Merkel als einzige Verbündete Griechenlands

14. März 2016 / Aufrufe: 1.589
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Die Beziehungen zwischen Merkel und Tsipras gehen in eine neue Epoche, da die Kanzlerin mit ihrer Haltung im Flüchtlingsthema der wohl einzige Verbündete Griechenlands ist.

In Deutschland begegnet Angela Merkel wegen ihrer Politik im Flüchtlingsthema Reaktionen. Die griechischen Politiker jedoch bewundern ihre Humanität. Plötzlich ist die deutsche Bundeskanzlerin die einzige Verbündete Griechenlands.

Bis vor kurzem sahen in Griechenland etliche Politiker die deutsche Kanzlerin als eine Inkarnation des Bösen. Inmitten der Flüchtlingskrise ist sie jedoch plötzlich eine enge – und womöglich die einzige – Verbündete des Lands geworden: Ein Umstand, der eine bemerkenswerte Wende darstellt.

Griechenland soll kein Abstellplatz für Immigranten werden

Politiker und Experten aus Griechenland schätzen ein, dass Angela Merkel die einzige der Mächtigen der Europäischen Union ist, die auf einer gemeinsamen europäischen Lösung beharrt. Anders gesagt, sie ist die einzige, die nicht zulässt, dass Griechenland zu einem „Abstellplatz“ für Immigranten wird.

Der Umstand, dass sogar auch der Präsident des Europäischen Rats, Donald Tusk, die deutsche Kanzlerin kritisierte, stärkt die Argumente der griechischen Unterstützer Merkels innerhalb der Regierung des Alexis Tsipras. Tusk hatte den Ländern des westlichen Balkans gedankt und so die Politik der Schließung der Grenzen begrüßt. Die griechische Opposition nutzte ihrerseits die neue Haltung der Regierung aus, um in neuen Attacken gegen den Premierminister zu wettern. Bei der Nea Dimokratia (ND) wird eingeschätzt, die Haltung des Ratspräsidenten Tusk verrate eine Akzeptanz der Politik der Schließung der Grenzen bei der letzten Gipfelkonferenz seitens Tsipras‘.

Genau da eilte die deutsche Kanzlerin zu Hilfe. „Dies ist keine Lösung des Problems„, sagte sie bei einer Versammlung ihrer Partei in der Stadt Bad Neuenahr. „Es geht nicht an, dass wir 27 Ländern zuliebe ein Land mit dem Problem allein lassen.“ Die griechische Zeitung „Avgi“ begrüßte die „klare“ Antwort Merkels, auch wenn letztere seit einiger Zeit ihre Haltung gegenüber der anfänglichen Politik der offenen Grenzen geändert hat. Keinerlei Bezug zu der Epoche, als besagte Zeitung die deutsche Kanzlerin in Militäruniform auf einem Panzer darstellte.

Deutschland ist derzeit die Stimme der Logik in Europa

Und nun? Mit wem auch immer man in der griechischen Regierung spricht, man bekommt nur freundliche Worte über Merkel zu hören. Die meisten stimmen dem zu, was der Minister für Migrationspolitik, Giannis Mouzalas, gegenüber der deutschen Zeitschrift „Spiegel“ erklärte: „Deutschland ist in diesem Moment die Stimme der Logik in Europa.

In Regierungskreisen herrscht die Ansicht, die Annäherung zwischen Angela Merkel und Alexis Tsipras stütze sich nicht nur auf ihre Übereinstimmung hinsichtlich der Flüchtlingskrise. Es wird dagegen angenommen, die Chemie zwischen den beiden Politikern sei von Anfang an gut gewesen. Der griechische Premierminister änderte seine Meinung über die deutsche Politikerin bei ihrer ersten Begegnung im Februar 2015, auch wenn er mit der Austeritäts-Politik nicht einverstanden war.

