Griechenland kann Flüchtlinge nicht aufhalten

11. März 2016 / Aktualisiert: 11. März 2016 / Aufrufe: 1.391

Griechenlands Minister für Zivilschutz betonte bereits vor der Konferenz mit der Türkei, die Flüchtlinge können unmöglich gewaltsam von ihrer Weiterreise abgehalten werden.

Europa betrügt sich selbst, wenn es glaubt, die Flüchtlinge werden in Griechenland eingeschlossen bleiben können„, betonte bereits vor Tagen der stellvertretende Minister für Zivilschutz, Nikos Toskas, in einem Interview an die Sonntagsausgabe der britischen Zeitung Daily Telegraph.

Angesichts der kritischen Gipfelkonferenz zwischen EU und Türkei am 06 März 2016 führte Herr Toskas an, es müsse eine tragfähige Vereinbarung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise gefunden werden.

Griechenland kann die Flüchtlingsströme nicht stoppen

Laut dem Minister für Zivilschutz vermag die griechische Regierung nicht die zehntausende Flüchtlinge und Immigranten zu stoppen, die – mit Ziel die mittel- und nordeuropäischen Staaten – die nördlichen Grenzen Griechenlands passieren wollen.

Zur Stunde, wo 2016 in Griechenland bereits mehr als 125.000 Migranten eintrafen, von denen derzeit rund 35.000 darauf warten, bei Idomeni die Grenze Griechenlands zur ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedoniens (FYROM) mit dem Ziel zu überschreiten, ihre Reise in das übrige Europa fortzusetzen, erachtet Herr Toskas, für Griechenland sei es unmöglich, ihren Marsch zu stoppen und sie auf seinem Gebiet festzuhalten, außer wenn bei der anstehenden (bzw. inzwischen stattgefundenen) Gipfelkonferenz auch andere europäische Staaten einwilligen, ihren Anteil zu übernehmen.

Sie werden Wege finden, weiterzuziehen. Vielleicht in geringeren Anzahlen, jedoch werden sie hingehen, wo sie wollen. Die einzige Weise ist somit, dass es eine Kooperation auf Basis der Logik gibt. Wir wollen ihnen nicht den Zugang gestatten, jedoch ist die Grenzlinie sehr groß und wir bemühen uns. Die gesamten Kräfte der Polizei und des Militärs überwachen diese Grenzen, jedoch ist die Kontrolle der Seegrenzen und der Gebirgsregionen sehr schwierig„, sagte Herr Toskas.

Flüchtlinge und Migranten können unmöglich auf immer und ewig in Konzentrationslagern in Griechenland eingesperrt bleiben

Der Minister merkte an, es werde damit gerechnet, dass im April 2016 rund 100.000 weitere Flüchtlinge und Immigranten eintreffen, und betonte, Griechenland könne nicht das „schwarze Loch Europas“ darstellen und die Erbringung – wenn auch willkommener – Hilfe der EU in Höhe von 300 Mio. Euro dürfe nicht mit einer eventuellen Lösung des Problems verwechselt werden.

Griechenland sei dagegen für eine Vereinbarung, gemäß der die Türkei alle wirtschaftlichen Migranten in dem Moment zurücknehmen wird, wo die übrigen (Flüchtlinge) auf gerechte Weise auf die Mitgliedstaaten der EU verteilt werden. Wie Herr Toskas anführte, wollen in Wirklichkeit nur 2% oder 3% der Flüchtlinge und Immigranten in Griechenland bleiben, während ihre Mehrheit von reicheren Staaten Nordeuropas Asyl gewährt zu bekommen wünscht.

Ist es möglich, dass wir all diese Menschen, die woanders hin wollen, für immer in Konzentrationslagern festhalten? Können wir sie mit Gewalt festhalten? … Es ist unmöglich. Aus diesem Grund schlagen wir vor, dass diese Menschen auf eine proportionale Weise auch in andere Länder der EU gehen und die wirtschaftlichen Migranten in ihre Herkunftsländer oder in die Türkei zurückehren. Natürlich kann eine kleine Anzahl im Land bleiben, die jedoch nicht erheblich sein darf„, unterstrich Herr Toskas und betonte, Griechenland erwarte konkrete Resultate von der anstehenden Gipfelkonferenz.

Wir wissen, dass das, was vereinbart werden wird, auch umzusetzen sein wird. Ganz Europa hat dem Problem zu begegnen, weil das Problem die Gesamtheit Europas beeinflusst. Es stellt eine Katastrophe für Griechenland dar, es stellt eine Katastrophe für alle dar„, meinte der stellvertretende Minister für Zivilschutz.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Ronald
    11. März 2016, 14:25 | #1

    Hier liegt wohl ein redaktionellen Fehler vor: Es harren keinesfalls 35.000 Flüchtlinge in Idomeni aus, auch nicht 30.000 (wie es in der Quelle steht). Die Zahl bezieht sich lt. Angabe der Regierung in Athen auf die Gesamtheit aller Flüchtlinge auf dem griechischen Festland. Nach Schätzungen befinden sich derzeit rund 12.500 Flüchtlinge in Idomeni.

    • Team
      11. März 2016, 14:55 | #2

      Danke für den Hinweis, die Formulierung war falsch und wurde korrigiert. Wie viele Menschen direkt bei Idomeni warten, weiß niemand genau, die Hilfsorganisationen sprachen von bis zu rund 15.000.

  2. weekend
    12. März 2016, 10:46 | #3

    Was fuer ein EU-Denken, die Fluechtlinge werden an den benachbarten Grenzen mit Stacheldraht abgehalten weiterzuziehen und Griechenland soll sich nun kuemmern. Gaebe es bei der EU Verantwortung und ein bisschen Gerechtigkeit, muessten die Verantwortlichen sofort nach Griechenland reisen und vorort nach einer Loesung suchen. Da Ihnen bewusst ist, dass die griechische Bevoelkerung selbst grosser Not leidet und die noetigste Hilfe von der EU, von humaner Sicht aus, unbedingt selbst Soforthilfe noetig haette um noch schlimmeres, menschlicheres Leid abzuwenden … – ach da trifft man sich zu diversen Gipfeln und beraet sich, in der Hoffnung das Problem erledigt sich von selbst?

Kommentare sind geschlossen