Griechenland „killt“ seine Wirtschaft …

21. Januar 2016 / Aufrufe: 1.413

In Griechenland muss endlich begriffen werden, dass es unmöglich ist, eine Wirtschaft durch ihren Staat in Gang zu halten.

Im Juli 2015 sahen wir in Griechenland drei Wochen lang die Rollläden der Bankfilialen geschlossen. Trotz all der damit verursachten Panik und des Trommelfeuers von Artikeln und Analysen, handelte es sich für die griechische Wirtschaft allerdings um keine essentielle Änderung: für viele griechische Bürger „schlossen“ die Banken bereits mit dem Ausbruch der wirtschaftlichen Krise.

Bankfunktionären zufolge bezieht sich heutzutage die Mehrheit der alltäglichen Vorgänge bei den griechischen Kreditinstituten auf den Erhalt von Zahlungen, die Einbehaltung von Rechnungsbeträgen und allgemein Hilfsarbeiten zugunsten des Fiskus. Welche Tatsache natürlich keine Überraschung hervorruft, da bekannt ist, dass die Gewährung von Krediten durch die Banken seit Jahren mit der Pipette erfolgt – ein Zustand, der sich mit der Kapitalflucht und der Verhängung der Kapitalkontrollen im vergangenen Sommer noch mehr verschlimmerte.

Griechenlands Wirtschaft ist an ihren Grenzen angelangt

Während die Banken ihre Rolle als Finanzierungsgeber für die reale Wirtschaft vergessen haben, liegt diese in den letzten Zügen, und der einzige Bereich, der weiterhin überlebt, ist der gierige öffentliche Sektor Griechenlands. Wie lange kann jedoch eine solche Balance halten? Nachdem seit 2008 eins von vier Unternehmen geschlossen haben, nachdem ein Viertel der Bevölkerung – wie auch die Hälfte der jungen Leute – beharrlich arbeitslos bleibt, wie sollen die 768.009 verzeichneten öffentlichen Bediensteten unterhalten werden, wobei fast die Hälfte von ihnen innerhalb der kommenden vier Jahre Gehaltserhöhungen von bis zu 25% erwarten – und zwar in dem Moment, wo fast jede griechische Familie ihr verfügbares Einkommen schrumpfen sieht?

Es ist bezeichnend, dass der Orkan der Steuererhöhungen des Jahres 2015 von den erwarteten 1,735 Milliarden Euro gerade einmal 38 Millionen Euro einbrachte, wobei die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus sogar anstiegen. Die Regierung mag für das Jahr 2016 neue Steuermaßnahmen vorbereiten, sie mag die Verpflichtungen der Selbständigen und Freiberufler auf bis zu 60% des deklarierten Einkommens hochtreiben wollen, jedoch ist zweifelhaft, dass sie ihre (Einnahme-) Ziele erreichen wird.

Es ist ganz klar, dass Griechenlands Wirtschaft an ihren Grenzen angelangt ist. Und je tiefer wir in die Krise schreiten, um so unvermeidbarer wird es, dorthin zurückzukehren, wo wir anfingen – oder wohl eher dahin, wo wir niemals hingingen. Die harten und abscheulichen Memoranden scheiterten mit Pauken und Trompeten, da ihre Umsetzung niemals das große schwarze Loch der griechischen Wirtschaft berührte (oder es minimal tangierte, bis die nächste Regierung kam, um wieder alles „zurückzunehmen“).

Wo nichts ist, gibt es auch keine Steuern

Das erste Memorandum sah auf dem öffentlichen Sektor eine (1) Neuanstellung je fünf (5)Ausscheidungen und zusätzlich eine (Zwangs-) Suspendierung von 1% der öffentlichen Bediensteten vor. Heute fährt der Staat darin fort, der beste Arbeitgeber des Landes zu sein, wobei sieben von zehn Einstellungen den öffentlichen Sektor betreffen. Parallel zu den schmerzhaften Erhöhungen der Versicherungsbeiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhandelt die Regierung sogar auch über die Einstellung weiterer 11.000 öffentlicher Bediensteter und beweist dabei wieder ihre Orientierung zur Unterhaltung durch den Staat.

Jahrelang galt, dass die Gehälter des öffentlichen Sektors die Wirtschaft in Gang hielt. Ohne die Steuern der Privatleute kann es jedoch keine öffentlichen Gehälter geben. Und um eine Privatperson zu besteuern, muss sie … etwas haben. So sehr auch die Regierungen beharren und Steuersätze und Abgaben erhöhen, was ist, nachdem fast ein Viertel der Griechen mit der Gefahr der Armut lebt, noch übriggeblieben um … ausgepresst zu werden?

Trotz der Empfehlungen der internationalen Gläubigern und der Gebote des gesunden Menschenverstandes strebte keine mit der Krise fertig zu werden versuchende Regierung an, den Staat auf das Ausmaß der Möglichkeiten des Landes zu bringen, obwohl genau dies uns in diese Lage gebrachte hat.

Es hat endlich eine unterschiedliche Tangierung zu erfolgen. Wir haben nach Bulgarien zu schauen, wohin die griechischen Unternehmer eilen, wir haben nach Irland und Portugal zu schauen, die mit uns zusammen in die Memoranden gerieten und mittlerweile hinter sich gebracht haben. Es muss begriffen werden, dass es unmöglich ist, dass eine Wirtschaft mittels ihres Staates in Gang gehalten wird. Und wenn irgendwann die Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben werden, müssen zusammen damit auch die Rollläden der Wirtschaft hochgezogen werden, und zwar diesmal für alle.

(Quelle: sofokleous10.gr, Autorin: T. Nifili)

  1. LiFe
    21. Januar 2016, 12:24 | #1

    Einzig die die Wirtschaft (Mittelständige Unternehmer) belebt hatten waren Handwerker, Kaufleute und kreative Köpfe. Die Tragik der Geschichte (nicht nur in Griechenland): Sie wurden stranguliert und dies führte zwangsläufig zum Tod der Wirtschaft.

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