Merkel war in Griechenland nie so verhasst wie man meinen könnte

Welches ist jedoch das Bild, das die griechischen Bürger von Angela Merkel haben? Hierzu muss man wissen, dass die deutsche Kanzlerin in Griechenland niemals so verhasst war, wie man denken könnte. Selbst auf dem Höhepunkt der Krise im Sommer 2015 – der auch der Tiefpunkt der deutsch-griechischen Beziehungen war – hatte laut einer einschlägigen Erhebung einer von vier Griechen eine positive Meinung über Angela Merkel.

Jedoch sind viele Griechen über die Politik der Kanzlerin im Flüchtlingsthema weniger begeistert, da ihnen kaum etwas über Merkels anfängliche Politik der offenen Grenze oder den Umstand bekannt ist, dass sich in Deutschland in diesem Moment eine Million Flüchtlinge befinden. Viele meinen dagegen, Deutschland profitiere wirtschaftlich von dem Eintreffen der Flüchtlinge. Schließlich nehmen auch nicht wenige an, Österreich und die Visegrád-Länder haben den undankbaren Job im Namen Deutschlands übernommen.

Die deutsche Kanzlerin mag vielleicht Alexis Tsipras für sich gewonnen haben – der Weg, bis sie die Griechen für sich gewinnt, ist jedoch noch lang.

(Quelle: DW, Dimitris Eleftherakis / Der Spiegel)

  1. Ingrid
    14. März 2016, 14:40 | #1

    Von der Bundeskanzlerin Merkel kann man halten was man will. Aber eins glaube ich, wenn sie Deutschland nicht mehr mit ihrer Diplomatie regiert, dann sieht es boese aus. Sie laesst sich nicht beleidigen, nicht herausfordern, nicht provozieren. Sie versucht ihren eingeschlagenen Weg zu verfolgen, auch gegen Widerstaende. Sie verfolgt eine Logik, die vielen fremd erscheint, aber letztendlich versucht sie mit allen Mitteln Frieden zu bewahren. Und Frieden ist das Wichtigste fuer die Voelker Europas.

  2. Ronald
    14. März 2016, 16:49 | #2

    Die Kanzlerin ist nicht „anders d’rauf“ als vorher. Sie bemüht sich um einen europäischen Konsenz und ist dieser gefunden, so pocht sie auf Einhaltung der einmal getroffenen Absprachen. Und diese Absprachen sahen vor, 120.000 Flüchtlinge aus Griechenland die in den (dort einzurichtenden) Flüchtlingszentren (nach hiesiger Lesart „KZ“) ausharrten und bereits durch die griechischen Behörden registriert waren (was auch eher nachlässig, nicht oder nicht vollständig gehandhabt wurde) entsprechend einer mehr oder weniger widerwillig zugestandenen Quote auf die europäischen Länder zu verteilen. Bei sage und schreibe 414 Flüchtlingen ist dies nach meinem Kenntnisstand geschehen. Vereinbarung sind dann gut, wenn sich jemand daran hält.

  3. st
    14. März 2016, 19:26 | #3

    Merkel als humane, einzige verbündete Griechenlands? Das kann ich so nicht unkommentiert lassen! Zunächst einmal: würde sich die Kanzlerin wirklich humanen Werten verpflichtet fühlen, dürfte sie innerhalb Europas nicht als heimliche Rektalbewohnerin Washingtons und Ankaras auftreten, sondern müßte endlich den Mut haben, eine eigenständige Wirtschafts- und Außenpolitik zu betreiben, die dann auch solche Katastrophen wie in Syrien von vornherein verhindert hätte. Zumindestens in dem desaströsen Ausmaß, wie wir es jetzt haben. Tausende wären noch am Leben, Millionen niemals vertrieben worden.

