Griechenland ruft Botschafterin aus Wien ab

26. Februar 2016 / Aufrufe: 1.274
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Auf die Alleingänge Wiens reagierend rief Griechenland seine dortige Botschafterin zurück, was aus Österreich mit einer weiteren provokanten Bekanntmachung quittiert wurde.

Nach der vor zwei Tagen erfolgten Demarche des griechischen Außenministeriums wegen der Initiative bezüglich einer Konferenz der österreichischen Innen- und Außenminister mit ihren Amtskollegen der westlichen Balkanländer unter Abwesenheit Griechenlands als „nicht freundliche“ und „außerinstitutionelle Handlung, die den Buchstaben und den Geist der EU-Konventionen und des Internationalen Flüchtlingsrecht verletzt„, wurde auf Anweisung des griechischen Außenministers Nikos Kotzias am 25 Februar 2016 Griechenlands Botschafterin Chrysoula Aliferi aus Wien nach Athen „zu Beratungen“ zurückberufen, „damit die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Staaten und Völkern Griechenlands und Österreichs bewahrt werden„.

Die EU muss vor Geschichtsunkundigen geschützt werden

Wie die einschlägige Bekanntmachung des griechischen Außenministeriums betont, „ist klar, dass den großen Problemen der Europäischen Union nicht mit Denkweisen, Mentalitäten und außerinstitutionellen Initiativen begegnet werden kann, die ihre Wurzeln im 19 Jahrhundert haben, noch können die Beschlüsse der Staatsführer durch Anweisungen von Polizeipräsidenten substituiert werden. Letzteres stellt ein signifikantes Demokratieproblem dar. Ebenso zeigt es die Notwendigkeit zum Schutz der Europäischen Union vor diversen Geschichtsunkundigen auf„.

Das griechische Außenministerium betont ebenfalls, „die einseitigen Initiativen zur Lösung des Flüchtlingsproblems und die Verletzungen des Internationalen Rechts und der europäischen Errungenschaften durch Mitgliedstaaten der EU sind Praktiken, welche die Fundamente und den Prozess der europäischen Vereinigung zu untergraben vermögen„. Weiter betont es, „die Verantwortungen für die Bewältigung der Immigrations- und Flüchtlingskrise belasten nicht nur ein einzelnes Land“, sowie auch, „der gesunde Menschenverstand erlegt auf, dass die effiziente Bewältigung dieses komplexen Problems von den Prinzipien der Solidarität und der gerechten Verteilung der Lasten gesteuert werden muss. Griechenland arbeitet in eine solche Richtung.

Griechenland soll die Anzahl der Flüchtlinge reduzieren …!

Die Reaktion aus Österreich kam umgehend … . Die beständige negative Haltung des österreichischen Chef-Diplomaten Sebastian Kurz fortsetzend reagierte das österreichische Außenministerium auf die Rückberufung der griechischen Botschafterin mit neuer Kritik gegen Griechenland.

In seiner am Nachmittag (25 Februar 2016) elektronisch an die österreichische Nachrichtenagentur (APA) übermittelten Bekanntmachung führt das österreichische Außenministerium an, „Österreich versteht die in Griechenland herrschende Spannung, da der Druck auf Griechenland steigt, bei einer Einschränkung des Flüchtlingsstroms zu kooperieren„. Weiter fügt es an, es sei das Recht eines jeden Landes, seine Diplomaten abzubeordern, und bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass es bei den Griechen nun eine Änderung der Denkweise geben werden wird.

Wir sehen in diesem Fall eine Gelegenheit, dass die Botschafterin die griechischen Verantwortlichen hinsichtlich der Situation und der Herausforderungen für die Zielländer des Flüchtlingsstroms – wie es Österreich ist – informiert„, wird in der Bekanntmachung des österreichischen Außenministeriums betont und angefügt, Griechenland müsse dazu beitragen, dass die Anzahl der gen Norden ziehenden Flüchtlinge reduziert wird.

