Das Spiel mit den Medikamenten in Griechenland

20. Januar 2016 / Aktualisiert: 07. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.846

Griechen sind international Dritte bei Ausgaben für Medikamente!

Unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Griechenland einen der ersten Plätze bei den Pro-Kopf-Aufwendungen für Medikamente inne. Laut dem – im November an die Öffentlichkeit gegebenen – Bericht des Jahres 2015 gibt Griechenland nach den USA und Japan das meiste Geld für pharmazeutische Aufwendungen pro Kopf aus. Konkret scheint jeder Grieche im Durchschnitt jährlich 721 Dollar für Medikamente auszugeben (in Kaufkraft-Definitionen – PPP), gegenüber 1.026 Dollar, die ein Amerikaner, und 752 Dollar, die ein Japaner ausgibt. Am anderen Ende befinden sich Estland und Dänemark, die mit entsprechen 272 und 240 Dollar die beiden letzten Plätze belegen.

Laut dem Bericht beliefen sich die pharmazeutischen Aufwendungen in den OECD-Ländern im Jahr 2013 auf etwa 800 Milliarden Dollar, also ungefähr 20% der Gesamtaufwendungen für die Gesundheit. Die durchschnittliche pharmazeutische Pro-Kopf-Aufwendung beträgt 500 Dollar (dies betriff nicht auf den Verbrauch in Krankenhäusern), wobei die Vereinigten Staaten im Verhältnis zu dem OECD-Durchschnitt eine doppelt so hohe und im Verhältnis zu Japan um mehr als 35% höhere Quote aufweisen. Es wird angemerkt, dass diese Angaben sich nicht auf Ausgaben für Medikamente beziehen, die in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen verbraucht werden.

Aufwendungen der privaten Haushalte für Medikamente

Wie aus den Angaben der OECD hervorgeht, liegen die privaten pharmazeutischen Ausgaben hoch und betrifft im Durchschnitt 43% der Gesamtaufwendungen. Die meisten der privaten Aufwendungen für Medikamente (37%) kommen direkt aus den Taschen der haushalte. Länder wie Frankreich, Deutschland und Japan geben einen relativ geringen Anteil der privaten pharmazeutischen Aufwendungen von ungefähr 25% – 30% an, während sie sich in den Vereinigten Staaten und Kanada (zwei Länder, in denen die private Krankenversicherung in der Finanzierung der Ausgaben für Medikamente eine große Rolle spielt) sowie auch in Polen auf mehr als 60% der pharmazeutischen Aufwendungen betreffen.

In der Mehrzahl der OECD-Staaten sind in den letzten zehn Jahren die privaten Aufwendungen für die pharmazeutischen Produkte schneller angestiegen als die öffentlichen Aufwendungen. Dies beruht zum Teil auf einer beobachteten Verlagerung eines Teils der Kosten auf die Haushalte. Beispielsweise wurde in Ungarn der Anteil der Selbstbeteiligung der Patienten an dem Kauf von Medikamenten zwischen 2010 und 2013 auf 40% bis 45% erhöht. Die Tschechische Republik und die Slowakische Republik gaben ebenfalls eine Erhöhung der Beteiligung der Haushalte an den Medikamenten bis zu entsprechend 38% und 33% an.

Pro-Kopf-Aufwendung für Medikamente 2013 in Dollar Pro-Kopf-Aufwendung für Medikamente 2013 in % des BIP
USA 1.026 1,9
Japan 752 2,1
Griechenland 721 2,8
Kanada 713 1,7
Deutschland 678 1,5
Schweiz 666 1,2
Irland 652 1,4
Belgien 604 1,4
Frankreich 596 1,6
Australien 590 1,3
Italien 572 1,6
Österreich 536 1,2
Slowakei 533 2,0
Spanien 526 1,6
OECD 29 515 1,4
Ungarn 503 2,2
Slowenien 481 1,7
Finnland 459 1,2
Schweden 459 1,0
Korea 438 1,3
Holland 397 0,9
Island 396 0,9
Portugal 392 1,4
Tschechien 381 1,3
Norwegen 367 0,6
Luxemburg 364 0,6
Polen 327 1,4
Israel 287 1,0
Estland 273 1,1
Dänemark 240 0,5

Therapien mit hohen Kosten lassen Aufwendungen ansteigen

Die OECD schätzt ein, dass die pharmazeutischen Aufwendungen in den kommenden Jahren einen Anstieg zeigen werden, und zwar wegen der neuen Therapien mit hohen Kosten, die in den Markt eindringen und von denen damit gerechnet wird, 50% der pharmazeutischen Aufwendungen absorbieren zu werden. Wie der Bericht anführt, werden in Kombination mit der Alterung der Bevölkerung und der Zunahme der chronischen Erkrankungen die Länder einen signifikanten Druck auf ihre Etats erfahren.

Eine speziell Bezugnahme erfolgt in dem Bericht auch auf die hohen Preise der neuen Medikamente, die sich hauptsächlich auf Krebs, Hepatitis C, Lungenhypertonie, multiple Sklerose beziehen, und erhebt eine Reihe von Fragen in Zusammenhang mit der Zugänglichkeit, dem tatsächlichen Nutzen für den Patienten und der Legalität der hohen Preise. Aufzeigend führt der Bericht an, dass gewisse dieser hochpreisigen Medikamente für manche Patienten großen Nutzen zeigen, jedoch nur eine marginale Verbesserung bieten.

(Quelle: Imerisia, Autorin: Eleni Petropoulou)

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