Griechenland kann Europa immer noch zerbrechen lassen

31. Januar 2016 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.567

Griechenland und seine Schwierigkeiten könnten die europäische Einheit nach wie vor zum Zerbrechen zu bringen.

Wenige Monate und eine Million Immigranten früher waren die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands das größte Thema in Europa. Trotz des Rettungsprogramms des vergangenen Jahres (2015) können jedoch Griechenland und seine Schwierigkeiten die europäische Einheit immer noch an den Rand des Abgrunds bringen, da der Prozess der Reformierung des Landes auf eine Kollision zusteuert.

Während der griechische Premierminister Alexis Tsipras und seine Partei, sie SYRIZA, ein Jahr an der Macht (sprich den Jahrestag der Parlamentswahlen im Januar 2015) feiern, werden sie zu einer schwierigen Frage geführt: der Versicherungsreform. Die griechischen Gewerkschaftsorganisationen haben auf die Drohungen bezüglich der Kürzungen der Renten mit Streiks und wütenden Protesten geantwortet.

Europa droht, Griechenland auf den Flüchtlingen „sitzen bleiben“ zu lassen

Die SYRIZA und ihr Koalitionspartner (sprich die Unabhängigen Hellenen / ANEL) halten gerade einmal 153 der insgesamt 300 Sitze des griechischen Parlaments, also eine magere Mehrheit, die keine politischen Spielräume für Manöver lässt. Und Tsipras‘ interne politische Widersacher umkreisen ihn wie Geier.

Zu den Problemen des Premierminister kommt hinzu, dass die Partei der amtierenden Opposition, sprich die Nea Dimokratia (ND), nunmehr den neuen Parteivorsitzenden Kyriakos Mitsotakis an ihrer Spitze hat, einen zuverlässigen und fähigen Reformator. Mitsotakis hat auf schlaue Weise die hauptsächlichen Nummern des Rettungsprogramms akzeptiert, während er sich jedem Schritt entgegen stellt, den Tsipras macht um es zu schaffen. Wenige der kleineren Parteien Griechenlands haben auch nur das geringste Motiv, der SYRIZA zu helfen, die Schläge wegzustecken, die der weiteren Austerität folgen werden.

Und als ob Athen nicht schon genug Probleme hätte, hat das Unvermögen des Landes, den Fluss der Immigranten nach Europa zu bremsen, die politischen Faktoren der EU erbost. Griechenland hat bisher gerade einmal zwei der versprochenen Auffangeinrichtungen (Hotspots) für die Registrierung der Immigranten erstellt und die Amtsträger der EU drohen, das Land von dem – den freien Grenzübergang gestattenden – Schengener Abkommen auszuschließen, wenn der SYRIZA-Regierung nicht gelingt, sich zusammenzureißen. Dieser Zug würde die Grenzen Europas nach Norden verschieben und Griechenland von Flüchtlingen überschwemmt zurücklassen, die dann nirgendwo mehr hinkönnen.

Merkel wird Griechenland nicht mehr helfen können

Das vielleicht größte Problem des griechischen Premierministers Alexis Tsipras ist jedoch, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Spielraum mehr haben wird, mit seiner Regierung einen Kompromiss zu schließen.

Merkel hatte darauf gewettet, dass die Deutschen ihr gestatten würden, künftige Wellen von Flüchtlingen in ihrem Land aufzunehmen, ohne deren Anzahl zu beschränken. Da jedoch die deutschen Bürger Angst vor den Auswirkungen der Zunahme der Immigranten auf die Sicherheit und die Identität des Landes haben, hat Merkel die Quoten ihrer Unterstützung auf das niedrigste Niveau seit vier Jahren fallen sehen. Sie könnte bald politisch zu schwach werden, um Griechenland eine weitere – so nötige – Hilfslinie zu bieten.

Zwischen einer immer zornigeren griechischen Bevölkerung und Gläubigern gefangen, die nicht nachzugeben bereit sind, könnte Tsipras sich ein weiteres Mal in der Schusslinie wiederfinden. Aus diesem Grund ist Griechenland, obwohl die Flüchtlingskrise und das anstehende Referendum über die Beteiligung Großbritanniens an der Europäischen Union in den Nachrichten Europas vorherrschen, weiterhin die Story, die den europäischen Konsens an den Knackpunkt zu bringen vermag.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. windjob
    31. Januar 2016, 13:00 | #1

    Soll es doch. Was besseres kann uns nicht passieren. Hat den noch keiner begriffen, dass die EU schon längst nicht mehr krank sondern zerbrochen ist. Dank der derzeit herrschenden korrupten Sippschaft.

  2. Anton
    31. Januar 2016, 13:28 | #2

    Die Überschrift suggeriert, dass an der Krise der EU Griechenland eine wesentliche Schuld tragen würde. Das ist jedoch äußerst fraglich. Ist nicht eher die Situation in Griechenland Ausdruck einer grundsätzlichen Krise der EU? So scheitert z.B. jeder Versuch einer Quotenregelung für eine Verteilung der Flüchtlinge – jedoch nicht an der griechischen Regierung. Ebenso wurde das dritte Memoradum Griechenland aufgedrückt, obwohl fraglich ist, ob durch die darin enthaltenen Verpflichtungen Griechenland überhaupt aus der krisenhaften Situation kommt.

  3. Michael
    31. Januar 2016, 15:03 | #3

    Europa hat kein wirkliches Problem damit Griechenland zu „entlassen“. Auch Italien, Spanien, Portugal können gehen, wenn sie wollen. Weniger ist mehr. Die EU hat sich bis zur Handlungsunfähigkeit aufgeblasen. Kaum fließen die Fördermittel nicht mehr, bzw. in den Osten, ist die halbe EU bankrott. Das haut so nicht hin. Daran sollte man nicht festhalten.

  4. LiFe
    31. Januar 2016, 23:40 | #4

    Jedes europäische Land hatte seine Geschichte gehabt. Europa glaubte gemeinsam wachsen zu können. Jedoch hat die Realität unterschiedliche Stärken und Schwächen aufeinander prallen lassen und man hatte sich nicht auf Augenhöhen begegnen können. EUROPA Was nun?

  5. GR-Block
    1. Februar 2016, 01:01 | #5

    Nein, Europa hat kein wirkliches Problem. Es sind nur seine „Investoren“, die ihre Jagdgründe nicht verlieren wollen. Und natürlich sind die Länder, deren Märkte ausschließlich mit Import überflutet werden, die letzten, die den Binnenmarkt verlassen dürfen. Nein, eher geht noch Deutschland. Denn hier sind die Märkte dicht. Da gibt es nichts mehr zu erobern. Die „Investoren“ brauchen entwickelbare, noch brach liegende Märkte.
    Die „Fördermittel“ tun ihre Arbeit. Alle lokale Produktion ist zusammengebrochen und die „Investoren“ werden nachhaltig gefördert.

  6. Konstantin
    1. Februar 2016, 14:05 | #6

    Gab es den jemals eine europäische Einheit? Oder ist es nicht eher so, dass finanzstarke selbsternannte europäische Eliten anderen Ländern eine Diktatur auf zwingen? Was es nicht gab, kann Griechenland nicht zerbrechen lassen.

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