Melkeimer-Syndrom bedroht Griechenlands Wirtschaft

16. Februar 2016 / Aktualisiert: 18. Februar 2016 / Aufrufe: 829
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Griechenland scheint von dem Syndrom des Melkeimers besessen zu sein und wieder einmal kurz davor zu stehen, den sich füllenden Milchkübel umzustoßen.

Von der griechischen Zeitung Imerisia nach seiner Einschätzungen in Zusammenhang mit dem Verlauf der griechischen Wirtschaft inmitten der herrschenden politischen Ungewissheit, des Drucks der Gläubiger und der Gefahren, die das Flüchtlingsproblem birgt, antwortete ein wirtschaftlicher Spitzenfaktor: „Griechenland ist von dem Syndrom des … Melkeimers besessen.“ Und damit meinte er natürlich nicht die Viehzüchter, die sich zusammen mit den griechischen Bauern in Aufruhr befinden.

Die selbe Persönlichkeit erinnerte an die volkstümliche Redensart: „Sobald der Melkeimer mit Milch gefüllt ist, versetzt die Kuh ihm einen Tritt und kippt ihn aus„, wozu er sagt: „Wissen Sie, auch die Deutschen bedienen sich einer ähnlichen Phrase und sagen: Was hilft’s, dass die Kuh viel Milch gibt, wenn sie den Kübel umstößt?

Griechenland läuft in Gefahr, erneut den Milcheimer umzustoßen

Dieses Bild gab besagte Person, damit beschreiben wollend, was in den letzten Wochen in Griechenland geschieht, und schlägt die Alarmglocke bezüglich einer ernsthaften Entgleisung mit unvorhersehbaren Dimensionen, wenn nicht bald alle Fronten geschlossen werden.

Es passierten etliche Monate, schmerzhafte Entscheidungen und heftige politischen Kollisionen, damit Griechenland die Grexit-Szenarien ausräumt. Und trotz des Umstands, dass sich die ersten Anzeichen eines Aufschwungs – hauptsächlich an der Front der (öffentlichen) Einnahmen – zu zeigen begonnen hatten, läuft das Land seit Beginn des Jahres 2016 in Gefahr, wieder den Melkeimer mit der Milch umzustoßen.

Der erste Riss – ungerechte Umverteilung und dramatische Unfähigkeit

Die Vorschläge für das Versicherungssystem, so wie sie von Arbeitsminister Giorgos Katrougkalos präsentiert wurden, die – wie er sagte – einen … Klassencharakter aufweisende Umverteilung, die Ungerechtigkeiten, die sie verursacht, aber auch die Verlagerung der Lasten (zu Gunsten der heutigen Rentner) auf die heutigen Generationen der Beschäftigten, die jedoch geringere Renten als die von ihnen eingezahlten Beiträge beziehen werden, waren der erste Riss in dem guten Klima, das sich zu bilden begann.

Die dramatische Verzögerung bei den Verhandlungen (mit den sogenannten „Institutionen“, sprich Gläubigern des Landes), das Unvermögen, die anhängige „Bewertung“ – die seit November 2015 hätte vollendet worden sein müssen – abzuschließen, die sich zuspitzenden gesellschaftlichen Reaktionen, aber auch die Szenarien bezüglich – wenn auch kontinuierlich dementierter – rapider politischer Entwicklungen haben in der Wirtschaft und auf dem Markt einen neuen „Infarkt“ verursacht.

Trotz des Umstands, dass Ende 2015 alle von einer Rückkehr zum Aufschwung in diesem Jahr (2016) und einem (primären) Haushaltsüberschuss sprachen, der geeignet sein würde, die Tür zum Ausgang aus der Krise zu öffnen, haben die ersten 40 Tage des Jahres 2016 intensive Nachdenklichkeit und Befürchtungen bezüglich einer drohenden neuen fiskalischen „Entgleisung“ hervorgerufen.