    Des weiteren wäre ein humane Kanzlerin Merkel auch niemals als Lautsprecher für Bankster, Investoren und Hedgefonds aufgetreten, die in GR seit dem Ausbruch der Finanzkrise eine soziale Katastrophe ausgelöst haben, um sich dort günstig an den “Filetstücken“ zu bedienen. Leider Gottes unter oftmals nur allzu freundlicher Unterstützung korrupter antipatriotischer griechischer Politiker.
    Vom Verbündetsein kann also keine Rede sein. Ich würde sagen, die Regierung Tsipras steht nahezu nackt da, noch nackter als ihre Vorgänger im Amt, schließlich muß sie ihrem neuen Herrn und Meister, den “Institutionen“ (fka Troika) dienen. Da wird jeder Cent umgedreht.
    Und ist den einschlägigen Journalisten und politisch Verantwortlichen eigentlich nie aufgefallen, wieso es so plötzlich zur Schließung der Balkanroute gekommen ist? Die meisten wollten doch ohnhin nach Deutschland, die allerwenigsten in Serbien oder Ungarn bleiben. Trotzdem wurde hier eine Kettenreaktion ausgelöst, die GR als trauriges Ende zurückläßt. Riecht das ganze nicht nach einer mit Österreich gut abgesprochenen Aktion, sozusagen eine verspätete Strafaktion gegen Griechenland, das sich mit Amtsantritt Syrizas im letzten Jahr so ungehorsam gegenüber den Finanzmogulen aufführte, Brüsseler Politikern Schweißperlen auf die Stirn trieb, und nun zum Prellbock und Auffanglager in einer vollkommen verfehlten Asylpolitik Europas degradiert wird!?
    Deutsche Politiker und Unternehmenskapitäne rufen die Geknechteten und Geschundenen der Welt zu sich, um vom deutschen Honig zu naschen, und wenn es dann zu viel werden, bekommt Merkel Panik und GR den Anschiss, weil es seine tausende Kilometer lange Seegrenze nicht Überwacht. Wie überwacht man unter Finanzaufsicht eigentlich eine tausende Kilometer lange Seegrenze? Mit Zäunen wohl kaum. Das geht nur mit Patronen… (was de facto ein Bruch internationalen Rechts darstellt).

    Nein, nichts geschieht heute aus Zufall! Ich bitte dies immer zu bedenken!

  4. Delta120
    14. März 2016, 20:43 | #4

    Merkel wollte als Hegemon in Europa den Königsteiner Schlüssel in Europa durchsetzen. Die Grenzen bzw. ihrer Sicherung waren ihr da egal. Die Mehrheit der EU Länder sieht jedoch die erste Priorität in der Grenzsicherung und fordern den Umgang von illegalen Grenzgängern nach Schengen bzw. Dublin Verfahren. Jetzt muss Griechenland vor dem finanzellen Kollaps gerettet werden, wegen der zu erwartenden Urlauberflaute,da ansonsten Deutschland für Griechenland mit ca. 87 Milliarden bürgt.

  5. Konstantin
    15. März 2016, 11:09 | #5

    Verbündete helfen und ich sehe keine Hilfe von Merkel. Man bedenke wann die Balkanrouten geschlossen wurden, kurze Zeit nach dem Treffen mit Viktor Orban und Horst Seehofer.

  6. V 99%
    15. März 2016, 13:29 | #6

    Dass einer von vier Griechen eine positive Meinung von Merkel hat, halte ich fuer ein Geruecht. Merkel gilt als die „Koenigin des aussitzens“, was heissen soll, dass sie immer erst eine Meinung zu einem politischem Thema hatte, wenn sich alle anderen schon dazu geauessert hatten, um dann immer mit dem Strom zu schwimmen. Das war beim Thema Fluechtlinge, zum ersten mal seit langem, nicht ganz so. Die Laender und Kommunen in D muessen das jetzt organisatorisch und finanziell „ausloeffeln“. Wenn sie zu ihrer Fluechtlingspolitik stehen wuerde, waere laengst Hilfe in Idomeni angekommen. Statt dessen wird mit dem tuerkischem Grosssultan Erdogan ein einseitiger Pakt geschlossen, zu dessem Vorteil, anstatt mit den Resteuropaern zu verhandeln und Druck auszueben. Die einzige menschliche Geste war ihr reichlich uebertriebenes „Wir schaffen das“, ohne auch nur den geringsten Plan dafuer zu haben. Ich glaube, die Angie hat die Nase voll und will, vielleicht so wie einst Hr. K. Karamanlis, schnell von der Buehne abtreten.

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