EU jedoch das Unmögliche.

Bezüglich der endlosen Rezession Griechenlands gibt es etliche Verantwortungen zuzuweisen, in diesem Moment liegt es jedoch hauptsächlich in der Hand der Europäischen Union, die nächste griechische Krise zu stoppen, bevor sie eintritt.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. birdie numnum
    7. April 2016, 12:25 | #1

    Die E.U ist wie ein dicker Haufen Scheisse, egal wie man Ihn wendet oder gar dreht er stinkt gewaltig aus allen lagen..

  2. Antonios Vassiliadis
    7. April 2016, 15:46 | #2

    Gegen die EU vulgär zu stänkern / trollen löst noch lange keine Krise. Die Probleme beim Namen zu nennen und konsequent zu verfolgen (La Garde-Liste oder Panama-papers) traut sich wohl kaum jemand in Europa zu. Wer es wagt, wird abgesägt wie Herr Varoufakis. Überall in Europa, auch weltweit gibt es eine Profit-Lobby, egal wie sie heissen möge. Die Politiker, welche an deren Profit-Strippen hängen und sich mit Gefälligkeiten das Leben leichter gestalten, die sind das Problem. Diese Strukturen, ob diese nun Klientel-Politik geschumpfen wird, scheint irgendwie eine Art gehobene Mafia-Gesellschaft zu sein. Anstatt die Dinge anzupacken und zu verbessern / ändern wird gedroht, blockiert, verschleiert, geschumpfen, Tatsachen verdreht oder mit dem Finger auf Andere gezeigt.

    Frau Merkel sollte endlich einmal mit den Füssen auf dem Boden der Tatsachen ankommen und eingestehen, dass ihre Politik hier in Griechenland auf lange Sicht kaum funktioniert. Herr Schäuble mag sicher Recht haben, aber der Ton und die Art macht die Musik. Ebenso sollte ein Herr Tsipras nicht sein Volk für blöd verkaufen und die Last auf die Kindes-Kinder-Generationen verschieben. Wer ein Veto wie bei der Flüchtlingsdiskussion in Brüssel lauthals anspricht, sollte auch den Rücken dazu haben, es anzuwenden und nicht Blah-blah-blah zu posaunen. Auch seine Parteikollegen stecken sich nach wie vor familiär jobs und Gefallen zu. Wie früher bei anderen Regierungen. Geändert hat sich mit seiner Partei kaum etwas: auch mit seiner Politik geht die Spirale immer weiter abwärts. Hauptsache immer auf die Kleinen! Was hier fehlt, sind von Brüssel und Athen gleichermassen Anreize für Investitionen zu schaffen, die schnellstmöglich und konsequent umgesetzt werden sollten. So kann Griechenland seine Schulden zurück zahlen und die Boulevard-Presse kann sich woanders Dummköpfe suchen.

  3. Kleoni
    8. April 2016, 10:43 | #3

    Wenn die Finanzmärkte Griechenland sturmreif belagert haben, dann stehen den Schnäppchenjäger Tür und Tor offen, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, alles was wertvoll ist zu holen, mit dem restlichen Ramsch sollen dann die Griechen eine florierende Wirtschaft aufbauen. So sieht Sklaverei aus.

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