Jede verzögerte „Bewertung“ macht die nächste noch schwerer

Bezeichnend sind die Warnungen des griechischen Unternehmens- und Industrieverbands (SEV), der in seinen wöchentlichen Reports wegen ernsthafter Auswirkungen aus den vielen offenen Fronten Alarm schlägt. Aber auch des (ehemaligen Finanzministers der Regierung Samaras und heutigen Direktors der griechischen Zentralbank) Giannis Stournaras, der von dem Podium des Parlaments vor einem Rückschritt warnte.

Damit jegliches negatives Szenarium abgewendet wird und die Wirtschaft in Richtung des Aufschwungs voranschreitet, müssen die existierenden Möglichkeiten bis zum Äußersten genutzt und Fehler der Vergangenheit vermieden werden, die in Sackgassen führten … . Die Erfahrung zeigt, dass jedes Mal, wo es uns misslang, die Bewertung (der Umsetzung) des Programms hinter uns zu bringen, das Vertrauensklima belastet und die nächste Bewertung noch schwieriger wird, wir also in einen Teufelskreis geführt werden„, betonte der Leiter der Griechischen Bank (TtE).

Eine Ansicht, die auch die Träger des Marktes, Industrielle, Händler und Handwerker teilen, die ein „Einfrieren“ der wirtschaftlichen Aktivität wegen der vielen offenen Fronten sehen. Die Unternehmerwelt sorgt sich über die rapide Verschlechterung des wirtschaftlichen Klimas und verlangt:

  • Schnellstmöglicher Abschluss der Bewertung mit den Gläubigern.
  • Vermeidung von Neuwahlen oder anderen politischen Unruhen, die der Wirtschaft schaden werden, um jeden Preis.
  • Stärkung des Systems mit Liquidität von den Banken, die dem Teufelskreis der Ungewissheit entkommen müssen, der erneut die Guthaben vertreibt und zu einem Zusammenbruch ihrer Aktien führt.

Ungewissheit und Flüchtlingsproblem lassen Böses schwanen

Merkmal der herrschenden Situation ist die Bekanntgabe einer Rezession von 1,9% im vierten Quartal 2015, offensichtlich als Resultat der (im Sommer 2015 verhängten) Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland. Aber auch der Umstand, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) mittels des Herrn Thomsen zusätzliche Maßnahmen mit einem Volumen von über 9 Mrd. Euro verlangt, zeigt, dass man dort eine große fiskalische Lücke „sieht“. Von Seite der griechischen Regierung wird dagegen vertreten, mit Abschluss der (anhängigen) Bewertung werde die Ungewissheit enden, die Wirtschaft sich erholen und es keiner zusätzlichen Maßnahmen bedürfen.

Jedenfalls bezieht die bei politischen und wirtschaftlichen Faktoren herrschende Besorgnis sich darauf, wie viel diese anhaltende Ungewissheit die Wirtschaft kosten wird – speziell, wenn die Vollendung der Bewertung sich bis Ostern, sprich Ende April 2016 hinzieht (der griechisch-orthodoxe Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 01 Mai …). Bis dahin wird also 1/3 des Jahres 2016 verloren gegangen sein – mit allem, was dies für den Aufschwung impliziert.

Und schließlich vermag natürlich auch niemand die Größe des Schadens einzuschätzen, den das (mit Verwaltungskosten von rund 1 Mrd. Euro zu Buche schlagende) Flüchtlingsproblem allem voran – jedoch nicht nur – dem Tourismus zufügt.

(Zu letzterem sei angemerkt, dass die Reiseveranstalter, aber auch Touristen bereits im vergangenen Jahr auf die unsäglichen Zustände speziell auf den von Flüchtlingen und Immigranten überschwemmten griechischen Ägäis-Inseln „allergisch“ reagierten und es zigtausende Stornierungen hagelte.)

(Quelle: Imerisia)

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