(Quelle: Imerisia)

Zu letzterem sei angemerkt, dass wie üblich auch in diesem dummdreisten Statement die Art und Weise, auf die Griechenland den Flüchtlingsstrom reduzieren soll, wohlweislich nicht explizit benannt wird. Jedem halbwegs intelligenten und realistisch denkenden Menschen ist jedoch klar, dass es eigentlich nur zwei Optionen gibt: nämlich entweder die Flüchtlinge und Immigranten im Meer ertrinken zu lassen bzw. gezielt zu ersäufen oder ganz Griechenland zu einem riesigen Internierungslager für in Europa unerwünschte Spezies zu machen!

  1. Ronald
    26. Februar 2016, 08:46 | #1

    Natürlich ist es ein unfreundlicher Akt von Österreich, Griechenland als Einreiseland in die EU nicht zur „Balkankonferenz“ einzuladen; auch dann, wenn man anerkennen muss, das Österreich pro Kopf die größte Zahl aufgenommener Flüchtlinge hat. Wahrscheinlich ist man nach den Erfahrungen der letzten Jahre einfach nicht mehr gewillt, mit Griechenland zu verhandeln, selbst dann nicht, wenn es um andere Theman als die Finanzkrise geht. Es ist bemerkenswert, dass nur Deutschland, Luxemburg und die EU-Kommission auf die Einhhaltung der Absprachen hinsichtlich der Flüchtlingsverteilung pocht, also ausgerechnet die Länder bzw. Institutionen, die in der Finanzkrise das Feindbild Griechenlands waren. Die Länder abseits der Flüchtlingsrouten, auf die GR in der Krise gesetzt hatte, etwa Frankreich und Spanien, gehen in Deckung und sehen das ganze als PAL (Problem anderer Länder). Soviel zum Thema solidarität.

  2. Mike
    26. Februar 2016, 09:00 | #2

    Was soll denn das ganze,wer hat die ganzen Fluechtlinge eingeladen?War es nicht Frau Merkel die sagte Ihr seid alle herzlich Wilkommen? Und jetzt wollen Sie Griechenland alleine im Regen stehen lassen? Was ist das fuer eine EU? Wie Aussengrenzen der EU schuetzen? Mit Waffengewalt? Ich kann dieses ganze EU-Gesueltze nicht mehr hoeren, das ist ein Verhalten wie im Kindergarten und wird zudem noch super bezahlt.

  3. Rudi
    26. Februar 2016, 11:04 | #3

    Ich schließe mich der Anmerkung zu 100% an. Unglaublich, wie man Griechenland im Regen stehen lässt. Die EU muss den Kriegsflüchtlingen den lebensgefährlichen und illegalen Weg übers Meer ersparen. Das geht nur, wenn man die Lager rund um Syrien menschenwürdig ausstattet und in ganz Europa Flüchtlinge aufnimmt.
    Die größte Idiotie ist die Dublin-Verordnung, nach der ein Asylsuchender in dem Mitgliedsstaat, den er zuerst betreten hat, seinen Asylantrag stellen muss.
    Mir graut es, wenn ich an die Zukunft Europas denke. Die EU wurde aus wirtschaftlichen Interessen gegründet. Ein Markt, auf dem sich aber alle gegenseitig nur über den Tisch ziehen, ist zum Scheitern verurteilt. Jetzt zeigt sich, dass es zu einer echten Union mehr bedarf als eines gemeinsamen Marktes. Wer wird siegen, nationaler Egoismus, oder Solidarität?

  4. HJM
    26. Februar 2016, 11:12 | #4

    Die Anmerkung bezeichnet das statement des österreichischen Außenministeriums als „dummdreist“. Unterschreibe ich sofort. Nun sind allerdings fairerweise in diesem Ministerium zumindest Restbestände an Verstand zu vermuten. Was ist also beabsichtigt bzw. was steckt dahinter? Nackte Angst vor der FPÖ, deshalb der Versuch des Einsammelns der Rechten? Stillschweigendes placet von Berlin? Soll die Situation in Griechenland so dramatisch eskalieren, daß die „Koaltion der Unwilligen“ sich bewegen muss? Letztere Alternative wäre an Zynismus kaum noch zu überbieten. Gilt im übrigen auch für das laute Schweigen der USA. Daß vorliegend noch das jahrhundertelange Motto österreichischer Politik, nämlich „es muss etwas geschehen, aber so, daß nichts passiert“, regieren könnte, kann man wohl kaum annehmen.

  5. Ingrid
    26. Februar 2016, 12:05 | #5

    Man sollte die „zustaendigen Damen und Herren“ der EU, der Mitgliedslaender nach Griechenland schicken. In die Lager, auf die betroffenen Inseln, an die Grenze. Dort vor Ort muessten sie Hilfe leisten oder die Hilfsbeduerftigen abweisen. Nicht nur fuer einen Kurzbesuch, nein, fuer mehrere Wochen.
    Es ist ja so einfach in Wien, Bruessel, oder sonstwo im Warmen zu sitzen und ueber Griechenland zu urteilen. Keiner hat das Recht irgendwelche Entscheidungen zu treffen, der das Elend nicht miterlebt hat.

  6. Pelukane
    26. Februar 2016, 12:20 | #6

    Ich selbst als Österreicherin stimme NICHT mit dem Vorgehen meiner „Regierung“ überein! Und so auch viele andere! Wie jedes Jahr möchte ich griechisch Ostern in Griechenland mit meiner griechischen Familie verbringen, wir reisen wie jedes Jahr mit dem Auto über den Balkan an. Muss ich mir jetzt Sorgen um meine Sicherheit machen? Denn mit einem österreichische Kennzeichen ist man schnell als „Mitträger“ der Entscheidungen der idiotischen österreichischen Regierung gebrandmarkt. Wir – meine Freunde denken genau so – werden NICHT auf unser Osterfest mit Freunden und Familie verzichten! Unsere „liebe Regierung in Wien“ sollte mal dringend nach Griechenland Reiseindustrie sich die Situation vor Ort ansehen, bevor sie mit idiotischen Beschlüssen noch mehr Unheil anrichtet!

  7. LiFe
    26. Februar 2016, 19:31 | #7

    Es war nicht klug die Griechen nicht mit an den Tisch zu holen. Diese Flüchtlingsprobleme kann Griechenland nicht alleine bewältigen. Ein Blick auf der Karte müsste reichen, um zu begreifen, dass Griechenland unmöglich Grenzen schließen kann. Zur Türkei möchte ich mich nicht äußern. Europa destabilisiert sich selber, wenn Mitgliedsländer sich mit gegenseitigen Vorwürfen und Angriffe verstricken! Mit Ausgrenzung kommen wir nicht weiter. Reicht es nicht, dass sämtliche arabischen Länder über Jahrhundert einander nicht mögen? Muss Europa ebenso sich infantil verhalten? Genug ist genug. Es muss verhandelt werden und im übrigen habe ich gelesen: 140.000 registrierte Flüchtlinge sollen in Deutschland verschwunden sein. Wo sind sie? Es gibt viel zu tun.

  8. Gerhard
    26. Februar 2016, 21:55 | #8

    langsam schäme ich mich, Österreicher zu sein, auch wenn ich diese drittklassigen „Politiker“ nicht gewählt habe …

  9. GR-Block
    26. Februar 2016, 23:47 | #9

    Neinnein, das Haus Habsburg hat sich noch nie von nationalen Empfindlichkeiten Anderer beirren lassen, wenn es um die Frage ging: Krieg oder Frieden, und zwar seit Jahrhunderten, in Europa.
    Reicht es nicht, dass sämtliche arabischen Länder über Jahrhunderte einander nicht mögen?“ – Äh … wie viele arabische Länder haben wir denn in Europa? Den europäischen Kriegen der letzten zwei Jahrhunderte nach zu urteilen, jede Menge. Die Vereinigten Europäischen Emirate haben dazu nicht einmal einen ausländischen Imperialismus gebraucht. Jaja, die hat der Nahe Westen mit seinen ach so „europäischen Werten“ ganz allein geschaffen, und die hat er erfolgreich auch in den Nahen Osten exportiert. Was hätten auch „Waffen-Exportnationen“ sonst tun sollen, wo doch ihre Völker nach dem zweifachen Overkill im 20. Jahrhundert kriegsmüde geworden waren?

  10. Tom
    28. Februar 2016, 19:26 | #10

    Offensichtlich ist es so, daß man in Österreich auch als geistig Minderbemittelter ein Ministeramt bekleiden kann, sonst hätten sie , bevor sie ihre dämlichen Kommentare zum Thema „Schutz der EU-Außengrenzen“ wo angeblich die dummen , faulen Griechen Ihrer Verantwortung nicht nachkommen, die aktuelle Rechtslage einmal studiert. Das was Mikl-Leitner und Co unter Grenzsicherung verstehen, ist rechtlich gar nicht möglich. Ein Flüchtling, der einmal die EU Außengrenze ( auch zur See ) erreicht hat darf gar nicht unmittelbar an der Weiterfahrt gehindert, zur Umkehr gezwungen oder gar seinem Schicksal überlassen werden. Was genau soll also die griechische Küstenwache nach der Meinung von Mikl-Leitner mit den Flüchtlingen anstellen , ohne internationales Recht zu verletzen ?
    Bisher konnte man durchaus vor der Leistung Österreichs, gemessen an seiner Bevölkerungszahl eine große Zahl an Flüchtlingen aufgenommen zu haben, den Hut ziehen. Die Aktion allerdings, die in der letzten Woche im Rahmen einer eher konspirativen Konferenz einiger Westbalkan-Staaten und Österreichs den faktischen Ausschluß Griechenlands aus dem Schengen-Raum zum Ziel hatte, ist an Erbärmlichkeit nicht zu überbieten. Hier wird Griechenland bewusst zum Auffangbecken für all jene gemacht, die Zentral-Europa nicht aufnehmen kann oder will – wohl wissend, daß Griechenland damit hoffnungslos überfordert sein wird und das Ganze eigentlich nur in einer humanitären Katastrophe enden kann. Bravo Österreich! Laßt die Flüchtlinge doch einfach verrecken, dann seid Ihr das Problem los! Und die dummen, faulen Griechen gleich mit; sollen die doch mit „Ihren“ Flüchtlingen machen, was sie wollen, Hauptsache die krepieren alle außerhalb der neuen europäischen Grenzen, damit Ihr das Elend nicht auch noch sehen müsst. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die EU zunehmend als eine Vereinigung von Geiern verstanden wird, die bei der erstbesten Gelegenheit über den Schwächsten in Ihrer Mitte herfallen und zum eigenen Wohl in Stücke reißen.
    Armes Europa, was ist nur aus Dir geworden ?

  11. jo
    1. März 2016, 16:57 | #11

    ich bin Österreicherin, lebe in der Schweiz und schäme mich zutiefst für mein „Heimatland“. 90 % der österreichischen Politiker sind an Dummheit, Primitivität und Ignoranz kaum zu übertreffen. Welche makabren „Witzfiguren“ ein Land wie Österreich regieren ist schwer zu fassen …

  12. Christoph
    2. März 2016, 13:57 | #12

    Ich bin auch Österreicher und lebe in Österreich. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft kann ich mit eigenen Augen sehen wie sich diese jungen Männer, ja es sind NUR junge Männer zu sehen, benehmen. Falls Frauen dabei sind, sieht man sie nicht. Warum kann jeder selber spekulieren.
    Fakt ist dass Lebensmittel in einer Art und Weise verschwendet werden, dass es mir graust. Ich war immer eher rechts und meine Geschwister eher links angesiedelt. Seit aber die Töchter meiner Geschwister sich nicht mehr alleine auf die Straße trauen, bin ich der Liberalste unserer Familie.
    DAS sollte zu denken geben. Unsere Mädchen und Frauen fürchten sich vor den Einwanderern. Die Polizei ist machtlos und unsere gefühlte Sicherheit ist weg. Bitte kommen Sie nach Feldkirch, ist gleich an der Schweizer Grenze, und gehen Sie ALLEINE um 22:00 Uhr durch unser ehemals schönes, friedliches und sicheres Städtchen und alle Worte erübrigen sich

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.